Pandemie: Lambda-Variante in Europa – das ist über die Mutante bekannt

Written By: Ilona Kriesl - Jul• 08•21

Die Corona-Variante Lambda verbreitete sich zuletzt in Lateinamerika. Jüngst gab es auch immer wieder Fälle in Europa. Viele Fragen zu der Variante sind allerdings noch offen.

Alpha, Beta, Gamma oder Delta: Weltweit zirkulieren verschiedene Varianten des ursprünglichen Coronavirus. Die, die sich durchsetzen können, haben meist einen oder mehrere Fitnessvorteile. Die derzeit in Deutschland vorherrschende Mutante Delta vereint wahrscheinlich zwei Merkmale, die ihr Vorteile verschaffen: Das Virus gilt einerseits als ansteckender und gleichzeitig scheinen aktuelle Impfstoffe weniger gut vor einer Infektion mit der Mutante zu schützen.STERN PAID England Corona Impfung Infektionen 19.05

Derzeit gibt es auch viele Berichte über eine Variante, die sich zunächst in Südamerika verbreitet hat. Sie trägt den Namen Lambda oder C.37. Woher das neuerliche Interesse für Lambda stammt, ist nicht ganz klar. Vermutlich spielt ein vermuteter Ausbruch in der spanischen Region Kantabrien eine Rolle. Dort steht Lambda im Verdacht für einen Ausbruch mit rund 80 Infektionen verantwortlich zu sein, berichten spanische Medien. Auch in Großbritannien und Deutschland wurde die Variante bereits nachgewiesen, wenn auch vereinzelt. Was ist über die Mutante bekannt? 

In welchen Ländern hat sich Lambda bislang verbreitet?

Erstmals dokumentiert wurde die Variante in Peru im Dezember 2020. Berichten zufolge machte Lambda im April 2021 bereits 81 Prozent der Corona-Fälle in dem Land aus. Daten aus Genomsequenzierungen lassen vermuten, dass die Variante vor allem in Lateinamerika verbreitet ist, darunter Chile, Peru und Mexiko. Auch in den USA konnte die Variante bereits nachgewiesen werden. Das Portal GISAID, das weltweit Daten zum Vorkommen von Sars-CoV-2-Varianten sammelt und auswertet, listet derzeit 649 nachgewiesene Lambda-Fälle in den USA.

Grundsätzlich ist es nicht unüblich, dass sich einzelne Virusvarianten auch über Ländergrenzen hinweg ausbreiten. Führen Varianten allerdings immer wieder zu Ausbrüchen oder besitzen sie Mutationen, die beispielsweise auf eine höhere Übertragbarkeit hinweisen, werden sie unter Beobachtung gestellt. Das ist seit kurzem bei Lambda der Fall.

Wie bewertet die Weltgesundheitsorganisation WHO die Variante?

Seit dem 15. Juni steht die Variante unter Beobachtung der WHO. Sie ist damit eine von insgesamt 13 "Variants of Interest" (VOI). 

Eine Variante wird zur VOI, wenn sie genetische Merkmale aufweist, die in Verbindung mit veränderten Viruseigenschaften gebracht werden. Gleichzeitig führen VOI zu zahlreichen Ansteckungen oder Clustern in verschiedenen Ländern oder weisen andere Besonderheiten auf, die auf ein aufkommendes Risiko für die globale öffentliche Gesundheit hindeuten.PAID Curevac Bilanz 17.55

Eine Einstufung als besorgniserregende Variante (Variant of Concern, "VOC") gibt es für Lambda derzeit nicht. Zur VOC wird eine Mutante, wenn sich ihre Eigenschaften gegenüber der Ursprungsvariante so verändert haben, dass sie beispielsweise ansteckender ist oder der Immunantwort besser entgehen kann. Dafür braucht es entsprechende Belege. Die WHO listet derzeit vier Varianten als VOC: Alpha, Beta, Gamma und Delta. 

Welche Mutationen weist Lambda auf?

Die Variante weist sechs Veränderungen am Spike-Protein des Virus auf. Diese Veränderungen stehen immer unter besonderer Beobachtung, da das Virus das Protein nutzt, um an menschliche Zellen anzudocken. Gleichzeitig richtet sich die durch Impfstoffe ausgelöste Immunantwort primär gegen das Spike-Protein. Verändert sich das Protein, wirken Antikörper möglicherweise weniger gut gegen das Virus oder aber das Virus kann noch besser an menschliche Zellen andocken. Es ist jedoch auch denkbar, dass Mutationen keinerlei Vorteile für das Virus bedeuten.

Auch andere VOI und VOC weisen mehrere Veränderungen am Spike-Protein auf. Es handelt sich damit also um kein Alleinstellungsmerkmal der Lambda-Variante. 

Welche Informationen gibt es vom RKI zur Lambda-Variante?

Das Robert Koch-Institut (RKI) listet derzeit 103 bestätigte Lambda-Fälle für das gesamte Jahr 2021. Der Anteil der Variante erreichte seinen vorläufigen Höhepunkt in der 22. Kalenderwoche mit 0,4 Prozent. Danach sank der Anteil der Variante wieder ab und lag zuletzt wieder bei null Prozent (KW 25). 

Zum Vergleich: Im selben Zeitraum entwickelte sich Delta in Deutschland zur dominierenden Variante. Lag der Anteil an Delta in der 22. Kalenderwoche noch bei 7,8 Prozent aller untersuchten Proben, ist er mittlerweile auf 59,4 Prozent angestiegen (KW 25). 

Auch Spanien (55), Frankreich (14) und Italien (11) haben laut GISAID bereits Lambda-Fälle. Das Portal listet zudem sieben Fälle in Großbritannien. Die Zahlen liegen damit insgesamt aber auf einem niedrigen Niveau.

Wie gefährlich ist Lambda?

Diese Frage ist aktuell kaum zu beantworten. Zwar gibt es Hinweise, dass die Variante aufgrund ihrer Mutationen infektiöser sein könnte oder der Immunantwort des Körpers besser entgehen könnte, erwiesen ist das letztlich aber nicht. Sollten entsprechende Daten vorliegen, würde Lambda von der WHO zunächst als besorgniserregende Variante eingestuft werden. 

In Deutschland konnte sich Lambda trotz einzelner Nachweise in den letzten Wochen bislang nicht durchsetzen. Das Augenmerk ruht hierzulande vielmehr auf der Delta-Variante des Virus. Experten vermuten, dass Delta die Fallzahlen in den kommenden Wochen Richtung Herbst erneut nach oben treiben könnte.

Eine hohe Impfquote von mindestens 85 Prozent könnte eine mögliche vierte Welle im Herbst nach Einschätzung des RKI aber eindämmen.

Quellen: Robert Koch-Institut (RKI) / Ärzteblatt / WHO

Herdenimmunität: Im Kampf gegen die Delta-Variante muss die Impfquote deutlich steigen. Ist das neue Ziel zu schaffen?

Written By: Tina Pokern - Jul• 08•21

Die Delta-Variante sorgt dafür, dass sich nun noch mehr Menschen im Kampf gegen eine vierte Welle impfen lassen müssen. Die angestrebte Impfquote ist hoch. Sind die Zahlen bis Herbst zu schaffen?

Sommer. Die Inzidenzen sind niedrig, die Impfkampagne schippert vor sich hin und Deutschland atmet auf. Wäre da nicht die Delta-Variante, die auf dem Vormarsch ist und sich anschickt, die Pandemielage kräftig aufzumischen. Die Corona-Variante ist hochansteckend, um ihr die Power zu nehmen, müssen nun noch mehr Menschen die Ärmel hochkrempeln und sich impfen lassen, als bisher gedacht. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die zu erreichende Impfquote nach oben geschraubt und schätzt, dass anstelle von mindestens 80 nun mindestens 85 Prozent der Bevölkerung gegen das Coronavirus immun sein muss, damit die angestrebte Herdenimmunität erreicht werden kann.

"Bei rechtzeitigem Erreichen dieser Impfquote scheint eine ausgeprägte 4. Welle im kommenden Herbst/Winter unwahrscheinlich", schreibt das RKI in seinem Bulletin. Das ist aber nur ein Teil des Satzes, der mit "sofern" fortgeführt wird. Drei wesentliche Faktoren spielen eine Rolle: 1. Impfstoff-Verfügbarkeit 2. Die Impf-Kampagne darf nicht durch Faktoren wie Ferien ins Stocken geraten und 3. "Basishygienemaßnahmen" müssen weiter eingehalten werden. Steigen die Infektionszahlen müssten möglicherweise auch Kontakte wieder reduziert werden. Aber reicht das?Zweitimpfung mit mrna 8.40

Herdenimmunität kaum zu erreichen

Im stern-Interview erklärte Immunologe Carsten Watzl bereits Ende Juni: "Herdenimmunität ist mit der Delta-Variante kaum zu erreichen." Er rechnete vor, dass dafür, wenn man rechne, dass eine Person sieben Personen anstecke – sechs von sieben Personen geimpft sein müssten. Das entspricht einer Impfquote von ungefähr 83 Prozent, also noch etwas geringer als die, die nun das RKI schätzt. "Wir müssten also nahezu 100 Prozent der erwachsenen Bevölkerung impfen, um auf diese 83 Prozent zu kommen. Diesen Wert werden wir nicht erreichen", sagte er. "Es sei denn, wir haben einen großen Prozentsatz an geimpften Kindern und Jugendlichen."

