Engpässe in Kliniken: Wie gefährdet sind andere Notfall-Patienten durch Covid-19?

Written By: Ilona Kriesl - Mrz• 24•20

Die Ausbreitung des Coronavirus bedroht nicht nur Infizierte - sondern indirekt auch andere Patienten, wenn Krankenhausbetten rar werden. Wie real ist die Gefahr in Deutschland? Und wer ist besonders gefährdet?

Tausende neue Infektionen, hunderte Todesfälle: Das Coronavirus breitet sich in vielen Ländern rasant aus und bringt Kliniken wie Personal vielerorts an den Rand der Belastungsgrenze. Als kritisch gilt vor allem die Situation in Italien: Weil die Fallzahlen in wenigen Tagen stark gestiegen sind, droht dem dortigen Gesundheitssystem der Kollaps. Das medizinische Personal berichtet von teils dramatischen Zuständen. Einige Patienten können nicht mehr adäquat versorgt werden, weil Intensivbetten rar sind. Oft muss das Personal entscheiden, welchen Patienten eine lebensrettende Behandlung zukommt - und welchen nicht.PAID STERN Sonderheft 2020_01 Die Infizierten - 14.50

Schon jetzt ist klar: Eine medizinische Krise wie sie sich derzeit in Italien abspielt, hat nicht nur Konsequenzen für Covid-19-Patienten. Die Überbelegung von Kliniken trifft auch andere Erkrankte, die auf intensive medizinische Hilfe angewiesen sind. "Übersterblichkeit" nennen Wissenschaftler das Phänomen, wenn die Anzahl der Todesfälle über das Maß hinausgeht, wie es eigentlich unter normalen Umständen zu erwarten wäre. "Insbesondere Patienten mit akutem Schlaganfall, Herzinfarkt, Sepsis, Polytrauma und andere sind gefährdet", sagt Max Geraedts, Leiter des Instituts für Versorgungsforschung und Klinische Epidemiologie in Marburg.

Doch wie realistisch ist ein solches Szenario in Deutschland?

Reinhard Busse, Leiter des Fachgebiets Management im Gesundheitswesen an der TU Berlin, gibt mit Blick auf die aktuelle Situation Entwarnung. "An normalen Tagen stehen über 100.000 Betten in deutschen Krankenhäusern leer", erklärt Busse. "Da elektive, das heißt planbare Aufnahmen abgesagt werden, gibt es derzeit zudem weniger Patienten als sonst." Auch auf Intensivstationen könne so die Kapazität erhöht werden. Als verschiebbar gelten etwa orthopädische Eingriffe an Hüfte oder Knie. "Diese können meist problemlos auch über längere Zeit verschoben werden oder müssten auch gar nicht stattfinden. Andere Operationen, etwa bei Krebspatienten, sollten hingegen eher zeitnah erfolgen."

Ein weiterer möglicher Hebel ist laut Busse die Verweildauer in Intensivbetten. "Das heißt, wer sonst, sagen wir eine halbe Woche dort geblieben wäre - das entspricht dem Durchschnitt -, der würde dann einen Tag früher auf eine Normalstation verlegt", erklärt der Experte. Natürlich würden die deutschlandweit 28.000 Intensivbetten auch weiterhin anderen Patienten zur Verfügung stehen und nicht ausschließlich für Covid-19-Fälle vorgesehen sein.

Wunsch des Patienten respektieren

Sollten trotz dieser Maßnahmen alle Intensiv- und Beatmungsbetten zeitweise belegt sein, würde sich die entsprechende Klinik bei der Leitstelle abmelden. "Patienten werden auf umliegende Krankenhäuser verteilt, sofern diese noch Kapazitäten haben", so Busse. Einen Überblick über verfügbare Intensivbetten gibt es in einem öffentlich zugänglichen Register der "Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin" (Divi). Dort waren Stand heute (23. März) schätzungsweise 312 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen dokumentiert. Viele Kliniken weisen aktuell noch freie Intensivbetten aus - kenntlich gemacht ist das mit einem grünen Punkt.

Eine intensivmedizinische Behandlung mag für viele Patienten lebensrettend sein. Es sollte im Einzelfall aber immer geprüft werden, ob sie tatsächlich auch dem Wunsch des Patienten entspricht, betont Annette Rogge, Vorsitzende des Klinischen Ethikkomitees. "Wird die Behandlung nicht gewünscht, darf sie – wie auch außerhalb einer Krisensituation – nicht durchgeführt werden."

Bei knappen Ressourcen wie in Italien "sollte transparent und von allen Verantwortlichen nach denselben Kriterien entschieden werden", so Rogge. Anerkannte Kriterien sind etwa die medizinische Bedürftigkeit von Patienten - also der Schweregrad der Erkrankung - und der zu erwartende medizinische Nutzen. Grundsätzlich sei "eine gemeinsame Entscheidungsfindung einer Einzelentscheidung vorzuziehen", betont die Medizinethikerin. "Falls die klinische Situation dies erlaubt, sollte also eine Abstimmung im Behandlungsteam erfolgen."

Personal ist größter Unsicherheitsfaktor

Freie Intensivbetten sind zwar wichtig, um Patienten adäquat behandeln zu können. Der größte Unsicherheitsfaktor sei laut Busse aber der Ausfall von medizinischem Personal. Ärzte und Pflegekräfte seien gleich doppelt belastet: körperlich, als auch psychisch. Hinzu kommt: Sollte sich Personal aufgrund fehlender Schutzkleidung mit dem Erreger infizieren, ist auch mit krankheitsbedingten Ausfällen zu rechnen.

"Bei hoher Covid-19-Belastung werden Personalausfälle negative Konsequenzen haben. Das kann tatsächlich ein Problem werden – die Personalsituation ist bereits heute nicht gut gelöst", sagt Versorgungsforscher Max Geraedts. 

"Bisher sehen wir aber – auch in den anderen Ländern – einen enormen Einsatz und das Melden von Freiwilligen", so Busse. Allein: "Wie lange das durchzuhalten ist, ist aktuell schwierig zu beurteilen."

Quellen: Zitate laut Science Media Center

Covid-19: Wie viele Fälle gibt es in Deutschland? Aktuelle Zahlen und Grafiken zum Coronavirus

Written By: Patrick Rösing - Mrz• 24•20

Der stern bietet an dieser Stelle einen täglich aktualisierten Überblick über die Zahlen zum Coronavirus. Sehen Sie in Karten und Grafiken, wie sich Sars-CoV-2 in Deutschland und der Welt ausbreitet.

Selten dürfte das Bedürfnis nach aktuellen Zahlen in Deutschland größer gewesen sein als in diesen Tagen, und dies nicht nur bei Politikern, Ärzten und anderen Experten. Die Menschen fragen sich: Wie viele Personen haben sich hierzulande bereits mit dem Coronavirus infiziert? Wie viele kommen täglich dazu? Wo liegen die regionalen Schwerpunkte? Wie viele Opfer hat Covid-19 gefordert? Und auch: Wie viele Patienten haben sich wieder erholt?

PAID Klinikposse Wolfhagen_14.20UhrAn dieser Stelle können Sie sich mit täglich aktualisierten Karten und Grafiken einen Überblick über die Ausbreitung von Sars-CoV-2 – in Deutschland und global – verschaffen.

Die Daten in den untenstehenden Grafiken stammen vom Robert-Koch-Institut (RKI) und der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität. Beide Stellen sind vertrauenswürdig und renommiert, nutzen jedoch unterschiedliche Methoden zur Erfassung der Daten. Dies kann zu Abweichungen bei den Zahlen und in der Folge zu Verwirrungen führen. Mehr darüber, wie die Daten erhoben werden und warum sich die Ergebnisse unterscheiden, lesen Sie hier

Darüber hinaus rechnen Experten damit, dass es eine beträchtliche Dunkelziffer gibt, weil nicht alle infizierten Menschen auch getestet – und damit in der Statisitk erfasst – werden (können). Mehr dazu lesen Sie hier.

Inhaltsverzeichnis: Zahlen zum Coronavirus

  1. Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland 
  2. Verlauf der Infektionen in Deutschland 
  3. Infektionen mit Sars-CoV-2 weltweit 
  4. Anteil der Gesamtbevölkerung 65 Jahre und älter


1) Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland

Das Robert-Koch-Institut hat eine Übersicht veröffentlicht, welche die bisher durch das Institut erfassten Fälle bis hinunter auf Landkreisebene dokumentiert, das unten eingebettete "RKI COVID-19 Dashboard". Klicken Sie auf die Pfeile am Fuß der Grafik, um in die gewünschte Ansicht zu wechseln. Neben den absoluten Zahlen können Sie der Übersicht beispielsweise auch entnehmen, wo die Infektionsrate im Verhältnis zur Einwohnerzahl am höchsten ist.