Laut RKI müssen mindestens 90 Prozent der Über-60-Jährigen und mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen vollständig geimpft sein. Das ist mit Blick auf die aktuellen Zahlen ambitioniert. Aktuell sind 39,3 Prozent der Gesamtbevölkerung zweimal geimpft, 56,8 Prozent haben mindestens eine Impfdosis erhalten (Stand: 5.6.). Bei den Menschen ab 60 Jahren sind laut offiziellen Angaben 65,1 Prozent vollständig geimpft, bei den Jüngeren im Alter von 18 bis 59 Jahren sind es 36,6 Prozent. Das RKI gibt sich etwas optimistischer als Watzl und beruft sich auf eine Umfrage zur Impfbereitschaft der Bürger, die zwischen Mitte Mai und Anfang Juni durchgeführt wurde. "Es bestand eine Impfbereitschaft, die die im Modell identifizierten Zielimpfquoten erreichbar erscheinen lassen", schreiben die Expert:innen in dem Bulletin.

Impfmüdigkeit spürbar

Um die Zahlen schnell nach oben zu kurbeln, muss die Impfkampagne weiter vorangetrieben werden oder wie das RKI schreibt "mit hoher Intensität fortgeführt werden". Doch das Bild, das sich derzeit vor allem in vielen Impfzentren zeigt, ist ein anderes. Bei der Buchungslage sei ein Ferieneffekt unverkennbar, sagte Martin Helfrich, Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörden bereits vergangene Woche. Tausende Termine bleiben in dem zentralen Impfzentrum der Stadt derzeit ungebucht, verfallen. Und auch Christoph Schulze, ärztlicher Leiter der Impfzentren des Rhein-Neckar-Kreises sagte im Gespräch mit dem stern: "Leider müssen wir bereits eine gewisse Impfmüdigkeit feststellen. Momentan vergeben wir hauptsächlich Zweitimpfungstermine, Termine für Erstimpfungen werden nur sehr schleppend gebucht."

Der Kampf gegen die Delta-Variante und eine vierte Welle könnte einmal mehr zu einem Wettlauf gegen die Zeit werden. Gerade hinsichtlich der Delta-Variante sei es entscheidend, "dass die noch ungeimpfte Bevölkerung motiviert wird, das Impfangebot noch im Sommer wahrzunehmen, um die notwendigen Impfquoten möglichst bald zu erreichen", schreibt das RKI.

Das sieht auch Gesundheitsexperte Karl Lauterbach so. Hinsichtlich der neuen Schätzung des RKI schrieb er auf Twitter: "Die Idee 'wir öffnen wenn alle ein Angebot hatten, wer nicht will der hat schon', wird nicht funktionieren. Es würde viele Erkrankte geben." Er schlägt vor: "Wir müssen mit dem Impfstoff auf die Straße. In die Ausgehmeilen, vor die Shisha Bars, vor die Cafés." Nur so kämen wir an die 85 Prozent der Erwachsenen heran. Zusätzlich würde, schreibt er, eine Impfempfehlung für Jugendliche ab 12 Jahren helfen.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine Corona-Impfung für Jugendliche ab 12 Jahren derzeit nicht pauschal, sondern beispielsweise nur bei bestimmten Vorerkrankungen und beruft sich darauf, dass diese nur selten schwer an Covid-19 erkranken. Die Empfehlunghatte zuletzt wieder vermehrt für Kritik gesorgt, vor allem hinsichtlich der Rückkehr an die Schulen nach den Sommerferien. Nun äußerte auch Gesundheitsminister Jens Spahn im ARD-"Morgenmagazin" die Hoffnung, dass sich viele Kinder und Jugendliche auch ohne Empfehlung impfen lassen. Er sagte, die Impfstoff-Versorgung habe sich derart verbessert, dass alle Kinder und Jugendliche bis Ende August einen ersten Termin erhalten könnten. Wer wolle, könne geimpft werden. "Ich finde, wir sollten die Kinder und Jugendlichen selbst entscheiden lassen."

Gesundheit: Musik macht schneller: Acht Tipps für die richtige Lauf-Playlist

Written By: Alexandra Kraft - Jul• 08•21

Laufen ist doch langweilig - dachte unsere Autorin lange. Aber dann setzte sie ihre Kopfhörer auf und lief mit Musik. Und sie lernte schnell: Mit dem richtigen Takt rennt und trainiert es sich besser.

Laufen und ich, wir mussten erst Freunde werden. Kein Ball, keine Mitspieler. Langweilig, so meine Meinung vor zehn Jahren. Aber mit Kind und Arbeit war mir auch klar, dass ich nicht mehr regelmäßig zum Basketball-Training würde gehen können. Die Vernunft sagte mir: Geh Laufen, das kannst du immer und überall. So weit die Theorie. Aber mein Bauch schrie immer noch: langweilig. Um dieses nervige Stimmchen nicht mehr hören zu müssen, machte ich etwas, was unter "echten" Läufern eigentlich total verpönt ist. Ich setzte beim nächsten Training Kopfhörer auf und hörte Musik. Mit meinen Lieblingssongs auf den Ohren ging es an die Elbe. Natürlich rutschten alle paar Meter die Kopfhörer raus. Das nervte mächtig, irgendwann klebte ich sie sogar mit Heftpflaster fest. Denn ich merkte von der ersten Laufeinheit an, wie gut mir die Musik tat. Und wie wenig ich meinen inneren Schweinehund noch hörte.

Alles richtig gemacht, wie ich inzwischen weiß. Mein Gefühl von damals ist heute wissenschaftlich belegt. Der Londoner Sportpsychologe Dr. Costas Karageorghis fand heraus, dass mit der richtigen Musik sich Sporttraining um bis zu zwölf Prozent weniger anstrengend anfühlt. Sogar die Wahrnehmung von Schmerz wird mit dem passenden Beat gemindert. Das hilft vor allem Läuferinnen und Läufern, die sich schwer tun, mit der Motivation. Psychologe Karageorghis sagt, dass für Menschen, die Training als schmerzhaft und anstrengend empfinden, Musik den entscheidenden Unterschied machen kann.

Dabei ist die Auswahl der Lieder von großer Bedeutung. Wir haben für Sie einen kleinen Leitfaden erstellt, wie Sie ganz leicht die für Sie passende Musik finden: 

1. Am besten läuft es sich mit Songs, die Sie bereits kennen. Das wurde in zahlreichen Studien belegt. Je bekannter sie uns sind, desto wohler fühlen wir uns.

2. Dr. Karageorghis empfiehlt, nur mit fröhlich, positiver Musik zu trainieren. Denn die gute Stimmung strahlt auch auf das Training ab.

3. Damit es nicht eintönig wird, sollten Sie die Playlist alle paar Wochen neu mischen. Sonst riskieren Sie Gewöhnung – und im schlimmsten Fall sind Sie irgendwann gelangweilt oder gar genervt. Streamingdienste wie Spotify sorgen leicht für die dringend nötige Abwechslung.

4. Ab und zu lohnt es sich aber auch ohne Musik zu trainieren. Denn so nutzt sich der positive Effekt nicht ab.

5. Den Lieblingssong unbedingt für die anstrengendste Etappe aufheben. Das gibt den entscheidenden Push. Vor allem, wenn man die Lautstärke aufdreht. Wer mag, kann natürlich mitsingen. Das hilft, die Atmung zu kontrollieren. Aber mitten in der Stadt oder in einer Laufgruppe vielleicht nicht die beste Idee.

6. Auch der richtige Text hilft. So nutzte der Schwimmer Michael Phelps zum Beispiel den Song von Lil Wayne "I'm Me" und die Zeile "Yes I am the best and no I ain't positive I'm definite", um sich zu pushen. Natürlich muss jetzt nicht jeder Lil Wayne hören. Welche Zeile passt, ist individuell verschieden. Und ändert sich je nach Stimmung auch.

7. Beats Per Minutes (BPM) sind wichtig. Für ein normales Lauftraining eignen sich am besten Songs mit 120 bis 140 BPM. Zum Aufwärmen reichen 110 bis 120 BPM. Wer sich richtig verausgaben möchte, rennt zu 160 bis 180 BPM. Welcher Song wieviel BPM hat, finden Sie hier online. Außerdem finden Sie im Netz auch zahlreiche nach BPM sortierte Playlists. Mit einem Takt, der zum Lauftempo und den Schritten passt, kommt man deutlich langsamer außer Atem. Wer zu schnelle Musik wählt, verausgabt sich unnötig. Und wer zu wenig BPM wählt, bremst seine Laufleistung. Auch sollte der Song einen durchgängigen Rhythmus haben. Denn wechselt der ständig, wird das Training anstrengend.

8. Wenn Sie noch Ideen und Anregungen für Musik suchen, hier der Link zur Playlist des Sport-Psychologen Karageorghis.

Kampf gegen Corona: 35 Millionen Menschen in Deutschland noch nicht geimpft – eine Aufschlüsselung

Written By: Patrick Rösing - Jul• 08•21

Rund 83 Millionen Menschen leben in Deutschland. Mehr als die Hälfte von ihnen, knapp 48 Millionen, hat mittlerweile mindestens eine Impfung gegen das Corona-Virus erhalten. Fehlen also noch 35 Millionen. Wer sind die Ungeimpften?

Kinder und Jugendliche: Laut Statistischem Bundesamt leben etwa 13,7 Millionen Menschen unter 18 Jahren in Deutschland, 16,5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Vier Prozent von ihnen waren am 8. Juli 2021 mindestens einmal geimpft, 96 Prozent beziehungsweise rund 13,2 Millionen im Umkehrschluss noch nicht. Die Zahl der Unter-Zwölfjährigen beträgt wiederum rund zehn Millionen. Für sie ist bislang kein Corona-Impfstoff zugelassen. Ohne sie bleiben etwa 3,2 Millionen theoretisch impffähige Minderjährige. Bei der Entscheidung über ihre Immunisierung dürfte stark ins Gewicht fallen, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) für sie (noch) keine generelle Impfempfehlung ausgesprochen hat.  

Sieben Millionen Impfskeptiker? 

Impfunwillige: Ohne Minderjährige bleiben – Stand jetzt – wiederum noch rund 21 Millionen erwachsene Ungeimpfte über. Unter ihnen führt das RKI regelmäßig repräsentative Befragungen zur Impfbereitschaft durch. Insgesamt knapp 17 Prozent der Ungeimpften gab dabei zuletzt an, sich "auf keinen Fall" oder "eher nicht" impfen lassen zu wollen. Hochgerechnet wären das derzeit etwa 3,6 Millionen Menschen. Rund 16 Prozent der Befragten (rund 3,4 Millionen hochgerechnet) gaben an, "unentschlossen" zu sein. Macht also hochgerechnet sieben Millionen Menschen. Zugegeben: Das ist sehr theoretisch. Wie viele Impfunwillige es am Ende wirklich gibt, muss abgewartet werden. Zieht man aber die hochgerechneten sieben Millionen mutmaßlichen Impfunwilligen und -skeptiker von den oben erwähnten 21 Millionen ab, bleiben 14 Millionen noch ungeimpfte Erwachsene über, nahezu zwölf Prozent der deutschen Geamtbevölkerung. Da derzeit jeden Tag hunderttausende Spritzen gesetzt werden, nimmt ihre Zahl immer weiter ab.  

STERN PAID England Corona Impfung Infektionen 19.05

Bei null wird sie aber mutmaßlich nicht landen. Denn: Es gibt auch Menschen, denen aus gesundheitlichen Gründen, von einer Impfung abgeraten wird. Außerdem gelten einige Gruppen als schwer erreichbar für ein Impfangebot, zum Beispiel Menschen in bestimmten Berufen (zum Beispiel Beschäftigte in der Fleischindustrie, bei Paketdiensten, im Öffentlichen Personennahverkehr, im Baugewerbe, im Reinigungsgewerbe sowie auch Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter), Langzeitpatientinnen und -patienten in psychiatrischen Krankenhäusern sowie Bewohnerinnen und Bewohner sozial benachteiligter Stadtteile. Ihre Zahl ist allerdings schwerlich genau zu beziffern. 

Quellen: Destatis, RKI (1)/(2), Land NRW

Krisenkommunikation: Er eiert, sie schwankt: Wie Laschet und Baerbock über ihre Krisen reden

Written By: Florian Schillat - Jul• 08•21

Armin Laschet distanziert sich, ohne einen Namen zu nennen, und Annalena Baerbock übt Selbstkritik, ohne einen Fehler einzugestehen. Ist das gute Krisenkommunkation zweier Kanzlerkandidaten? 

Es waren acht Worte, nicht mehr und nicht weniger. Doch sie brausten durch den deutschen Blätterwald, schlugen einen Haken im kollektiven Gedächtnis. "Auch nur ein Mensch", hieß es hier. "Ein Lichtblick", hieß es dort. "Respekt, Frau Kanzlerin!", hieß es anerkennend.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte einen Fehler eingestanden. In einer Deutlichkeit, oder Seltenheit, die offenbar die zahlreichen Schlagzeilen rechtfertigte. "Dieser Fehler ist einzig und allein mein Fehler", sagte sie also Ende März. Merkel bat die Bürgerinnen und Bürger um Verzeihung, sie übernahm die Verantwortung für das "Osterruhe"-Chaos. Viele zollten ihr dafür großen Respekt, auch eine erzürnte Bundesrepublik, wie ihr Umfragen bescheinigten.    

Die Anwärter auf ihre Nachfolge, Armin Laschet (CDU) und Annalena Baerbock (Die Grünen), dürften sich derart würdigende Worte wünschen. "Lieber keine Meinung" (Laschet) oder "Bedauern war gestern" (Baerbock), heißt es bei ihnen. Beide Kanzlerkandidaten haben derzeit mit Krisen umzugehen, die sich zu handfesten Problemen in ihrem Wahlkampf entwickeln könnten – womöglich auch, weil sie klare Worte vermissen lassen.

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Laschet distanziert sich von seinem, nun ja, umstrittenen Parteifreund Hans-Georg Maaßen – ohne seinen Namen zu nennen. Und Baerbock entschuldigt sich, mehr oder weniger, in der Plagiatsdebatte – ohne einen Fehler einzugestehen. Ist das gute Krisenkommunkation zweier Kanzlerkandidaten? "Beide Beispiele sind letztlich rhetorische Drahtseilakte, aber aus unterschiedlichen Motivationen", meint Eric Wallis, promovierter Sprachwissenschaftler und Experte für Kampagnen-Analysen, zum stern.

Das Problem ohne Namen

Vielleicht dachte Laschet, er könnte das Thema aussitzen, mitunter ignorieren, was im dauererregten Politikbetrieb durchaus eine Tugend sein kann. Doch der Druck wurde offenbar zu groß.

Schon wieder herrschte Empörung über alle Maaßen. Schon wieder übte der frühere Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz Kritik an der politischen Ausgewogenheit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Dieses Mal forderte er, die "Biografie von einigen Redakteuren mal auf den Prüfstand" zu stellen, sozusagen einen Gesinnungstest für Journalisten. Der Aufschrei war groß, auch in den eigenen Reihen. Nur der Parteichef selbst fand für Maaßen, der für die CDU in den Bundestag einziehen will, öffentlich kein klares Wort.

Eric Wallis InfokastenBis vergangenen Montag. Zumindest intern grenzte sich der CDU-Chef ab, wenngleich er ihn nicht beim Namen genannt haben soll. Die Aussagen seien für die CDU "nicht hilfreich", soll Laschet in der Sitzung des Parteivorstands gesagt haben. "Solche Debatten schaden uns", zitierten ihn Medien. Die öffentliche (und namentliche) Distanzierung erfolgte wenig später – allerdings durch Generalsekretär Paul Ziemiak.

Insofern durfte man durchaus gespannt sein, wie sich Laschet im Live-Interview mit "Brigitte" (mehr dazu lesen Sie hier) am Mittwoch äußern würde. Wie zu erwarten distanzierte er sich von Maaßen – ohne seinen Namen zu nennen. Die Erklärung: "Ich habe einfach nicht die Absicht, zu jeder Bemerkung, die der im Laufe der nächsten Wochen macht, jedes Mal das aufzuwerten durch eine Positionierung, die ich selbst dann dagegen halte."

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Ein Kampf gegen Windmühlen, ein unnötiger noch dazu? Möglich. In jedem Fall kommen Maaßens Äußerungen zur Unzeit. Die Union konnte zuletzt ihren Umfrage-Vorsprung zu den Grünen ausbauen, nun könnte der Ex-Verfassungsschutzchef kurz vor Bundestagswahl zur Belastung werden.

Laschet hat vermutlich darauf gebaut, das Thema totschweigen zu können, um es nicht zusätzlich aufzublasen. Nach deutlicher Kritik, auch aus den eigenen Reihen und vom politischen Gegner, sah er sich offensichtlich unter Zugzwang, doch noch Stellung zu beziehen. Irgendwie. Ein kluger Schachzug?