Ein Hinweis: Sollte das Dashboard an dieser Stelle nicht richtig dargestellt werden oder Sie eine bildschirmfüllende Ansicht bevorzugen, klicken Sie bitte hier, um zum Portal zu gelangen.

RKI_Landkreise

Ebenfalls auf Daten des RKI basiert die untenstehende stern-Karte, welche täglich aktualisiert die bestätigten Infektionen in Deutschland auf Bundesländer-Ebene auf einen Blick abbildet:

2) Verlauf der Infektionen in Deutschland

Die untenstehenden zwei Grafiken basieren auf Daten der Johns-Hopkins-Universität. Die obere zeigt die Entwicklung der Neuinfektionen in Deutschland, die untere die kumulierte Anzahl der bestätigten Infektionen, Todesfälle und Genesenen. Bei beiden Grafiken gilt: Klicken Sie auf die Kurven, um detaillierte Informationen angezeigt zu bekommen. 

Hinweis für unsere Mobilnutzer: Sollten die grafischen Elemente nicht korrekt oder gar nicht dargestellt werden, klicken Sie bitte hier.

3) Infektionen mit Sars-CoV-2 weltweit

Wie ist die globale Situation? Untenstehend zunächst ein Überblick über die Länder mit den meisten Infektionen.

Die Weltkarte bietet einen Überblick über die globale Infektionslage. Mit Klick auf "zurück" und "weiter" können Sie zwischen den gesamten Infektionen und täglichen Neuinfektionen hin und her wechseln. Der Klick auf den "Play"-Button zeichnet die weltweite Ausbreitung im Zeitraffer nach. 

4) Anteil der Gesamtbevölkerung 65 Jahre und älter

Neben Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder Vorerkrankungen stellt das Coronavirus vor allem für ältere Menschen ein großes Risiko dar.

Die obenstehende Karte zeigt, wie groß der Anteil von Menschen in einem Alter von 65 Jahren oder älter weltweit ist. Quelle für die Daten ist die Weltbank.


Corona-Falschmeldungen: Panzer in Hagen, RKI rät zu starkem Alkoholkosum: diese und weitere krude Fake-News zu Corona

Written By: Moritz Dickentmann - Mrz• 23•20

Schon kurz nach dem Ausbruch des Coronavirus kursierten die ersten Falschmeldungen im Netz. Inzwischen überschwemmen sie die sozialen Medien. Der stern sammelt hier aktuelle Fake-News, Verschwörungstheorien und Gerüchte – und erklärt Ihnen, warum sie Unsinn sind.

Das Coronavirus hat Deutschland fest im Griff, die Auswirkungen auf den Alltag sind gravierend. Unaufhörlich steigende Infektionszahlen sowie eine sich täglich ändernde Situation lassen viele Bürger verunsichert zurück – zumal niemand weiß, was noch so alles kommen wird. Für Desinformation und Fake News ist das ein idealer Nährboden.

Kurz nach dem Corona-Ausbruch kursierten bereits erste Falschmeldungen im Netz, nun überschwemmen sie die sozialen Netzwerke regelrecht. Angebliche Wunderheilmittel und Selbsttests, drohende Versorgungslücken oder Medikamenten-Engpässe, die "wahren" Hintergründe der Corona-Krise: Verschwörungstheorien und Gerüchte können noch so abstrus sein – sie finden Anklang, werden teils tausendfach weiterverbreitet. Vermutlich auch aus Unwissenheit, Unsicherheit oder Geltungssucht. Häufig jedoch mit der Absicht, gezielt Ängste, Sorgen und Vorurteile zu schüren. Das Fatale: Die Verunsicherung wird so nur noch größer. PAID STERN 2020_11 Was kommt da noch?_17.20Uhr

Corona-Fake-News oder nicht? Mailen Sie uns, was Sie verunsichert

In diesem Artikel listet der sternkünftig so ausführlich wie möglich auf, welche Fakes, Gerüchte oder Verschwörungstheorien zum Coronavirus im Netz kursieren (ohne Anspruch auf Vollständigkeit). Am Ende dieses Textes finden Sie zudem eine Auflistung der wichtigsten Quellen, um sich vertrauenswürdige Informationen einzuholen.

Haben auch Sie via Facebook, Whatsapp, Twitter oder Co. eine Information zum Coronavirus erhalten, die Sie verunsichert oder deren Wahrheitsgehalt Sie nicht einschätzen können? Dann mailen Sie uns die Sprach- oder Textnachricht, das Video oder einen entsprechenden Link an leseraufruf@stern.de (Stichwort: Fake-News).

RKI empfiehlt starken Alkoholkonsum: Ungesunder Unfug!

Diese Art von Hoax kursiert nicht zum ersten Mal im Netz (siehe vorletztes Fake-News-Beispiel am Textende) – womöglich halten es viele User jedoch aufgrund seiner Aufmachung für glaubhaft: Denn die Falschmeldung erweckt den Eindruck, sie sei ein Informationsschreiben des Robert-Koch-Instituts (RKI). Tatsächlich weist die Fälschung das Logo der selbstständigen Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten auf – das war es dann aber schon. 

Corana-Fake-News: RKI empfiehlt gesteigerten Alkoholkonsum
Immerhin das Logo des Robert-Koch-Instituts ist richtig – alles andere stimmt nicht
© Leserzusendung

So wird in dem "Schreiben" unter anderem behauptet, das RKI empfehle, während der Fastenzeit in diesem Jahr nicht auf Alkohol zu verzichten. Dann wird es konkret (falsch): "Aufgrund des Coronavirus wird sogar empfohlen, mehr als die gewöhnliche Menge zu sich zu nehmen und dies unbedingt täglich. Ab einer Menge von 100 Gramm Alkohol pro Tag soll sich eine ausreichende Desinfizierung im Mund und Rachenraum einstellen. Das wären dann zum Beispiel fünf Bier. Wer mehr verträgt darf und soll sogar auch mehr zu sich nehmen." Offensichtlich, um Seriosität vorzugaukeln, ist dem Ganzen dann noch der Zusatz "Stand: 19.03.2020" beigefügt. 

Was fällt schon auf den ersten Blick auf? Auf Komma-Setzung wird in dem Text komplett verzichtet. Derartige Fehler bei der Zeichensetzung in einem angeblich öffentlichen Informationsschreiben einer Bundesbehörde? Nahezu ausgeschlossen. Inhaltlich wird es nicht besser: So stellte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits Anfang Februar klar, dass Alkohol nicht gegen eine Infektion mit dem Coronavirus schütze. Und weiter: "Alkohol sollte immer moderat konsumiert werden und Menschen, die keinen Alkohol trinken, sollten nicht damit anfangen, in dem Bestreben einer Covid-19-Infektion vorzubeugen."

Zwar kann Alkohol vermutlich bei der Desinfektion von Oberflächen oder Händen hilfreich sein (hier eine Einschätzung des Bundesamts für Risikobewertung (BfR)). In dem man ihn trinkt, wird man eine Ansteckung aber ganz sicher nicht vermeiden. Sie sollten stattdessen die geltenden Hygiene- und Verhaltensempfehlungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) befolgen.

 

Nein, Festnetz-Telefonate werden nicht nach 15 Minuten gekappt

Wenn Menschen in Deutschland wegen der Ausbreitung des Coronavirus in den eigenen vier Wänden bleiben, werden soziale Kontakte häufig übers Internet oder per Telefon aufrechterhalten. In den sozialen Netzwerken kursierte zuletzt das Gerücht, wegen des Erregers Sars-CoV-2 werde Telefongesprächen ein zeitliches Limit gesetzt. Konkret würden Festnetz-Telefonate – egal bei welchem Anbieter – derzeit nach 15 Minuten automatisch unterbrochen, hieß es in den Postings.

Diese Erfahrung werden Sie aber ganz sicher nicht gemacht haben – weil es sich schlichtweg um eine Falschmeldung handelt, wie drei große deutsche Festnetzanbieter betonten. So erklärte ein Sprecher der Telekom, mit fast 18 Millionen Festnetzanschlüssen der größte Anbieter in dem Bereich, dass es keine Beschränkungen gebe: "Sie können ganz normal telefonieren, so lange Sie wollen", sagte Andre Hofmann auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Auch Vodafone, mit fast elf Millionen Festnetzkunden die Nummer zwei in Deutschland, bezeichnet die Behauptung als Falschmeldung. "Das ist eine Fake-News", erklärt Sprecher Volker Petendorf. Vodafone beruhigt in seinem Ticker zum Coronavirus: "Die Netze sind stabil." Der Anbieter O2 mit mehr als zwei Millionen Festnetz-Kunden bestätigt ebenfalls, dass die Behauptung falsch ist. Das "entbehrt jeder faktischen Grundlage", sagt Sprecher Forian Streicher.

Zwar sind etwa auf der Hilfeseite des Telekom-Internetauftritts mehrere Einträge von Nutzern zu finden, die anscheinend Abbrüche bei ihrer Telefonverbindung erlebten. Der Unternehmenssprecher schließt aber generelle Probleme für sein Netz aus. Er verweist auf möglicherweise individuelle Fehler, die zuweilen bei heimischen Geräten auftreten können.Corona Ibuprofen1707

Panzer in Stadt unterwegs? Polizei Hagen dementiert auf Twitter

Bereits in der vergangenen Woche wurde in einem Video und per Sprachnachricht behauptet, im nordrhein-westfälischen Hagen seien wegen der Corona-Krise inzwischen Panzer im Einsatz. Zudem wurde das Gerücht verbreitet, es gebe bereits eine Ausgangssperre. Die Polizei wies beides am vergangenen Freitag (20. März) umgehend als Falschmeldung zurück und appellierte, derartige Fake-News nicht weiterzuverbreiten. 

"Die Bundeswehr ist weder in Hagen eingesetzt, noch gibt es zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Ausgangssperre", stellten die Ordnungshüter klar. Die Öffentlichkeit solle sich über die aktuelle Lage nur aus seriösen Quellen informieren. 

Ronaldo lässt seine Hotels zu Kliniken umbauen – (leider) nicht korrekt

Womöglich verbreitete sich diese Meldung tausendfach in den sozialen Netzwerken, weil sich Fußball-Star Cristiano Ronaldo nach einem Covid-19-Verdachtsfall bei Juventus Turin tatsächlich in Isolation befindet. Und die "Nachricht" war ja auch zu schön: Angeblich, so gaben es in diversen Sprachen verfasste Postings auf Twitter, Facebook oder Instagram vor, plane der mehrfache Weltfußballer, seine Hotels in Portugal zu Corona-Kliniken umbauen zu lassen. Patienten würden darin kostenfrei behandelt, hieß es weiter, und auch, dass Ronaldo dafür finanziell aufkommen werde. 

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Der Sportjournalist Adriano Del Monte trug mit seinem inzwischen gelöschten Posting, das mehr als 1700 Mal retweetet wurde, zur Verbreitung der Falschmeldung bei
© Screenshot/www.twitter.com (archivierte Version)

Auch deutsche Medien griffen die Geschichte auf – die allerdings nicht stimmte. Zwar ist Ronaldo Miteigentümer der portugiesischen Pestana Hotel Group. Den Plan, die Unterkünfte zu Kliniken umzubauen, gab es jedoch nie, wie ein Sprecher dem niederländischen TV-Sender RTL Nieuws erklärte. Man sei ein Hotel und werde nicht zu einem Krankenhaus werden, heißt es in dem Bericht. So findet sich auch auf Ronaldos Social-Media-Kanälen kein Beitrag, der die Meldung stützen würden. Allein das hätte diejenigen, die den Hoax verbreiteten, schon stutzig machen müssen.

Corona Faktencheck 12.50

Alle Aldi-Filialen bald dicht? Discounter dementiert

Am dritten März-Wochenende machten einige Bundesländer publik, dass das öffentliche Leben in den kommenden Wochen weiter eingeschränkt werden müsse, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Die damit einhergehende Ungewissheit nutzte auch eine via Whatsapp verbreitete Falschmeldung aus. Darin wurde behauptet, dass ab Montag (16. März) alle Aldi-Filialen geschlossen würden. Der Discounter reagierte umgehend auf seiner Homepage und stellte auf den Whatsapp-Fake bezugnehmend klar: "Wir möchten Ihnen auf diesem Wege mitteilen, dass unsere über 2.200 Filialen in Deutschland weiterhin für Sie geöffnet haben. Unsere Teams arbeiten unermüdlich daran, Ihnen wie gewohnt Ihre Produkte des täglichen Bedarfs anbieten zu können."

Es ist zwar richtig, dass im Kampf gegen das Coranavirus auch Geschäfte vorerst geschlossen bleiben müssen – Supermärkte, also auch Discounter, sind davon jedoch explizit ausgenommen.

Rauchen hilft gegen Corona? Gefährlicher Quatsch

Es waren gleich mehrere Facebook-Accounts, die behaupteten, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe erklärt, dass Rauchen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schütze. Auch dieser indonesische Nutzer verbreitete die Falschmeldung. 

corona fakes - rauchen
Übersetzt steht hier über dem Bild: "Laut WHO kann Rauchen verhindern, dass sich jemand mit dem Coronavirus infiziert" – das ist kompletter Unfug
© Screenshot/www.facebook.com (archivierte Version)

Natürlich ist diese Behauptung völliger Unsinn – und gefährlich obendrein. Nicht nur schützt Rauchen nicht vor einer Infektion. Auch kann es gesundheitliche Probleme verursachen, die das Risiko einer schweren Coronavirus-Erkrankung erhöhen. Die WHO wies die verstärkt in Indonesien kursierende Falschmeldung bereits am 10. März auf Twitter zurück. Dort heißt es: "Diejenigen, die bereits an gesundheitlichen Problemen wie Herzerkrankungen leiden (die sich durch Rauchen verschlimmern können), haben ein hohes Risiko, an einer schweren Covid-19-Krankheit zu leiden." 

Inzwischen hat Facebook den gescreenshoteten Post übrigens als Falschmeldung markiert, dieser ist nicht mehr abrufbar.

Atem anhalten als Selbsttest – das sagt gar nichts aus

In komplizierten Zeiten wünschen sich viele simple Antworten: So ist vielleicht zu erklären, warum Tausende Facebook-Nutzer glaubten, man könne sich mit einem einfachen Atemtest selbst auf eine Infektion testen. Die Anleitung – mal mehr, mal weniger umformuliert – lautete im Gros wie folgt: "Atmen Sie tief ein und halten Sie den Atem länger als zehn Sekunden an." Und weiter: "Wenn Sie dies erfolgreich ohne Husten tun können, zeigt dies, dass Sie keine Fibrose haben und keine Infektion anzeigen."

In den Komemntarspalten der jeweiligen Posts, die auch auf Spanisch und Portugiesisch kursierten, bedankten sich viele Nutzer für den Tipp, obwohl dieser aus Expertensicht keinerlei Aussage hat. So erklärte eine in Brasilien tätige Infektologin gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass das Anhalten des Atems einfach "keine Methode" sei, um sich auf das neue Coronavirus zu testen. Und weiter: "Es gibt nichts, was Menschen tun können, um zu wissen, ob sie infiziert sind, außer den Test." 

Sagte ein Twitter-User die Corona-Krise schon 2013 voraus? Ziemlich sicher nicht!

Dieser Beitrag sorgt auf Twitter seit einigen Tagen für ordentlich Wirbel. Der Grund: User Marco "prophezeit" in dem tatsächlich (eine Rückdatierung ist bei Twitter nicht möglich) am 3. Juni 2013 abgesetzten Posting: "Coronavirus ... es kommt". 


© Screenshot/www.twitter.com/Marco_Acortes

Sagte der Nutzer etwa schon vor knapp sieben Jahren voraus, was wir nun erleben? Nein, ziemlich sicher nicht! Laut dem Robert-Koch-Institut wurden Coronaviren erstmals Mitte der 1960er-Jahre identifiziert, sie sind also schon länger bekannt. Die derzeitige Covid-19-Pandemie wurde durch das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelöst, das zur selben Virusfamilie wie das SARS- und MERS-Virus zählt.

Auch wenn viele Kommentatoren es weiterhin glauben wollen: Ein Hellseher ist User Marco natürlich nicht.

Schwimmen tötet das Virus – eine sehr irreführende Aussage

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Screenshot eines zumindest sehr irreführenden Facebook-Postings zum Coronavirus
© Screenshot/www.facebook.com

Dieses Bild wurde auf Facebook geteilt – unter anderem auch von einer 60.000 Abonnenten umfassenden Community-Seite für Schwimmer, von der dieser Screenshot stammt. Durch gefettete Buchstaben betont steht dort als Art Überschrift: "Schwimmen kann Covid-19 töten". Und weiter: "Wasser – und das Chlor – in Schwimmbecken wird helfen, das Virus zu töten".