Das meint der Experte: "Laschet betreibt mit einer Namensvermeidungsstrategie eine Art Suchmaschinenoptimierung. Denn wenn die Titelzeilen im Netz und in den Zeitungen lauten würden 'Laschet will Maaßen rauswerfen', dann verliert die CDU eine Menge Stimmen, gerade im Osten. Andererseits würde er eine Flanke für seine politischen Gegner öffnen, wenn er sich nicht von Maaßens AfD-Positionen abgrenzen würde. Die würden ihn dann sofort gewaltig in die Zange nehmen. Er steht also zwischen den Stühlen und schafft es nur durch eine möglichst unklare Sprache, da rauszukommen. Das ist ein altes Wahlkampfprinzip, das bereits auf Quintus Cicero (Bruder von Marcus Tullius) zurückgeht und letztlich heißt: Schmeichle allen und versprich möglichst allen alles. Sei also nicht angreifbar." 

Sorry, not sorry

Die Eilmeldung trug sogar das Label "Exklusiv", wenngleich sich die Brisanz ihres Inhalts nicht auf Anhieb erschloss: "Baerbock übt Selbstkritik", vermeldete die "Süddeutsche Zeitung" am Mittwochabend. In der Tat hat der Bericht ein fast schon kurioses Alleinstellungsmerkmal. 

Baerbock räumt darin erstmals öffentlich ein, dass sie etwas hätte anders machen können – wenngleich sie das Wort "Fehler" vermied. "Rückblickend wäre es sicherlich besser gewesen, wenn ich doch mit einem Quellenverzeichnis gearbeitet hätte", sagte sie der Zeitung. Und: Sie nehme die Kritik "ernst". 

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Die Kritik, die sie meint, dreht sich um ihr neues Buch "Jetzt: Wie wir unser Land erneuern". Mehrere Textpassagen sollen zum Teil wortgleich aus anderen Publikationen entnommen worden sein, der Vorwurf des Plagiats steht im Raum. Baerbock und die Grünen weisen diesen zurück. So oder so geht es längst um mehr: um die Glaubwürdigkeit der Kanzlerkandidatin.     

Erst die vergessenen Weihnachtsgeldzahlungen, dann die Patzer im Lebenslauf und nun die Plagiatsdebatte – das hinterlässt Spuren, auch in den Umfragen. Innerhalb weniger Wochen ist die komfortable Ausgangslage der Grünen und ihrer Kandidatin dahin geschmolzen, sowohl die Kandidatin als auch ihre Partei verlieren an Zustimmung in der Wählergunst. Während die Union wieder davonzieht. Eine schwere Hypothek, nur wenige Monate vor der Bundestagswahl.

Grüne 40 Jahre FS 2225

Zeit, zu reagieren, irgendwie. Bisher hatte Baerbock immer wieder darauf verwiesen, dass sie "kein Sachbuch" geschrieben habe, sondern "das, was ich mit diesem Land machen will". Und zwar anhand von "Fakten und Realitäten", die öffentlich zugänglich seien. Demzufolge habe sie auf ein Quellenverzeichnis verzichtet, wie bei Sachbüchern üblich. Dass sie nun einräumt, ein solches wäre "rückblickend sicherlich besser gewesen", lässt sich daher durchaus als selbstkritisches Eingeständnis verstehen, ebenso der leise Offenbarungseid, sie sei da im Eifer des harten Wahlkampfgefechts "kurz in alte Schützengräben gerutscht". Nur Fehler räumt sie nicht ein, wie es in Medien heißt. Sollte sie? 

Das meint der Experte: "Baerbock muss Angriffe nicht mehr verhindern, sie ist bereits angegriffen durch eigene Fehler. Sie muss das Feuer rhetorisch irgendwie austreten. Dabei macht sie aber in meiner Analyse sprachstrategisch den nächsten Fehler. Ihr Fehler-Eingeständnis kommt, erstens: zu spät. Und ist, zweitens: spürbar undeutlich und wird daher als halbherzig wahrgenommen. Es gibt zwar das politische Mantra: Entschuldige Dich nicht. Das gilt aber vor allem in der Sachpolitik, wo du immer Umstände heranziehen kannst, die dazu führten, dass du das und jenes tun musstest. Würde sie jetzt die Umstände erklären, die zu diesem Schnellschuss-Buch führten, müsste sie zugeben, dass dieses Buch eine reines Wahlkampfmittel war. Das traut sie sich jedoch noch nicht. Dabei wäre dieses Eingeständnis wohl einer der wenigen Wege, um die Buch-Debatte abzuräumen. Stattdessen versucht sie den Drahtseilakt, sich zu entschuldigen, ohne sich zu entschuldigen. Doch das funktioniert eigentlich nie, denn halbe Entschuldigungen reifen immer zu ganzen Entschuldigungen. Diese Reifezeit ist jedoch nur eine Verlängerung der Leidenszeit. Denn, die Salamitaktik, also immer nur das zuzugeben, was gerade nachgewiesen wurde, bedeutet maximalen, weil permanenten Glaubwürdigkeitsverlust." 


Wahlsieger: Schwarz und Ex-Polizist – wie Eric Adams als Bürgermeister die Waffengewalt in New York bekämpfen will

Written By: Leonie Scheuble - Jul• 07•21

Schießereien und Morde nehmen in New York deutlich zu. Auch deshalb hat Eric Adams den Job des nächsten Bürgermeisters so gut wie sicher. Mit seiner Doppelidentität als Schwarzer und Ex-Polizist will er gegen Rassismus und die steigende Waffengewalt kämpfen.

New York steht vor einem Wendepunkt. Die Corona-Pandemie ist vorerst besiegt, doch die nächste Krise hat die Stadt bereits fest im Griff: Seit letztem Jahr ist die Waffengewalt in New York so extrem gestiegen, dass Gouverneur Andrew Cuomo am Dienstag den "Katastrophennotfall" erklärte. Kurzum: Auf den neuen Bürgermeister von New York wartet eine Menge Arbeit. Und es sieht ganz danach aus, dass Brooklyns Stadtteil-Präsident Eric Adams das große Los gezogen hat.

Der Schwarze Ex-Polizist erklärte sich am Dienstagabend zum Sieger der demokratischen Vorwahl im Rennen um das Amt des Bürgermeisters von New York. "Ich bin arm in Brooklyn und Queens aufgewachsen. Ich trug eine kugelsichere Weste, um meine Nachbarn zu schützen. Ich diente meiner Gemeinde als Staatssenator und Brooklyns Stadtbezirkspräsident. Und ich fühle mich geehrt, der demokratische Kandidat für das Bürgermeisteramt der Stadt zu sein, die ich immer mein Zuhause genannt habe. Danke, New York!", schrieb Adams auf Twitter. Zuvor hatte ihn die US-Nachrichtenagentur AP nach Auszählung fast aller Stimmen zum Gewinner erklärt.

PAID Corona-Lage in den USA im Frühjahr 2021 7.28h

Schwarz, moderat, Ex-Polizist

Eric Adams gilt als moderater Demokrat. Im Wahlkampf hatte der 60-Jährige eine Balance zwischen seiner eher freundlichen Linie gegenüber der oft kritisierten Polizei und dem Kampf gegen strukturellen Rassismus versprochen. "Wir werden uns als Stadt nicht erholen, wenn wir die Zeit zurückdrehen und eine Zunahme der Gewalt sehen, insbesondere Waffengewalt", sagte Adams, nachdem mitten auf dem Times Square im Mai drei Menschen, darunter ein Vierjähriger, angeschossen wurden. "Wenn das Leben von Schwarzen wirklich zählt, kann es nicht nur gegen Polizeigewalt sein. Es muss gegen die Gewalt sein, die unsere Gemeinschaften auseinanderreißt", appellierte er an seine Unterstützer in der Wahlnacht.

Adams spricht häufig von seiner Doppelidentität als Schwarzer, der als Teenager selbst Polizeibrutalität erlebt hat, und von seinem eigenen Aufstieg zum Hauptkommissar. Im Alter von 15 Jahren sei er von Beamten geschlagen worden, erzählt Adams. 1984 ging er selbst zur Polizei und stieg über die Jahre bis zum Rang des Hauptkommissars auf. Während seiner Zeit bei der NYPD war er Mitbegründer von "100 Blacks in Law Enforcement Who Care", einer Gruppe, die sich für eine Reform der Strafjustiz und gegen Racial Profiling einsetzte.

2006 wechselte Adams in die Politik und sicherte sich einen Sitz im Senat von Brooklyn. Mit einer leidenschaftlichen Rede zur Befürwortung der gleichgeschlechtliche Ehe machte er 2009 bundesweit Schlagzeilen – zwei Jahre bevor das Gesetz in New York in Kraft trat. Während seiner politischen Laufbahn gab es auch einige Kontroversen, darunter einen Bericht des Generalinspektors, der seine Aufsicht über Casino-Glücksspiele in Queens kritisierte, nachdem Adams Wahlkampfspenden von einer mit dem Glücksspiel-Business eng verbundenen Gruppe angenommen hatte. Seit 2013 ist Adams Stadtteil-Präsident von Brooklyn.