Den angeblich zitierten Arzt Dr. Leon Hoe Nam gibt es zwar. Auch arbeitet er tatsächlich am Mount Elizabeth Novena Hospital in Singapur. Und sogar die Aussage, Chlor könne Sars-CoV-2 töten, stimmt. ABER: Bei Covid-19 handelt es sich bereits um die durch das Virus ausgelöste Atemwegserkrankung. Durch den Sprung ins Wasser wird die Infektion, das Virus befindet sich ja schon im Körper, also keinesfalls rückgängig gemacht bzw. geheilt. Chlor kann, das sagt auch die WHO, Viren abtöten – aber nur wenn sie auf der Haut, und nicht schon in den Körper gelangt sind. Die Aussage, Schwimmen helfe gegen Covid-19, ist also zumindest extrem irreführend.

Alle 15 Minuten trinken, Alkohol: Das bringt nichts, aber unser Trinkwasser ist sicher

Die "Empfehlung", alle 15 Minuten Wasser zu trinken, um das Coronavirus so in den Magen zu spülen ("zu waschen"), wo es dann durch die Magensäure abgetötet werde, kam häufig in Kombination mit dem Tipp, sich per Atem anhalten selbst testen zu können (siehe oben), in die Timelines. Wasser sollte demnach helfen, weil es ja auch Halsschmerzen lindere, so eins der Argumente. Dass das Unsinn ist, erklärte die WHO kurz und knapp mit diesem Tweet – und machte im Thread ebenso deutlich, dass auch Alkohol nicht vor einer Infektion schützen kann.

Auch mit Wasser zusammenhängend, aber in die andere Richtung gehend, war die Sorge einiger User, sich womöglich über das Trinkwasser anstecken zu können. Dazu schreibt das Bundesumweltministerium auf Facebook:

FB Post leitungswasser

Coronavirus in Großaufnahme? Das ist ein Käfer!

corona fakes - virus in großaufnahme

© Screenshot/www.facebook.com (archivierte Version)

Das Coronavirus ist eine unsichtbare Gefahr. Zwar weiß man, wie es unter dem Mikroskop aussieht, aber so ein rundes Ding ist halt nicht so Angst einflößend, wie dieses vermeintliche "Virus", das via Facebook gepostet wurde. Wie die Factchecker der Nachrichtenagentur AFP bereits am 12. März berichteten, wurde über dem Bild (zu einem Youtube-Link gehörend) auf Indonesisch behauptet, dies sei das Coronavirus in 2600-facher Vergrößerung, was "Gott am besten" wisse. 

In dem etwa zweiminütigen Youtube-Video, das laut AFP seit dem 6. März tausendfach angeklickt wurde und auch bei auch Twitter landete, ist in den ersten vier Sekunden die obige Kreatur zu sehen. Das Coronavirus in groß? Mitnichten. Stattdessen ist ein Rüsselkäfer ("Weevil") zu sehen, dessen Bild vermutlich diesem Tweet entstammt und dann bearbeitet zur Bebilderung des Youtube-Videos genutzt wurde. 

Coronavirus: Diese Quellen liefern Fakten

Diese Seiten sind aufs Fact-Checking spezialisiert:

Quellen: AFPFactCheck / World Health Organisation (WHO) / Robert-Koch-Institut (RKI) / "mimikama.at" / "correctiv.org" / Twitter / Facebook / Instagram /Aldi / "RedaktionsNetztwerk Deutschland"

Ausgangssperren missachtet: „Wo zur Hölle geht ihr alle hin?“ Die Wut der italienischen Bürgermeister auf ihre Landsleute

Written By: Miriam Khan - Mrz• 23•20

Seit Wochen gelten in Italien strenge Ausgangsverbote. Doch alle Maßnahmen scheinen nichts zu nützen: Die Zahl der Corona-Toten steigt weiter dramatisch – auch, weil viele sich nicht an die Regeln halten. Einigen Amtsträgern reicht es jetzt.

Die Zahlen sind dramatisch: Mehr als 5400 Italiener sind bislang an den Folgen des Coronavirus gestorben. In Sachen Todesfälle hat das Land seit ein paar Tagen China als traurigen Spitzenreiter der Corona-Statistik abgelöst.

Auch was die generellen Infektionszahlen angeht, ist Italien nicht mehr weit vom Ausbruchsherd China entfernt: Rund 60.000 Italiener haben sich bislang mit Corona angesteckt – in China rund 82.000. PAID STERN 2020_13 Warten, dass dieser Albtraum endet - 15.25

Warum steigen die Zahlen in Italien so massiv an? Wieso ist trotz Ausgangssperren und massiver staatlicher Restriktionen immer noch kein Abflachen der Kurven in Sicht? Vielleicht auch, weil viele Italiener sich einfach nicht an das halten, was die Regierung ihnen vorgibt. Mehreren Amtsträgern ist nun der Kragen geplatzt.

Appell an die Jugend Italiens

"Wir schicken die Polizei. Mit Flammenwerfern." Vincenzo De Luca, Präsident der italienischen Region Kampanien, wählt drastische Worte. Sie zielen auf seine Landsleute auf. Auf die, die immer noch "Abschlussfeiern planen", poltert De Luca. Der Präsident ist sauer, weil viele seiner Landsleute den Ernst der Lage in Sachen Corona immer noch unterschätzen. In einer Videobotschaft macht er daher klare Ansagen. Kampanien

"Natürlich können wir fröhlich so weiter machen", aber das Ergebnis sei klar, so De Luca: Wer heute unter Menschen gehe und feiere, könne zehn Tage später seine Eltern und Großeltern ins Krankenhaus bringen.

"Wo zum Teufel geht ihr alle hin?"

De Lucas Video-Statement ist nur eines von vielen: In ganz Italien machen Bürgermeister, Regionalpräsidenten und andere Amtsträger ihrer Wut Luft. Twitter-Nutzer "protecttheflames" hat einige ihrer Aussagen zusammengetragen.

Da ist zum Beispiel Cateno De Luca, Bürgermeister der sizilianischen Stadt Messina. "Ich werde euch kriegen. Morgen, nicht in einigen Jahren. Morgen", droht er Regelbrechern an. Auch Massimiliano Presciutti, Bürgermeister im zentralitalienischen Gualdo Tadino ist erbost: "Wo zum Teufel geht ihr alle hin? Mit euren Hunden? Die müssen eine entzündete Prostata haben." 

Bürgermeister von Bari: "Das ist kein Film"

Auch der Bürgermeister von Bari in Apulien ist dabei. Er sorgte bereits vor einigen Tagen mit einem emotionalen Video aus seiner Heimatstadt für Schlagzeilen. Auf seinem Weg nach Hause kontrollierte Antonio Decaro, ob sich die Restaurantbetreiber an die Verordnung hielten, um 18 Uhr ihre Läden zuzumachen. Damals gab es für Decaro nichts zu beanstanden.

Nun hat er sich wieder zu Fuß auf dem Weg durch seine Stadt gemacht – diesmal um Quarantäne-Brecher zu finden. Und der Bürgermeister muss nicht lange suchen: Am Strand wird Tischtennis gespielt, auf den Plätzen treffen sich die jungen Leute. Decaro ist wütend und stellt die Menschen zur Rede: "Das, was in Mailand oder Bergamo passiert, das ist kein Film. Das passiert wirklich. Die Leute sterben", ruft er etwa zwei Spaziergängern zu.Bari

Conte verschärft die Regeln weiter

Unterdessen hat Premierminister Giuseppe Conte noch einmal die Zügel angezogen: Ab sofort wird in allen nichtsystemrelevanten Unternehmen der Betrieb eingestellt. Nur noch in Ausnahmefällen sollen die Leute weiter zur Arbeit gehen dürfen. Podcast Corona Teil 3 _

Dazu legte Conte am Montag eine Liste mit Berufen vor, die trotz der Ausgangssperre weiterhin ausgeübt werden dürfen. Demnach zählen unter anderem Übersetzer und Mitarbeiter in Chemiefabriken zu den Berufen, die weiterhin ausgeübt werden dürfen. Auch Autoteile-Hersteller dürfen ihren Jobs weiterhin nachgehen. Stahlwerke hingegen müssen schließen. Anwälte müssen im Home Office bleiben, während etwa Journalisten weiterhin in ihre Redaktion gehen dürfen. 

Die am Montag von der Regierung veröffentlichten Dekrete enthalten zudem eine Anordnung, wonach sich die Italiener weder "mit privaten noch öffentlichen Verkehrsmitteln" außerhalb der Gemeinde bewegen dürfen, in der "sie sich derzeit aufhalten".