Inside America Folge 55 14.05

Waffengewalt als Top-Wahlkampfthema

Die Bürgermeister-Wahl wurde als eine der kritischsten seit einer Generation angesehen. Zu Beginn beherrschte die wirtschaftliche Erholung sowie der Kampf gegen strukturellen Rassismus den Wahlkampf. Auch wenn sich New York langsam von der Coronakrise erholt, so wird das Ausmaß der wirtschaftlichen Folgen erst jetzt in Gänze sichtbar. Hinzu kommt, dass die Pandemie die langjährigen sozioökonomischen Ungleichheiten zwischen weißen und schwarzen New Yorkern noch weiter verschärft hat. Zusätzlich sorgten die durch die "Black Lives Matter"-Proteste neu entfachten Reformforderungen in der Polizei für Zündstoff.

Doch durch den Anstieg an Schießereien und Morden rückten Kriminalität und die öffentliche Sicherheit immer mehr in den Vordergrund der Wählerinnen und Wähler. In dem bislang knappen Rennen konnte sich Eric Adams als Ex-Polizist plötzlich mehr Gehör verschaffen. Sein Hintergrund half ihm als glaubwürdiger Kandidat in Sachen Verbrechensbekämpfung und Eindämmung der Polizeigewalt aufzutreten. Er drängte auf schnelle und umfassende Maßnahmen zur Bekämpfung der Waffengewalt sowie den in Corona-Zeiten vermehrten rassistischen Angriffen – insbesondere gegen asiatische Amerikaner.

ThatsNewYork 12.30

"Was Eric Adams ziemlich gut gesagt hat, ist, dass wir auf Gemeinschaften hören müssen, die sich Sorgen um die öffentliche Sicherheit machen, auch wenn wir in unserer Gesellschaft für kritische Reformen der Polizeiarbeit und Rassengerechtigkeit im weiteren Sinne kämpfen", sagte der Abgeordnete Sean Patrick Maloney, ein New Yorker Demokrat und Unterstützer von Adams.

Im ganzen Land war seit dem vergangenen Sommer ein starker Anstieg der Kriminalität verzeichnet worden. Allein in New York City zählten die Polizeibehörden für das gesamte Jahr 2020 mehr als 1500 Schießereien, wie die "New York Times" berichtete, und damit fast doppelt so viele wie 2019. "Wenn man sich die aktuellen Zahlen ansieht, sterben jetzt mehr Menschen an Waffengewalt und Verbrechen als an Covid", erklärte New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo am Dienstag.

Waffengewalt New York

Knappes Rennen und Wahlchaos 

In der liberalen Hochburg New York gilt ein Sieger der Demokraten bei der Vorwahl auch als höchstwahrscheinlicher Gewinner der eigentlichen Wahl im November. Adams würde damit Bill de Blasio beerben, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten kann. Gleichzeitig wäre er erst der zweite Schwarze als Oberhaupt der Stadt. Die Republikanern hatten bereits im Juni den Gründer einer Bürgerinitiative für mehr Sicherheit auf den Straßen, Curtis Sliwa, als Kandidaten gewählt.

Die Auszählung bei der demokratischen Abstimmung vor zwei Wochen hatte wegen des komplizierten Wahlsystems lang gedauert. Zudem sorgte ein schwerer Auszählungsfehler für Chaos. Die Wahlbehörde verkündete vergangene Woche, dass versehentlich 135.000 Test-Stimmkarten mit einbezogen wurden. Dadurch war der Vorsprung des Favoriten Adams deutlich geschrumpft. Nachdem der falsche Zwischenstand zurückgenommen und aktualisiert wurde, liegt Adams nun mit einem Prozentpunkt – knapp 8500 Stimmen – vor Kathryn Garcia, der ehemaligen Beauftragten der Stadtreinigung.

Quellen: "New York Times", "Guardian", "AP", mit DPA

Mundhygiene: Was ist eigentlich ein Zungenschaber und wie sinnvoll ist die Anwendung?

Written By: Anna Stefanski - Jul• 07•21

Die Erfindung ist nicht neu, trotzdem werden Zungenreiniger in europäischen Gefilden weitaus seltener eingesetzt als im asiatischen Raum – wo die ayurvedische Mundhygiene schon seit Jahrtausenden ausgeübt wird. Doch was verbirgt sich dahinter?

Ein Zungenschaber ist ein kleines Instrument, das zur Reinigung der Zunge eingesetzt wird. Sinn und Zweck der Anwendung ist es, die Beläge auf der Zunge zu reduzieren und somit die Mundhygiene zu verbessern. Denn Fakt ist: Auf unserer Zunge leben Millionen winziger Bakterien, die Lebensmittelreste zersetzen und dabei Schwefel produzieren – und das riecht man: Übler Mundgeruch ist die Folge von Belägen auf der Zunge. Werden diese also durch den Zungenreiniger entfernt (oder wenigstens gemindert), soll auch unser Atem besser riechen. Aber funktioniert das auch? Und wie wendet man einen Zungenreiniger richtig an?

Edelstahl

Überblick: Diese Zungenschaber gibt es derzeit

Im asiatischen Raum, wie zum Beispiel Indien, verwenden viele Menschen Zungenschaber aus Metall (Edelstahl, Silber oder Kupfer). Sie sind leicht zu reinigen und dadurch besonders lange haltbar. In Europa hingegen finden sich in den meisten Drogerieketten bislang nur Zungenreiniger aus Plastik: Sie sind deutlich günstiger in der Anschaffung, haben aber auch eine geringere Haltbarkeit – da sie nicht so gut zu reinigen sind, wie es auch bei Zahnbürsten der Fall ist.

Unabhängig vom Material haben alle Zungenschaber eins gemein: ihre Form, die sich perfekt an die Zungenanatomie anpasst. Egal, ob gekrümmt oder U-förmig – alle Modelle sind schmal und flach, damit sie vor allem im hinteren Bereich der Zunge den Belag (ohne den Würgereiz auszulösen) entfernen können. Denn Fakt ist: Im vorderen Bereich der Zunge sammeln sich weniger Bakterien, da diese beim Sprechen und Schlucken Ihren Gaumen berührt und somit "sauberer" bleibt.

Plastik

Anwendung: Zungenschaber richtig einsetzen

Im Idealfall wenden Sie den Zungenreiniger zweimal am Tag an: einmal morgens und einmal abends – immer nach dem Zähne putzen. Gehen Sie dabei wie folgt vor:

  1. Ziehen Sie den Reiniger von hinten nach vorne – mit leichtem Druck – über Ihre ausgestreckte Zunge.
  2. Waschen Sie den gesammelten Belag am Zungenschaber unter fließendem Wasser wieder ab.
  3. Wiederholen Sie den ganzen Prozess mindestens drei- bis viermal hintereinander, bis sich kein Belag mehr am Zungenschaber findet.
  4. Spülen Sie Ihren Mund im Anschluss gründlich aus und lassen Sie den (gereinigten) Zungenschaber an der Luft trocknen.

Und noch ein Tipp: Geben Sie eine geringe Menge Zahnpasta mit antimikrobiellen Inhaltsstoffen auf den Zungenschaber (oder auf Ihre Zunge), bevor Sie mit der Reinigung beginnen.

Kupfer

Fazit: Wie sinnvoll ist ein Zungenschaber?

Bisher gibt es keine wissenschaftlichen Studien, die belegen, dass ein Zungenschaber (egal, ob aus Metall oder Plastik) die Bakterienanzahl im Mundraum wirklich reduzieren kann. Laut Warentest werden jedoch die Beläge auf der Zunge merklich gemindert – so die Aussage einer Zahnmedizinerin, die den Reinigungs­effekt genauer unter die Lupe genommen hat. Aus diesem Grund kann die Anschaffung eines Zungenreinigers durchaus sinnvoll sein, um die Mundhygiene zu verbessern und schlechten Mundgeruch zu vermeiden.

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Trotz Delta-Variante: RKI nennt Zahlen: So könn(t)en wir das Virus unter Kontrolle bringen

Written By: Daniel Wüstenberg - Jul• 07•21

Herdenimmunität ist möglich – aber erreichen wir sie auch? Das Robert-Koch-Institut hat untersucht, wie das Coronavirus in Deutschland unter Kontrolle zu bringen ist. Drei Punkte sind demnach entscheidend.

Die Delta-Variante des Coronavirus ist auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Inzwischen macht sie die knapp Hälfte aller in den Laboren untersuchten Befunde aus, mit steigender Tendenz. Die Mutante B.1.617 gilt als deutlich ansteckender als der Wildtyp des Coronavirus; die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass sie weltweit zur dominierenden Variante wird.

Das hat Folgen, auch für die deutsche Impfkampagne. An diesem Mittwochmorgen waren nach Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums gut 47 Millionen Menschen hierzulande einmal geimpft, gut 32 Millionen genießen den vollen Schutz – noch zu wenig, um von einer sogenannten Herdenimmunität auszugehen. Sie meint den Effekt von Impfungen durch den auch für Ungeimpfte ein niedrigeres Infektionsrisiko besteht. Doch wie viele Menschen müssen geimpft sein, um die Covid-19-Pandemie in Deutschland auf diese Weise kontrollieren zu können und damit auch eine starke Belegung der Intensivbetten im Herbst und Winter zu verhindern?