Bei vielen Italienern löste die Anordnung zusätzliche Unsicherheit aus – theoretisch würde sie bedeuten, dass Menschen mit zweitem Wohnsitz diesen nicht mehr aufsuchen und auch ihre außerhalb des eigenen Wohnsitzes lebenden Angehörigen nicht mehr besuchen dürften. Ausnahmen gelten laut der Anordnung für Menschen, die aus beruflichen Gründen oder in dringenden medizinischen Fällen reisen müssen.

Quellen: Twitter "protectheflames", Facebook "Antonio Decaro", Facebook "Vincenzo De Luca", Nachrichtenagentur AFP

Kanzlerin in Quarantäne: Kupfergraben statt Kanzleramt: So regiert Angela Merkel von zu Hause

Written By: Andreas Hoidn-Borchers - Mrz• 23•20

Die Kanzlerin ist im Homeoffice. Eine Vorsichtsmaßnahme in Corona-Zeiten. Wenn sie sich nichts eingefangen haben sollte, dann ist das nicht dramatisch. Aber wie funktioniert das, ein Land zu führen vom Küchentisch?

Sie geht mit gutem Beispiel voran – in die Isolation. Angela Merkel ist dann mal weg, nicht völlig verschwunden, natürlich nicht, aber die Bundeskanzlerin macht in den nächsten Tagen Homeoffice, wie Millionen andere derzeit auch. Sie regiert aus den eigenen vier Wänden, vorsichtshalber wie gezwungenermaßen. Kupfergraben 6, Berlin-Mitte, vierter Stock. Das ist fürs nächste ihr Kanzleramt. Statt freier Sicht auf den Reichstag Blick auf das Pergamonmuseum. Nur ohne den üblichen Rummel vor der Tür. Die Leute sollen ja zu Hause bleiben.

Am späten Sonntagnachmittag hatte Merkel die Nation noch auf eine Zeit des völlig heruntergedimmten sozialen Lebens eingestimmt: „Bitte ziehen Sie alle mit. Zeigen Sie Vernunft und Herz.“ Eine Stunde später trat sie den Weg in die häusliche Quarantäne an. Der Arzt, der sie zwei Tage zuvor gegen Pneumokokken geimpft hatte, war positiv auf das Corona-Virus getestet worden.PAID FAQ Kurzarbeit - 16.05

Ihr Mann als einzige Bezugsperson

Die Kanzlerin befindet sich damit in ständig wachsender Gesellschaft. Allerdings weiß Merkel noch nicht, ob sie sich selbst infiziert hat wie Friedrich Merz, Cem Özdemir oder Jutta Ditfurth. Der erste Test war negativ. So kurze Zeit nach einer möglichen Ansteckung zeigen Tests noch kein sicheres Ergebnis. Bis sie sicher sein kann, dass sie nicht infiziert ist, meidet sie es, mit Menschen in Kontakt zu kommen. Ihre einzige direkte Bezugsperson ist jetzt ihr Mann, Joachim Sauer. Auch da geht es ihr jetzt ähnlich wie Millionen anderen.

Dabei ändert sich für sie im Grunde erst mal gar nicht soviel, nicht mehr. Ihr Leben hatte sich, wie sie selbst sagt, in den vergangenen Tagen ohnehin schon „grundsätzlich verändert“; es „besteht im Wesentlichen aus Telefon- und Videokonferenzen“. Auf Händeschütteln hatte Merkel bereits seit längerem verzichtet, Abstand zu ihren Mitarbeitern hielt sie auch vorher schon so gut wie möglich. So ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass sie, falls selbst infiziert, das Virus breiter gestreut haben könnte. Steffen Seibert, der Mensch, der mit Abstand am meisten um sie herumwuselt, verrichtet seinen Regierungssprecherjob jedenfalls weiter in freier Wildbahn. 

Boten bringen nun die nötigen Akten zu Merkel in den Kupfergraben, der Weg ist ja nicht weit. Und telefonieren und skypen kann sie auch vom Küchentisch aus. Für die Kanzlerin ist das nichts Ungewöhnliches. Sie ist seit jeher 24 Stunden im Dienst, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr, selbst wenn sie in Urlaub ist oder am Wochenende in ihrem Haus in der Uckermark. Merkel regiert dann eben per SMS oder Anruf. Dass andere – durchaus mit politischer Absicht – in Krisenzeiten auch schon mal ihr Handy abschalten, wie es 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise der damalige bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer getan hat, das passiert Merkel nicht. Im Gegenteil: Gesprächspartner wurden in der Vergangenheit schon mal lapidar von der Kanzlerin begrüßt: „Ich stecke gerade in Gummistiefeln im Gemüsegarten und jäte ein bisschen Unkraut.“

Kupfergraben 6, die Wohnung der Kanzlerin
Kupfergraben 6, Berlin-Mitte. Von hier aus regiert Angela Merkel nun im Homeoffice
© Abdulhamid Hosbas
Am Montag ließ sie sich von zu Hause aus zur Kabinettssitzung zuschalten, auf der das historische Hilfspaket für Mieter, Familien, Krankenhäuser, Selbstständige, kleine und große Unternehmer verabschiedet wurde. Merkel dankte erst mal allen für ihren Einsatz und leitete dann die Runde. Die Sitzung war doppelt historisch. Zum einen, weil die Chefin sie übers Telefon leitete, vor allem aber, weil das Kabinett für das gigantische Maßnahmenbündel mal eben die Schuldenbremse aushebelte.

Schwarze Null? Eine physisch präsente Regierungschefin? Die ganzen alten Regeln? Gelten alle nicht mehr. Nur im Bundestag muss am Mittwoch Vizekanzler Olaf Scholz an Merkels Stelle reden – ins Parlament kann sich die Kanzlerin nicht einfach streamen lassen. Dass der Sozialdemokrat dann Eins-zu-Eins Merkel-Linie vertreten wird, das ist in Zeiten des Ausnahmezustands eine Selbstverständlichkeit. Die Zeiten des parteipolitischen Zwistes in der Groko sind fürs erste gestrichen. Das gilt unisono auch für das Kapitel Genesungswünsche. Nur ein paar Wirrköpfe von der AfD haben sich im Ton vergriffen. Nichts zum Veröffentlichen. Ein Fliegenschiss.

Keine Extrawurst für niemanden

Die von Merkel sofort selbst gewählte Isolation ist eine Frage der Solidarität und der Vernunft. Es ist überdies auch eine persönliche Botschaft an das Volk. Keine Extrawurst. Für niemanden. Und wenn Merkel eines hunderteinprozentig ist, dann: vernünftig. Sicher ist sicher. Sie ist zwar robust und in ihren 15 Jahren im Kanzleramt nie ernsthaft krank gewesen, abgesehen davon, dass sie ein Sturz beim Langlauf in der Schweiz um die Jahreswende 2014/2015 für einige Zeit lahmlegte. Merkel musste mit einem „unvollständigen Bruch im hinteren linken Beckenring“ ein paar Tage zu Hause bleiben, bevor sie dann wieder auf Krücken ins Kanzleramt humpelte.

Diesmal ist es aber anders: Mit mittlerweile 65 Jahren gehört sie automatisch zu den Menschen mit erhöhtem Risiko. Deutschlands weitestgehender Shutdown wird ja gerade damit begründet, dass exakt jene Risikogruppe in den nächsten Wochen auch noch von einem aufs Äußerste strapaziertem Gesundheitssystem versorgt werden kann. Da wäre es ein fatales Zeichen, wenn Merkel nun so täte, als wäre nix gewesen.

So wird sich die wirklich spannende – und dann auch beunruhigende - Frage ohnehin nur für den Fall stellen, dass ein valider Covid-19-Test bei Merkel positiv ausfallen und die Kanzlerin schwerer erkranken würde.

Was passiert bei einem zweiten, dann positiven Test?

Was dann?

Dann übernähme laut Geschäftsordnung der Regierung vorübergehend ein Mann Merkels Dienstgeschäfte, der sowieso gerne auf ihrem Stuhl säße: Olaf Scholz. Der Vizekanzler leitet auch das Kabinett, wenn die Chefin in Urlaub ist, aber das war bislang eher ein formaler Akt.

Die wichtigen Dinge erledigt Merkel auch aus der Ferne selbst, notfalls von den Wandertour auf dem Berg aus. Es wäre eine noch nie dagewesene Situation, dass ein Kanzler oder eine Kanzlerin über einen längeren Zeitraum komplett ausfallen würde, auch wenn frühere Kanzler wie Brandt, Schmidt und Kohl immer mal wieder mit ihren Malaisen zu tun hatten, diese aber oft genug vor der Öffentlichkeit verheimlichen konnten. Diesmal ginge das nicht. Es wäre ein Novum in einer historischen Krise. Zumal da die Verfassung eine kanzlerlose Zeit nicht vorsieht.