Robert-Koch-Institut nennt Zielimpfquoten

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat etliche Szenarien modelliert, um auf diese Frage eine Antwort zu finden. Es ist ein Blick in die Zukunft und eine Rechnung mit vielen Unbekannten: Wie hoch wird die Basisreproduktionsrate des Virus sein? Wie viele Kontakte werden Menschen untereinander haben? Wie lange wird der Impfschutz anhalten? Diese und andere Parameter haben die Berliner Seuchenbekämpferinnen und -bekämpfer in ihre Berechnungen einbezogen. Eine exakte Prognose sei zwar nicht möglich, wohl aber eine fundierte Abschätzung.

PAID Impfen 21.00

Das Ergebnis: Es müssen mindestens 85 Prozent der Zwölf- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der über 60-Jährigen in Deutschland geimpft sein. "Bei rechtzeitigem Erreichen dieser Impfquote scheint eine ausgeprägte vierte Welle im kommenden Herbst/Winter unwahrscheinlich", schreibt das RKI in seinem aktuellen Epidemiologischem Bulletin, "sofern sich die Bevölkerung zusätzlich zur Impfung weiter an die Basishygienemaßnahmen hält und bei möglicherweise wieder ansteigenden Infektionszahlen Kontakte zu einem gewissen Grad reduziert."

85 bzw. 90 Prozent Geimpfte für die Herdenimmunität, das ist deutlich mehr als bisher angenommen. Das RKI hält das Erreichen dieser notwendigen Zielimpfquoten dennoch für möglich, zumindest in der Theorie. Dafür sollte der Sommer "dringend genutzt werden". Es gibt jedoch Zweifel, dass das gelingt. So zeigte sich der Immunologe Carsten Watzl jüngst im stern-Interview diesbezüglich pessimistisch. Er geht von einer notwendigen Impfquote von 83 Prozent in der Gesamtbevölkerung aus: "Wir müssten also nahezu 100 Prozent der erwachsenen Bevölkerung impfen, um auf diese 83 Prozent zu kommen. Diesen Wert werden wir nicht erreichen", so der Wissenschaftler. "Herdenimmunität ist mit der Delta-Variante kaum zu erreichen." Aber: "Jede Impfung zählt." Mit den Impfungen komme man leichter und ohne Lockdown durch eine vierte Welle.

Digitaler Impfnachweis QR-Code

Zurzeit sind rund 84 Prozent der über 60-Jährigen in Deutschland mindestens einmal geimpft. Die ermittelte Impfbereitschaft in dieser Altersklasse von fast 95 Prozent lässt darauf schließen, dass das Ziel von 90 Prozent  hiererreichbar ist.

Bei Coronavirus-Schutzimpfungen noch Luft nach oben

In der Altersklasse der Jüngeren haben dagegen erst 51,1 Prozent mindestens eine Impfdosis erhalten; knapp 20 Prozent sind vollständig geimpft. Insgesamt liegt die ermittelte Impfbereitschaft hier nur bei rund 84 Prozent, also unter der Zielquote. Menschen zwischen zwölf und 18 Jahren wurden dabei nicht befragt. Vor allem unter jungen Erwachsenen sieht das RKI daher weiterhin einen Aufklärungsbedarf, um die Impfbereitschaft zu erhöhen. "Information und Aufklärung zur Sicherheit und Wirksamkeit der Impfung sind weiterhin relevant."

Spahn

Angesichts der zunehmenden Verbreitung der Delta-Variante gibt das RKI damit drei entscheidende Empfehlungen ab:

  • Die noch ungeimpfte Bevölkerung motivieren, das Impfangebot noch im Sommer wahrzunehmen, um die notwendigen Impfquoten möglichst bald zu erreichen.
  • Ausreichend Kapazitäten zur Verabreichung der in Aussicht gestellten Impfstoffmengen vorhalten.
  • Weiterhin die Basishygienemaßnahmen umsetzen, inklusive einer geringfügigen Reduktion der Kontakte.

Allerdings: Selbst wenn die Zielimpfquoten in Deutschland vor dem Herbst erreicht werden sollten – ausrotten lässt sich das Coronavirus allein dadurch laut RKI nicht. "Für eine Elimination wäre es darüber hinaus erforderlich, dass die Impfaktivitäten auch global ein Erfolg sind, damit nicht kontinuierlich Virus importiert und sich je nach Impfquote erneut ausbreitet oder zu lokalen Ausbrüchen führt", so die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. "Ebenso wäre die Entwicklung eines permanenten Tierreservoirs ein Hindernis für die Elimination." Ob all die erreicht bzw. verhindert werden könne, sei "zweifelhaft".

"Das Ziel, eine breite Grundimmunität in der Bevölkerung zu erreichen, durch die auf individueller Ebene das Auftreten schwerer Erkrankungsfälle deutlich reduziert und auf der Populationsebene die Viruszirkulation erheblich verringert wird, ist jedoch realistisch", schreibt das RKI. Sprich: Die Herdenimmunität in Deutschland (und damit die Kontrolle über das Virus) ist machbar – und zwar trotz der Delta-Variante noch in diesem Jahr. Der Weg führt übers schnelle Impfen, nur übers schnelle Impfen.

Quellen: Robert-Koch-Institut, Bundesministerium für Gesundheit, Nachrichtenagentur DPA

Unruhe in der Union: Empörung über alle Maaßen – nur Laschet hält sich bedeckt

Written By: Florian Schillat - Jul• 05•21

Schon wieder sorgt Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen für Irritationen – auch in den Reihen seiner Partei. Der CDU-Vorsitzende und Kanzlerkandidat Armin Laschet hält sich mit öffentlicher Kritik zurück.

Wenige Monate vor der Bundestagswahl als Trend zu gelten, dürfte das ausgegebene Ziel aller Parteien sein. Die CDU, oder besser gesagt ihr Bundesvorsitzender und Kanzlerkandidat Armin Laschet, kann dieses Etikett nun für sich beanspruchen – nur ist es in diesem Fall von unliebsamer Strahlkraft: "#LaschetLasset" lautet der Hashtag, der am Montag tausendfach geteilt wurde und zu den Trends auf Twitter avancierte. Laschet soll es lassen, fordern seine Kritiker. Gemeint sein dürfte die Sache mit dem Kanzleramt. Denn in ihren Augen unterlässt der CDU-Chef etwas Entscheidendes: eine klare Distanzierung.

Denn wieder einmal sorgt Hans-Georg Maaßen, der frühere Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, für Unruhe. Maaßen, der für die CDU in den Bundestag einziehen will, hatte am Wochenende wiederholt Kritik an der politischen Ausgewogenheit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks geübt – und unter anderem gefordert, die "Biografie von einigen Redakteuren mal auf den Prüfstand" zu stellen. Die Aussagen wurden scharf kritisiert, auch von Christdemokraten und nicht zuletzt vom politischen Gegner. Nur Laschet ließ die Äußerungen zur Gesinnung von Journalisten zunächst unkommentiert. 

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Zumindest intern grenzte sich der CDU-Chef nun von dem Ex-Verfassungsschutzchef ab, wenngleich er ihn nicht beim Namen genannt haben soll. Die Aussagen seien für die CDU "nicht hilfreich", soll Laschet in der Sitzung des Parteivorstands am Montag gesagt haben. "Solche Debatten schaden uns", wurde Laschet von der Deutschen Presse-Agentur und dem "Spiegel" weiter zitiert.

Eine öffentliche Distanzierung folgte von Generalsekretär Paul Ziemiak. "Die Pressefreiheit, übrigens auch die Freiheit des Rundfunks, hat Verfassungsrang. Das ist für uns eindeutig", so Ziemiak nach den Beratungen des Bundesvorstandes. Das sei die "eindeutige Meinung ohne Ausnahme der Führungsgremien der CDU" – also Laschet eingeschlossen. Ein Parteiausschlussverfahren, wie es auch von CDU-Politikern ins Spiel gebracht wurde, sei aber kein Thema gewesen. "Herr Maaßen ist ja gestern zurückgerudert von seinen Äußerungen und hat sich auch noch mal zu diesem Verfassungsrang der unabhängigen Presse, der Pressefreiheit bekannt. Das ist auch wichtig und notwendig."

"Darf nicht schweigend darüber hinweggehen"

Für Laschet kommen die Äußerungen Maaßens denkbar unpassend. Die Union konnte zuletzt ihren Umfrage-Vorsprung zu den Grünen ausbauen, nun könnte der frühere Verfassungsschutzchef zur Belastung vor der Bundestagswahl werden. Laschet hatte womöglich darauf gehofft, die Causa Maaßen ignorieren zu können, um sie nicht zusätzlich aufzubauschen. Dass er letztlich doch Stellung zu den Äußerungen bezogen hat, zumindest in der Parteiführung, könnte dem wachsenden Druck aus den eigenen Reihen geschuldet gewesen sein.