Vorerst ist es nur ein Worst-Case-Szenario. Mehr nicht.

Die Kanzlerin ist nun also im Homeoffice. Viel Zeit zur Muße wird sie mit Sicherheit nicht haben. Mag aber sein, sie findet von zu Hause aus trotz aller Krisenkommunikation und –koordination sogar die Zeit, mal wieder einen Kuchen zu backen. Sie hat das drauf, berichten die, die schon mal in kleiner Runde davon kosten durften. Nur beim Streuselkuchen ist das so eine Sache. Das hat Merkel selber mal erzählt. Da beschwere sich der Gatte regelmäßig, dass sie zu sparsam mit den Streuseln sei.  

Zahlen und Karten: Wie viele Menschen sind in Deutschland und der Welt infiziert? Aktuelle Zahlen und Grafiken zum Coronavirus

Written By: Patrick Rösing - Mrz• 23•20

Der stern bietet an dieser Stelle einen täglich aktualisierten Überblick über die Zahlen zum Coronavirus. Sehen Sie in Karten und Grafiken, wie sich Sars-CoV-2 in Deutschland und der Welt ausbreitet.

Selten dürfte das Bedürfnis nach aktuellen Zahlen in Deutschland größer gewesen sein als in diesen Tagen, und dies nicht nur bei Politikern, Ärzten und anderen Experten. Die Menschen fragen sich: Wie viele Personen haben sich hierzulande bereits mit dem Coronavirus infiziert? Wie viele kommen täglich dazu? Wo liegen die regionalen Schwerpunkte? Wie viele Opfer hat Covid-19 gefordert? 

PAID Interview Drosten - 13.40An dieser Stelle können Sie sich mit täglich aktualisierten Karten und Grafiken einen Überblick über die Ausbreitung von Sars-CoV-2 – in Deutschland und global – verschaffen.

Die Daten in den untenstehenden Grafiken stammen vom Robert-Koch-Institut (RKI) und der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität. Beide Stellen sind vertrauenswürdig und renommiert, nutzen jedoch unterschiedliche Methoden zur Erfassung der Daten. Dies kann zu Abweichungen bei den Zahlen und in der Folge zu Verwirrungen führen. Mehr darüber, wie die Daten erhoben werden und warum sich die Ergebnisse unterscheiden, lesen Sie hier

Inhaltsverzeichnis: Zahlen zum Coronavirus

  1. Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland 
  2. Verlauf der Infektionen in Deutschland 
  3. Infektionen mit Sars-CoV-2 weltweit 
  4. Anteil der Gesamtbevölkerung 65 Jahre und älter


1) Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland

Das Robert-Koch-Institut hat eine Übersicht veröffentlicht, welche die bisher durch das Institut erfassten Fälle bis hinunter auf Landkreisebene dokumentiert, das unten eingebettete "RKI COVID-19 Dashboard". Klicken Sie auf die Pfeile am Fuß der Grafik, um in die gewünschte Ansicht zu wechseln. Neben den absoluten Zahlen können Sie der Übersicht beispielsweise auch entnehmen, wo die Infektionsrate im Verhältnis zur Einwohnerzahl am höchsten ist.

Ein Hinweis: Sollte das Dashboard an dieser Stelle nicht richtig dargestellt werden oder Sie eine bildschirmfüllende Ansicht bevorzugen, klicken Sie bitte hier, um zum Portal zu gelangen.

RKI_Landkreise

Ebenfalls auf Daten des RKI basiert die untenstehende stern-Karte, welche täglich aktualisiert die bestätigten Infektionen in Deutschland auf Bundesländer-Ebene auf einen Blick abbildet:

2) Verlauf der Infektionen in Deutschland

Die untenstehenden zwei Grafiken basieren auf Daten der Johns-Hopkins-Universität. Die obere zeigt die Entwicklung der Neuinfektionen in Deutschland, die untere die kumulierte Anzahl der bestätigten Infektionen, Todesfälle und Genesenen. Bei beiden Grafiken gilt: Klicken Sie auf die Kurven, um detaillierte Informationen angezeigt zu bekommen. 

Hinweis für unsere Mobilnutzer: Sollten die grafischen Elemente nicht korrekt oder gar nicht dargestellt werden, klicken Sie bitte hier.

3) Infektionen mit Sars-CoV-2 weltweit

Wie ist die globale Situation? Untenstehend zunächst ein Überblick über die Länder mit den meisten Infektionen.

Die Weltkarte bietet einen Überblick über die globale Infektionslage. Mit Klick auf "zurück" und "weiter" können Sie zwischen den gesamten Infektionen und täglichen Neuinfektionen hin und her wechseln. Der Klick auf den "Play"-Button zeichnet die weltweite Ausbreitung im Zeitraffer nach. 

4) Anteil der Gesamtbevölkerung 65 Jahre und älter

Neben Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder Vorerkrankungen stellt das Coronavirus vor allem für ältere Menschen ein großes Risiko dar.

Die obenstehende Karte zeigt, wie groß der Anteil von Menschen in einem Alter von 65 Jahren oder älter weltweit ist. Quelle für die Daten ist die Weltbank.


Neue Maßnahmen: Merkels neue Maßnahmen haben noch Spielraum

Written By: Axel Vornbäumen - Mrz• 22•20

Im Kampf gegen das Coronavirus haben sich die Bundesländer auf gemeinsame Maßnahmen geeinigt. Die Bürger werden weiter eingeschränkt — aber: Auch die neuen Spielregeln haben noch Spielraum.

Es ist ein weiterer großer Schritt, aber noch nicht die Ultima Ratio staatlichen Handelns. Angela Merkel und ihr Corona-Krisenstab nebst Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen haben sich auch an diesem Sonntag noch einmal Spielraum gelassen für eine allerletzte Verschärfung im Kampf gegen das Virus. Nein, die nationale Ausgangssperre kommt nicht. Noch nicht, muss man sagen. Aber die Einschränkungen für den (zunehmend) einsichtigen, aber eben auch für den leider immer noch uneinsichtigen Teil der Bevölkerung haben es auch so in sich. Merkel, die laut Bundespresseamt kurz nach ihrer  Pressekonferenz davon erfuhr, dass sich positiv auf Corona getestet wurde und nun selbst in Quarantäne geht, spricht an diesem Sonntag von "Verzicht und Opfern, wirtschaftlich und menschlich." Das ist wohl so.

  • Ansammlungen von mehr als zwei Personen werden grundsätzlich verboten. Ausgenommen werden sollen Familien sowie in einem Haushalt lebende Personen.
  • In der Öffentlichkeit muss ein 1,50-Meter-Abstand eingehalten werden.
  • Gastronomiebetriebe sollen geschlossen bleiben.
  • Auch Dienstleistungsbetriebe im Bereich der Körperpflege - darunter Friseure und Kosmetikstudios - sollen geschlossen sein. 
  • Verstöße gegen Kontaktbeschränkungen sollen von Ordnungsbehörden und Polizei überwacht und sanktioniert werden.PAID Interview Drosten - 13.40

Das alles gilt, fast möchte man sagen: ab sofort, unverzüglich. Und zwar zunächst für die kommenden zwei Wochen. Es gilt auch für sie selbst. Vor allem aber gilt es flächendeckend, also in jedem der 16 Bundesländer. Merkel sagt: "In ganz Deutschland gelten im Grundsatz die gleichen Regeln." Das war allein schon deshalb wichtig, weil es immer noch genügend Bürger gibt, die bislang gerne darauf verwiesen haben, dass es anderswo offenkundig ja auch mit weniger Gegenmaßnahmen noch komfortabel gut ginge. Immerhin: Der Weg zur Arbeit, Hilfe für andere oder individueller Sport und Bewegung an der frischen Luft sollen weiterhin möglich sein. Niemand wird also in seinen eigenen vier Wänden gefangen gehalten.

Angela Merkel folgt damit jener Linie, die sie am vergangenen Mittwoch in der TV-Ansprache an die Nation vorgegeben hat. Die Kanzlerin ist gewillt, dem Volk, soweit es irgend geht, jene Vernunft zu attestieren, die notwendig ist, um die Republik und das schon bald aufs Äußerste strapazierte Gesundheitswesen durch die nächsten Wochen und Monate zu steuern. Zur 100-prozentiger Zufriedenheit gelungen ist das in den vergangenen Tagen nicht, daher die nun notwendige Verschärfung. Merkel erhöht den Druck.