"Eigentlich ist jedes Wort für ihn eins zu viel, aber man darf auch nicht schweigend darüber hinweggehen", kommentierte etwa Tilman Kuban die Aussagen, Vorsitzender der Jungen Union. Niedersachsens CDU-Landeschef Bernd Althusmann legte Maaßen einen Parteiaustritt nahe. Für den Vorsitzenden des CDU-Landesverbands Hamburg, Christoph Ploß, seien die Äußerungen inakzeptabel. Der langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz sprach sich dafür aus, Maaßen aus der Partei auszuschließen. 

Maaßen fordert Überprüfung von Tagesschau 10-00

Auch die scharfe Kritik vonseiten der SPD, Grünen und Linke könnte Laschet in Zugzwang versetzt haben. "Ein weiterer demokratiefeindlicher Ausfall von CDU-Bundestagskandidat Hans-Georg Maaßen, ein weiteres Mal schweigt CDU-Chef Armin Laschet", sagte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil dem "Tagesspiegel". Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner kritisierte, es zeige sich einmal mehr, dass Laschet "keinen Kompass für den Umgang mit Maaßen" habe. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion, Jan Korte, erklärte: "Mit einem sprachlosen Kanzlerkandidaten Laschet scheinen die reaktionären Kräfte in der CDU nicht mehr zu bremsen zu sein."

Der stern hatte am Montagmorgen um eine Stellungnahme Laschets zu den Äußerungen von Maaßen gebeten. In ihrer Antwort zu der Anfrage verwies die Pressestelle der CDU am Montagnachmittag auf einen Text der Deutschen Presse-Agentur (DPA). Die Überschrift, die die DPA für ihre Meldung gewählt hat: "Laschet in Wahlkampf-Zwickmühle – Maaßen-Vorlagen für Grüne und SPD".

Heiße Sommertage: Ernährung im Sommer: Diese Lebensmittel entlasten den Körper

Written By: Laura Stunz - Jul• 05•21

Der Sommer ist für viele die schönste Jahreszeit – Wärme, Sonnenstrahlen und das Gefühl von Freiheit. Oftmals wird die Euphorie über das Wetter aber von Trägheit bis hin zu Kreislaufproblemen getrübt. Mit der richtigen Ernährung können Sie Ihren Körper entlasten und den Sommer in vollen Zügen genießen.

Steigen die Temperaturen stetig an, läuft der Körper nicht mehr auf Normalbetrieb. Oftmals fühlt man sich schlapp, müde und nicht vollständig leistungsfähig. Schweißausbrüche sind der stetige Begleiter, jede Bewegung fühlt sich an wie ein Marathonlauf. Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Kreislaufprobleme begleiten viele Menschen durch die Hitze Doch wieso zerrt die vermeintlich schönste Jahreszeit so an unseren Kräften?

Wie entsteht Hitzeschlappheit?

Hitzeschlappheit entsteht dadurch, dass der Körper Bewegung bei warmen Temperaturen bestmöglich vermeiden möchte. Schließlich führt jegliche Aktivität zu zusätzlicher Erwärmung des Systems. Zwar reagiert der Kreislauf auf die Belastung durch die Hitze, jedoch meist nicht schnell genug. Die Folge: Ein plötzlich sinkender Blutdruck und Hitzeerschöpfung.

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Bei hohen Temperaturen reguliert der Organismus die Körpertemperatur mittels der Produktion von Schweiß. Dieser wiederum verdunstet auf der Haut und sorgt so für Abkühlung. Zudem weiten sich die Blutgefäße, um mehr Körperwärme abzugeben – der Blutdruck sinkt.

Niedriger Blutdruck bis hin zu Hitzeerschöpfung

Ab einem Wert von 60 zu 100 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule, die Maßeinheit für den Blutdruck) oder tiefer, spricht man von niedrigem Blutdruck: Das Blut sammelt sich in den geweiteten Blutgefäßen der Arme und Beine. Ein Grund, wieso sich vor allem Beine und Füße bei Hitze oft so schwer anfühlen. In diesem Zustand hat das Herz Schwierigkeiten, das Blut aus den peripheren Blutgefäßen wieder nach oben zu pumpen. Eine Unterversorgung des Gehirns mit Blut ist die Folge. Ein akuter Blutdruckabfall geht mit Kreislaufproblemen einher und zeigt sich in Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit und Sehstörungen, Bewusstseinsstörungen bis hin zu Hitzeohnmacht.

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Zudem verliert der Körper durch die erhöhte Schweißproduktion mehr Flüssigkeit als sonst. Bei starker Anstrengung kann es dabei sogar zu einem Flüssigkeits- und Elektrolytmangel kommen, welcher Kreislaufprobleme begünstigt. Die Unterversorgung an Flüssigkeit und Elektrolyten führt dazu, dass sich das Blutvolumen im Kreislauf verringert. Eine Unterversorgung des Gehirns mit Blut führt auch in diesem Fall zu einer Hitzeerschöpfung, welche sich in Übelkeit und Schwindel, Kopfschmerzen und blasser, kühl-feuchter Haut zeigt.

Um den Sommer gesund, fit und voller Energie genießen zu können, sollte neben ausreichend Sonnenschutz besonders auf eine sommergerechte, leichte Ernährung, die richtige Flüssigkeitszufuhr und ein angepasstes Verhalten geachtet werden.

Schärfe kühlt ab

In vielen orientalischen Ländern, in denen die Temperaturen tagsüber regelmäßig über die 40 Grad-Marke steigen, sind die Speisen meist scharf gewürzt.

Scharfe Gewürze wie Chili und Ingwer wirken nicht nur entzündungshemmend, antibakteriell und verdauungsfördernd, sondern helfen dem Körper auch dabei zu schwitzen und folglich abzukühlen. Fruchtig-scharfe Currys oder Eintöpfe mit wärmenden Gewürzen sind demnach nicht nur für den Winter geeignet, sondern können den Körper im Sommer effektiv entlasten.

Bewusst genießen

Schwer verdauliche Kost sollte im Sommer eher gemieden werden. Gerade bei heißen Temperaturen staut sich die Hitze im Körper und belastet den Organismus. Muss dieser dann noch reichlich Energie für die Verdauung einer schweren Mahlzeit aufbringen, fühlen wir uns noch schlapper und antriebslos. Frische Speisen mit reichlich Obst und Gemüse schaffen Abhilfe.

Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt entlasten den Körper zusätzlich. So kann der Körper die Lebensmittel und kleinen Portionen leichter verdauen. Ein frischer Salat oder ein kleines Müsli in der Mittagshitze und regelmäßige Snacks wie Obst, Gemüse oder Nüsse liefern zudem regelmäßig Energie und jede Menge Mineralstoffe, die durch die verstärkte Schweißbildung ausgeschieden werden.

Entlastende Lebensmittel

Der Sommer ist nicht umsonst, neben dem Herbst, die erntereichste Zeit des Jahres – Sträucher voller Beeren, reichlich bestückte Obstbäume. Gemüse wie Fenchel, Zucchini, Salatgurken und Karotten bevölkernzusammen mit vielen anderen Gemüsesorten die Beete. Generell gilt: Wer sich nach dem Saisonkalender ernährt, versorgt seinen Körper meist vollständig mit den für die jeweilige Jahreszeit notwendigen Nährstoffen.

Obst- und gemüsereiche Speisen liefern dem Körper im Sommer Energie, eine Vielzahl an Vitaminen und Mineralstoffen und versorgen uns zusätzlich mit Flüssigkeit. Das ist aufgrund der erhöhten Schweißproduktion besonders wichtig, um einen Mineralstoffmangel und einen unausgeglichenen Elektrolythaushalt zu vereiden. Die folgenden Lebensmittel sollten im Sommer besonders häufig auf dem Speiseplan stehen. Sie schenken Energie, entlasten die Verdauung und das Herz-Kreislauf-System, entwässern, fördern die Durchblutung und können sogar die Haut vor der erhöhten UV-Strahlung schützen.

Mehr Energie

Viele Vitamine und Antioxidantien können den Stoffwechsel aktivieren und so für neue Energie sorgen.

Komplexe Kohlenhydrate: Eine Studie der University of Sydney zeigt, dass eine kohlenhydratreiche Ernährung ein gesundes Altern des Gehirns fördern, die Hirngesundheit verbessern und sogar den Ausbruch von Demenz verlangsamen kann. Vollkornbrot enthält zum Beispiel zahlreiche komplexe Kohlenhydrate und Ballaststoffe, sättigt so lange und hält den Blutzuckerspiegel stabil. Auch ein Müsli mit Quark und frischem Obst macht für viele Stunden satt und belastet den Magen nicht.

Brunnenkresse: Kein anderes Obst oder Gemüse enthält mehr Vitamine und Mineralien pro 100 Gramm. Laut einer Studie der Fachzeitschrift «Preventing Chronic Disease» deckt eine Aufnahme von nur 100 Kalorien den kompletten täglichen Bedarf an Nährstoffen. Andere Gemüsesorten erreichen höchstens um die 92 Prozent des Tagesbedarfs. Gerade auf Vollkornbrot zusammen mit einem leckeren Aufstrich schmeckt das Kreuzblütengewächs fantastisch.

Erfrischendes Dessert-Rezept: Leichte Blaubeer-Joghurt-Kühlschranktorte 6.20

Blaubeeren: Blaubeeren sind reich an Vitamin C, Kalium und Zink, Folsäure und Eisen sowie Gerb- und Pflanzenfarbstoffe, welche eine zellerneuernde Wirkung mit sich bringen und vor Herz-Kreislauf- sowie Gefäßerkrankungen schützen. Zudem halten sie den Blutzuckerspiegel konstant und können die Verdauung positiv beeinflussen. Besonders lecker schmecken die Beeren im Joghurt, Müsli oder einfach pur.

Himbeeren: In ihnen stecken Vitamin C und Eisen, das die Blutbildung fördert. Zudem belegt eine klinische Studie des Clinical Nutrition Research Centers die stressreduzierende und entzündungshemmende Wirkung der roten Beeren sowie die Verbesserung der Insulinnachrichtenübermittlung. Dies kann das Alzheimerkrankheitsrisiko vermindern, den Alterungsprozess verlangsamen und sorgt für einen konstanten Blutzuckerspiegel.

Entwässern und Durchblutungsfördernd

Obst- und Gemüsearten mit einem hohen Wasseranteil liefern Vitamine, Mineralstoffe und reichlich Flüssigkeit.

Wassermelone: Der beliebte Sommersnack besteht zu 90 Prozent aus Wasser, regt die Nierentätigkeit an und kann sogar Venenleiden, durch die angeregte Produktion von Stickstoffmonoxid, verbessern. Das wiederum führt dazu, dass sich die Gefäße weiten.

Knoblauch: Eine Studie des Zentrums für Kardiovaskuläre Pharmakologie in Mainz belegt, dass Knoblauch die Blutgefäße stärkt und die Durchblutung. Empfehlenswert sind ein bis zwei Zehen täglich. Die Knolle verleiht Pastagerichten, Salatsaucen und Co. ein tolles Aroma.

Salz: Bei starkem Schwitzen kann es zu einem Ungleichgewicht des Mineralstoff- und Elektrolythaushalts kommen. Geringe Mengen an Salz können den Mangel wieder ausgleichen.

Balsam für Magen, Darm und die Verdauung

Mit steigender Hitze nimmt die Darmtätigkeit ab, der Magen-Darm-Trakt ist träge und reagiert empfindlicher. Lebensmittel mit reichlich Bitterstoffen, die Leber und Galle anregen und krampflösend wirken, können die Verdauung auf natürlichem Weg unterstützen.

Äpfel: Die Apfelschale der beliebten Obstsorte enthält besonders viel Pektin, welches die Bildung von Harnsäure reduziert und sogar den Cholesterinspiegel senken kann. Der hohe Gehalt an Ballaststoffen regt zudem die Verdauung an. Laut der Studie "An Apple a Day: Which Bacteria Do We Eat With Organic and Conventional Apples?", die im "Journal Frontiers in Microbiology" veröffentlicht wurde, enthält ein typischer Apfel außerdem mehr als 100 Millionen Bakterien, welche den Darm in seiner Funktionsweise unterstützen.

Pflaumen: Bekannt für ihre leicht abführende Wirkung, unterstützen Pflaumen zuverlässig die Verdauung. Zudem ist das Steinobst reich an Kalzium, Eisen, Magnesium, Phosphat und Kalium. Frische Pflaumen besitzen außerdem eine harntreibende Wirkung. Sie schaffen Abhilfe bei Verstopfung, Arterienverkalkung sowie rheumatische Erkrankungen.

Endiviensalat: Dieser ist besonders reich an Bitterstoffen und lässt sich mit einem leckeren Dressing zu einem frischen, nährstoffreichen Salat verarbeiten. Auch leicht erwärmt schmeckt er hervorragend – zum Beispiel zu gegrilltem Fisch und Kartoffeln.

Herz- und Kreislaufsystem stärken

Antioxidantien, Kalzium, Kalium, Selen und Eisen stärken nicht nur das Herz-Kreislaufsystem, sondern auch die Gefäße.

Staudensellerie: Das Stangengemüse enthält reichlich Kalium und kann so den Blutdruck senken. Besonders gut schmeckt es als Rohkost in Kräuterquark oder Hummus gedippt.

Pfefferminze: Bei Kreislaufproblemen kann eine frische Tasse Pfefferminztee aus einen Handvoll Blätter mit 150 ml kochendem Wasser Abhilfe schaffen. Fünf Minuten ziehen lassen und langsam trinken. Die belebende Wirkung des Menthols regt die Durchblutung an und kann sogar Spannungskopfschmerzen und Migräne lindern.

Rote Bete: Ein Glas Rote-Bete-Saft täglich verbessert die Fließfähigkeit des Blutes. Eine englische Studie zeigt, dass das Trinken von eineinhalb Liter Rote Bete-Saft den systolischen Blutdruck 24 Stunden lang um etwa fünf mmHg senkt. Durch die enthaltenen Nitrate, welche durch den Speichel zu Nitrit reduziert werden, erweitern sich die Gefäße – der Blutdruck sinkt.

Schutz für die Haut

Lebensmittel, welche reich an Vitamin E und Beta-Carotinen sind, können die Haut widerstandsfähiger gegen UV-Strahlung machen. Vor allem Karotten, Kirschen, Grünkohl, Spinat, Wirsing, Feldsalat, Aprikosen, Paprika, Chicoreé, Süßkartoffeln, Melonen, Tomaten, Raps- und Sonnenblumenöl können die Haut zu einem gewissen Teil vor der Sonneneinstrahlung schützen und die Bildung von freien Sauerstoffradikalen verhindern. Wichtig: Sie schützen nicht komplett vor Sonnenbrand.

Vorsicht: Salmonellengefahr

Mikroorganismen vermehren sich bei Wärme besonders gut auf Lebensmitteln und können zu Magen-Darm-Beschwerden führen. Um Lebensmittelinfektionen zu vermeiden, sollten Sie demnach Vorsorge betreiben und besonders achtsam mit schnell verderblichen Lebensmitteln umgehen. Hilfreich ist es, große Lebensmittelmengen beim Einkauf zu vermeiden, um sicherzustellen, dass diese nicht verderben. Besondere Vorsicht gilt bei Leichtverderblichem: Fleisch, Geflügel, Eier, Milchprodukte sowie Fisch sollten stetig gekühlt werden, um die Kühlkette nicht zu unterbrechen. Verwenden Sie beim Einkaufen wenn möglich Kühltaschen oder -boxen und verstauen Sie die Kühlprodukte zuhause unverzüglich im Kühl- und Gefrierschrank.

Diese Keime lauern im Essen Lebensmittelvergiftung (615795)

Speisen mit rohen Eiern wie z.B. Tiramisu oder Mayonnaise können schnell verderben. Sie sollten sofort nach Zubereitung gekühlt und maximal einen Tag gelagert werden. Fleisch und Fisch sollten zudem immer gut durchgebraten werden.

Richtig trinken

Im Sommer schwitzen wir vermehrt und das ist auch gut so: Damit alle Organe funktionieren, muss der Körper eine konstante Temperatur von 37 Grad halten. Wenn unser Organismus im Sommer überhitzt, kühlt Schweiß,welcher auf der Hautoberfläche verdunstet, diesen wieder ab. Vernachlässigt man die Flüssigkeitszufuhr, kann es schnell zu einem Flüssigkeitsmangel kommen, welcher sich in Konzentrationsstörungen, Übelkeit, Schwindel oder Kopfschmerz bemerkbar macht. Sogar Herz-Kreislauf-Probleme können auftreten. Macht sich der Durst bemerkbar, ist es eigentlich schon zu spät – denn der Körper leidet bereits unter Flüssigkeitsmangel.

Eine stetige, ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist demnach vor allem im Sommer wichtig. Bis zu 3 Liter Wasser am Tag gelten als guter Richtwert. Bei sportlicher Aktivität sollte die Menge angepasst werden. Ein erfrischendes Bier am Badesee ist hingegen weniger zu empfehlen. Alkohol begünstigt die Flüssigkeitsausscheidung und regt, genau wie Kaffee, den Kreislauf an. Die Folge: Wir schwitzen noch mehr.

Vor allem kalte Getränke sollten vermieden werden. Sie belasten den Magen-Darm-Trakt, da der Körper selbst Wärme erzeugen muss, um das kalte Getränk auf die Körpertemperatur anzupassen. Wüstenvölker wie die Beduinen trinken meist sogar warmen Tee in regelmäßigen Schlucken über den Tag verteilt. Durch die Aufnahme warmer Flüssigkeit setzt ein leichtes Schwitzen ein – der Körper kühlt ab, ohne dass der Kreislauf belastet wird.

Quellen:cdc, pubmed, cell, uni-giessen, uni-tuebingen, uni-hannover, pmc, researchgate, gcp, wdr