Man kann aber noch etwas an dem abgestuften Verfahren erkennen, das die Kanzlerin am Sonntagnachmittag vorstellte: Ihr inneres Ringen um Verhältnismäßigkeit. Merkel ist, wie man hört, durchaus besorgt, um die seelischen Kollateralschäden, die durch umfangreiche Kontaktsperremaßnahmen in der Bevölkerung entstehen können. Nicht jeder erträgt den Verzicht auf soziale Kontakte, schon gar nicht, wenn er nicht weiß, wann das alles eigentlich enden soll.PAID Ian Donald Interview Psychologe Großbritannien 13.47

Sie selbst ist nun in Quarantäne, wird die Amtsgeschäfte, wie es heißt, im Homeoffice führen. Das ist misslich. Aber es kann auch beispielgebend sein. Merkel macht das, was sie von ihren Bürgern verlangt. Sie macht da keine Ausnahme.

An diesem Sonntag verwendet die Kanzlerin mal wieder einen dieser Merkel-typischen Begriffe. Er lautet:"In der Lage lernen."Das gilt für sie. Für ihr Kabinett, die Regierungschefs der Bundesländer. Es gilt aber auch für jeden Einzelnen von uns. Ja, es wird uns etwas zugemutet. Warum? Damit die Zumutungen nicht noch größer werden müssen.

Blame Game um Coronavirus: Donald Trump spricht immer wieder vom „China-Virus“. Damit es andere auch tun?

Written By: Jan Christoph Wiechmann - Mrz• 22•20

Seit Tagen nennt Donald Trump das Coronavirus demonstrativ "China-Virus", seit Tagen weist er Kritik an der Aussage scharf zurück. Will der US-Präsident von seinem umstrittenen Krisenmanagement ablenken?

Kaum betritt Donald Trump den Presseraum im Weißen Haus, spricht er das Wort auch schon aus: "chinese virus." Das China-Virus. Nicht Coronavirus, wie es alle sagen – Merkel und Trudeau und Macron und Conte. Trump begrüßt die Medien mit den Worten: "Danke, dass Sie alle hier sind. Und wir machen weiter in unserem unbändigen Versuch, das China-Virus zu besiegen."

Sogar auf dem Manuskript, das er bekommt, hat er das Wort "corona" durchgestrichen und mit "chinese" ersetzt.

Täglich wird der US-Präsident gefragt, warum er jetzt "China-Virus" sage, ob das nicht rassistisch sei, ob das nicht Folgen für die in den USA lebenden Chinesen haben könnte, und Trump antwortet auf seine Weise: Das Virus komme eben aus China. "Es hat fürchterliche Folgen für die ganze Welt."

Jede kritische Frage sieht er als Majestätsbeleidigung. Jede freundliche Frage nennt er eine gute Frage

Eine ihm gewogene Reporterin vom One America News Network OANN fragt ihn, ob man jetzt auch chinesisches Essen nicht mehr sagen dürfe, ob das jetzt auch schon rassistisch sei und ob die anderen anwesenden Medien nicht Staatspropaganda für China leisteten.

PAID Protokolle Corona Umgang 18.15Trump bedankt sich für die nette Frage des rechtsextremistischen Senders und antwortet, dass es überhaupt nicht rassistisch sei. Er greift sodann die anderen Medien an, die es wagen ihn zu fragen, warum die Regierung so schlecht vorbereitet gewesen sei, so wenig Tests habe, so wenig Beatmungsgeräte: "Wir waren sehr gut vorbereitet", sagt Trump. "Das Einzige, auf das wir nicht vorbereitet waren, sind die Medien. Ich erzähle Ihnen, wie vorbereitet ich war. Ich habe ein Einreisestopp für Leute aus China ausgesprochen – ich glaube, es war Ihr Sender, der mich deswegen Rassist nannte."

Trump wandte sich an einen Reporter von NBC.

"Viele Leute in diesem Raum nannten mich rassistisch und andere Dinge, weil ich so früh war (mit dem Einreiseverbot)."

Einen Tag später greift Trump die Medien noch härter an. Nachdem der NBC-Reporter Peter Alexander ihm die harmlose Frage stellt, welche Botschaft er für Millionen ängstliche Amerikaner habe, nennt Trump ihn einen "schrecklichen Reporter". "Das ist eine sehr fiese Frage. Und ich finde, das ist ein schlechtes Signal an alle Amerikaner. Das amerikanische Volk sucht nach Antworten und Hoffnung. Und Sie bedienen die Sensationsgier."

Danach wirft er wieder mit dem Begriff "Fake News" um sich, auf den er so stolz ist. Jede kritische Frage sieht er als Majestätsbeleidigung. Jede freundliche Frage nennt er eine gute Frage.

Trump wird außerdem gefragt, ob es Strafen für China geben könne, und er scheint dafür mehr als offen zu sein, beißt sich aber auf die Zunge: "Kein Kommentar."

Donald Trump: "Wir machen einen großartigen Job"

Sein Außenminister Mike Pompeo geht da etwas weiter. Er wirft China vor, die Welt nicht rechtzeitig informiert zu haben, nicht transparent genug gewesen zu sein – eine nicht ganz unberechtigte Kritik.

Auch Pompeo spricht vom "China-Virus".

Vizepräsident Mike Pence bleibt beim Begriff Coronavirus. Wie auch alle anderen Experten, die neben Trump auf der Bühne stehen.

Andere Republikaner gehen in ihrer Kritik an China noch weiter. Tom Cotton, Senator aus Arkansas, will die Industrieproduktion wieder zurück in die USA verlagern – vor allem von Medikamenten. "China hat uns diese Plage beschert und China muss dafür büßen", sagt er.

Es ist derselbe Tom Cotton, der vorher schon eine Verbindung zwischen dem Coronavirus und dem wahrscheinlichen Gegenkandidaten um die Präsidentschaft, Joe Biden, hergestellt hat: "Angesichts dieser Seuche, die China über die Welt gebracht hat, ist es umso wichtiger, dass wir uns Joe Bidens Bilanz zu China anschauen und die Geschäfte seines Sohnes Hunter."

Was Trump freuen dürfte: Inzwischen sieht die Mehrheit der Amerikaner in ihm einen guten Krisenmanager. Nach einer aktuellen Umfrage von ABC finden 55 Prozent, dass er einen guten Job in der Krise mache. Vor wenigen Tagen waren es nur 43 Prozent.

In einer Woche kann das schon wieder anders sein. Die USA haben inzwischen mehr als 15.000 Infizierte und mehr als 200 Tote und bald schon zu wenige Krankenhausbetten und Beatmungsgeräte.

Aber der Präsident findet: "Wir machen einen großartigen Job."

Krankenpfleger filmt: Patienten im Flur: Video soll dramatische Zustände in italienischem Krankenhaus zeigen

Written By: Steven Montero - Mrz• 20•20

Diese Videoaufnahmen sollen das völlig überfüllte Krankenhaus Policlinico San Marco im italienischen Bergamo zeigen. Dort gibt es mehr als 4300 erkannte Infizierte – so viele wie in keiner anderen Provinz des Landes.

Diese Videoaufnahmen sollen das völlig überfüllte Krankenhaus Policlinico San Marco im italienischen Bergamo zeigen. Dort gibt es mehr als 4300 erkannte Infizierte – so viele wie in keiner anderen Provinz des Landes.

Corona-Krise: Warum das Robert Koch-Institut so zögerlich auf Corona reagierte

Written By: Hans-Martin Tillack - Mrz• 20•20

Hat das Robert-Koch-Institut die Corona-Krise unterschätzt? Das meinen zumindest Kritiker. Als sich das Coronavirus in China bereits rasend ausbreitete, gab das Robert-Koch-Institut für Deutschland noch beruhigend klingende Parolen aus. Warum?

Das Robert-Koch-Institut blickt auf eine 129-jährige Geschichte zurück, aber ob der Umgang mit dem Coronavirus als Ruhmesblatt in diese Historie eingehen wird, ist eine offene Frage.

Das Institut mit seinem Hauptsitz in Berlin ist keine freischwebende wissenschaftliche Einrichtung, sondern eine Behörde, die dem Bundesgesundheitsminister untersteht. Ihre 1200 Mitarbeiter verfolgen laut Selbstdarstellung "das Ziel, die Bevölkerung vor Krankheiten zu schützen und ihren Gesundheitszustand zu verbessern". Doch seit das Virus im Januar begann, sich in China und bald auch in anderen Ländern stetig weiter zu verbreiten, sendete das Institut immer wieder beruhigende Botschaften – Botschaften, von denen man heute weiß, dass sie viel zu optimistisch waren.

Manche meinen, rückblickend sei man immer schlauer. Man dürfe jetzt nicht beckmesserisch urteilen. Oder: Man müsse später schauen, was falsch lief, doch nicht jetzt, wo alle Kräfte zur Krisenbekämpfung gebraucht werden. Aber selbst im autoritär regierten China ließ sich nach dem Ausbruch des Virus die Diskussion über die Fehler der Behörden nicht unterdrücken. Das wird auch hierzulande nicht gelingen.

Wochenlang kamen beruhigende Parolen aus dem RKI

Es wäre die Aufgabe des Robert-Koch-Instituts gewesen, vor Gesundheitsgefahren zu warnen. Stattdessen kamen aus der Institutszentrale in Berlin-Wedding wochenlang beruhigend klingende Parolen – Parolen, die dann teils auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verbreiten ließ.

PAID Stern 13_2020 Corona Portrait Drosten 16.45Das Risiko für Deutschland sei trotz der Krise in China "sehr gering", versicherte Spahns Sprecher noch am 21. Januar. Der Minister selbst wiederholte diese Worte in einem Interview, das einen Tag später erschien. Die Deutschen müssten sich keine Sorgen machen, sekundierte ihm RKI-Vizepräsident Lars Schaade. Ja, es könne sein, dass einzelne Menschen infiziert in die Bundesrepublik kämen. Aber es sei unwahrscheinlich, dass sich hierzulande die Infektionsketten mit weiteren Übertragungen von Mensch zu Mensch fortsetzten, versicherte Schaade.

Zwei Tage später riegelte die Regierung in China die Millionenstadt Wuhan vollständig ab – eben weil das Virus so rasch von Mensch zu Mensch sprang.

RKI-Präsident verglich Corona mit Grippe-Epidemie

Der Virologe Alexander Kekulé regte darum bereits Ende Januar an, Flugpassagieren aus China systematisch zur Vorsicht zu raten. "Sonst kriegen wir chinesische Verhältnisse", warnte der Experte.Kekulé beklagte sich damals schon über "die Behörden" in Deutschland, die sich gegen "Maßnahmen an den Flughäfen" wendeten, weil "die normale Grippe-Infektion viel schlimmer sei".

Das war ein Seitenhieb auf das Robert-Koch-Institut. Dessen Präsident Lothar Wieler verglich noch am 13. Februar Covid-19 "mit einer schweren Grippeepidemie". Was helfe, sei Händewaschen. Noch am 2. März stufte das RKI das Risiko für Deutschland von zuvor "gering bis mäßig" auf "mäßig" herauf. "Hoch" ist das Risiko aus Sicht der Behörde erst seit dem 17. März – nachdem die Länder bereits begonnen hatten, ihre Schulen zu schließen.

"Da ist wirklich eine monatelange Fehlinformation betrieben worden, die schon fast an Fake Science erinnert", kritisiert Kekulé heute: "In dem Sinne, dass man untertrieben hat, dass man dachte, man darf der Bevölkerung keine Angst machen."

Wieler übt vorsichtige Selbstkritik 

Im RKI verteidigt man sich, dass die früheren Einschätzungen "der damaligen epidemiologischen Situation" entsprachen und "keine Vorhersage" darstellten. Man habe "immer betont, dass es eine dynamische Lage ist, die sich ändern kann". Das RKI habe "die Gefahren für Deutschland frühzeitig betont", versicherte die Sprecherin des Instituts auf Fragen des stern.

Hinter Wielers Rücken spöttelten Ärztekollegen dennoch schon länger, der Mann sei halt nur ein Veterinär. Aber auch Fachleuten im RKI muss da bereits bewusst gewesen sei, was der große Unterschied zur gewohnten Grippe war: Gegen sie gibt es Medikamente, man kann sich impfen lassen. Für das Coronavirus galt und gilt das nicht. Inzwischen betont auch Wieler diesen Unterschied und übte vorsichtige Selbstkritik. "Im Nachhinein" hätte man "vielleicht das eine oder andere anders gesagt", räumte er am Freitag ein. Die Krise habe nun "ein Ausmaß, das ich mir selber nie hätte vorstellen können".

Wieler verwies auch auf das Team, das hinter ihm stehe. Und in der Tat hat das RKI hervorragende Fachleute. Doch geführt werde eher es wie eine deutsche Behörde, sagen Kritiker. Im Zweifel immer ein bisschen zu vorsichtig, im Zweifel immer ein bisschen zu langsam – so agierte das Institut auch in der Corona-Krise. "Das ist so eine typische Behörde, am Freitag machen die um 16 Uhr Feierabend", sagt der Infektiologe Klaus-Dieter Zastrow. Er gehört seit Wochen zu denjenigen, die das RKI wegen zu viel Unentschiedenheit kritisieren. Jahrelang war er Präsident des Berufsverbandes deutscher Hygieniker. Einige Jahre lang diente er auch als Direktor in dem Institut. Er kennt es also von innen.

Bundesländer machten Druck auf Wieler

Die Kritik mag ungerecht klingen, in diesen Tagen, in denen auch in dem Institut alle daran arbeiten, dass aus der Krise keine Katastrophe wird. Aber selbst unter denjenigen, für die Schuldzuweisungen jetzt zu spät kommen, kursiert eine alternative Deutung, warum Deutschland oft langsamer zu reagieren schien als Nachbarländer. Langsamer etwa als das zentralistische Frankreich – zum Beispiel bei der Schließung von Schulen. Viele sagen, der Föderalismus sei Schuld. Deshalb könne der Gesundheitsminister in Berlin leider nicht durchregieren.

Aber tatsächlich waren es in der Corona-Krise wiederholt die Bundesländer, die das Bundesgesundheitsministerium oder ein zögerliches RKI vor sich hertrieben. Weil Anfang März in Baden-Württemberg immer wieder aus Südtirol zurückkehrende Urlauber positiv getestet wurden, drängelte der dortige Landesgesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) persönlich Bundesminister Spahn in Berlin, dass das RKI nun endlich die Region als Risikogebiet ausweisen müsse. Am Abend des 5. März war es so weit. Einige Stunden  zuvor bekam eine Journalistin des "Südkuriers" aus Konstanz nach eigenen Angaben von der RKI-Sprecherin auf die Frage nach Südtirol noch die Antwort zu hören, solche Fragen würden unnötig Unruhe schüren. "Es ist immer irgendwann der Zeitpunkt, zu dem die Entscheidung getroffen werden kann",  so wimmelte die Sprecherin die Fragerin ab.

Einige Tage später fiel der Gesundheitsbehörde in Hamburg auf, dass gehäuft Skiurlauber aus Ischgl in Tirol mit dem Virus heimkehrten. Man bitte das RKI "dringend", die Gegend zum Risikogebiet zu erklären, verbreiteten die Hamburger am 12. März. Erst am Abend des folgenden Tags stand Tirol dann wirklich auf der Liste auf der Webseite des Instituts.

Völlig neue Herausforderung für das RKI

Oder Mailand: Dort wurde der berühmte Dom am 24. Februar geschlossen. Das RKI stufte die Lombardei dennoch erst drei Tage später als Risikogebiet ein. Der Infektiologe Zastrow sagt, er kenne einen Fall, in dem einem Heimkehrer aus der Region Mailand vom Gesundheitsamt zunächst der Test verweigert wurde, weil die Einstufung als Risikogebiet fehlte.

Stiftung stern Teaser CoronaDas RKI wehrt sich mit dem Verweis auf seine wissenschaftlichen Kriterien für die Einstufung von Risikogebieten: "Die Schließung einzelner Kirchen gehört nicht zu den Kriterien", schrieb die Sprecherin des Instituts auf Fragen des stern.

Zu Gunsten des Instituts kann man einwenden, dass Wieler und seine Kollegen vor einer völlig neuen Herausforderung standen - und sich eben nicht der Panikmache schuldig machen wollten. Nur dass das Problem in Deutschland bis heute nicht darin besteht, dass die Bürger in Panik geraten. Im Gegenteil, zu viele glauben immer noch, die Warnungen vor dem Virus seien die Panikmache. Vielleicht auch, weil sie noch vor ein paar Wochen Artikel gelesen haben, in denen ihnen unter Berufung auf das Robert-Koch-Institut versichert wurde, die Deutschen müssten sich keine Sorge machen.

Der Berliner Risikoforscher Martin Voss kritisierte es bereits Ende Februar: "Keiner will der Alarmierer sein, stattdessen warnen lieber alle vor Panik, als ob diese das eigentliche Problem sei", sagte Voss. Dabei zeige "die Forschung sehr deutlich, dass die Menschen durch eine offene Informationspolitik viel weniger verunsichert werden, als wenn immer wieder gemeldet wird, man habe alles im Griff - obwohl die Bilder längst eine andere Sprache sprechen".