Dubiose Großspende: SPD-Fraktionsgeschäftsführer Schneider: CDU muss Spende bis zur Klärung der Herkunft „sofort zurückgeben“

Written By: Thomas Steinmann - Sep• 23•21

SPD-Fraktionsgeschäftsführer Carsten Schneider übt Kritik an einer "Verschleierung" der Großspende von 250.000 Euro an die CDU über "windige Briefkastenfirmen". Finanzinvestor Lars Windhorst steht hinter den Firmen, die das Geld an die Bundes-CDU gaben. Im Juli ging der Spende ein gemeinsames Dinner von Unternehmern und Kanzlerkandidat Armin Laschet in Berlin voraus. Hier war auch Lars Windhorst eingeladen.

Die SPD hat von CDU-Chef Armin Laschet Aufklärung über die jüngste Parteispende von Finanzinvestor Lars Windhorst an die CDU gefordert. "Solange nicht geklärt ist, aus welchen Kanälen von Herrn Windhorst das Geld stammt, muss die CDU die Spende sofort zurückgeben", sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Carsten Schneider dem stern.

Schneider verwies darauf, dass die Finanzaufsicht Bafin Windhorst vor einigen Wochen bei der Berliner Staatsanwaltschaft angezeigt habe. "Trotzdem nimmt die CDU nach einem Spendendinner mit Laschet von ihm eine sehr große Wahlkampfspende an", sagte Schneider weiter. Zudem kritisierte der SPD-Abgeordnete mangelnde Transparenz bei der Zuwendung: "Warum wird die Herkunft der Spende über windige Briefkastenfirmen auf den britischen Jungferninseln und Luxemburg extra noch verschleiert?"

Finanzinvestor Windhorst spendete 250.000 Euro an CDU und FDP

Windhorst hatte nach Bekanntwerden der strafrechtlichen Ermittlungen wegen der Verdachts auf unzulässige Bankgeschäfte einer seiner Firmen im Sommer sämtliche Vorwürfe zurückgewiesen.

Ende der vergangenen Woche hatte ein Unternehmen, das der Finanzinvestor über eine komplizierte Firmenkonstruktion kontrolliert, jeweils 250.000 Euro an CDU und FDP überwiesen. Am Montag hatten beide Parteien die Spende angezeigt. Über Großspenden von mehr als 50.000 Euro müssen die Parteien laut dem Parteiengesetz "unverzüglich" den Bundestagspräsidenten informieren.

Armin Laschet und Lars Windhorst
Armin Laschet und Lars Windhorst bei der Eröffnung der Ausstellung "Diversity United" in Berlin
© Bernd von Jutrczenka

Windhorst war auch einer von mehreren Unternehmern, die im Juli an einem von der CDU organisierten Dinner mit Wirtschaftsvertretern teilgenommen hatten. Über das vertrauliche Treffen, bei dem auch Laschet anwesend war, hat der sternheute berichtet. Die Bundes-CDU hatte sich auf mehrere Anfragen hin nicht zu dem Anlass und den Hintergründen des Termins in der Berliner Pan Am Lounge geäußert.

Ebenfalls heute wurde eine weitere Großspende an die Christdemokraten bekannt. Aus einer sogenannten Ad-hoc-Meldung auf der Website des Bundestags geht hervor, dass der Unternehmer Stephan Schambach der CDU gestern einen Betrag von 300.000 Euro überwiesen hat. Schambach ist einer der E-Commerce-Pioniere in Deutschland. Sein bekanntestes Unternehmen ist die Softwarefirma Intershop. In diesem Jahr hatte Schambach bereits 200.000 Euro an die FDP gespendet.  

Asiatische Volksmedizin: Fermentierter Tee: Rezept für selbst gemachten Kombucha

Written By: Laura Stunz - Sep• 23•21

Kombucha erobert Hollywood und die sozialen Medien. Stars, Sternchen und Influencer schwören auf das fermentierte Teegetränk, dessen Ursprung die asiatische Volksmedizin ist. Was hinter dem Hype steckt und wie sie Kombucha selbst herstellen können. 

Haben Sie schon etwas von Kombucha gehört? Das Teegetränk mit dem saurem Geschmack erobert zurzeit die sozialen Medien und ist aus trendigen Cafés, Bars und dem Bio-Supermarkt nicht mehr wegzudenken. Aber so neu ist das Getränk mit dem außergewöhnlichen Namen nicht. Manch einer mag sich an eine "Kombucha-Welle" in den 1980er und 90er-Jahren erinnern, die vor allem durch die USA rollte. Schon damals war es total angesagt, sich sein eigenes fermentiertes Getränk herzustellen. Langsam etabliert es sich auch hierzulande. Doch was steckt hinter dem Hype?

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Vom Hippie-Tee zum Trend-Getränk

Kombucha wird in den sozialen Medien groß gefeiert. Dabei wird ihm eine gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt. Bei regelmäßigem Konsum soll man sich energiereicher fühlen, zudem soll das Getränk die Verdauung und das Immunsystem unterstützen, die Leber entlasten und so zu einem inneren Gleichgewicht beitragen.

Außerdem wird er oft als natürliche Alternative zu Kaffee konsumiert. Da das Getränk auf Basis von grünem oder schwarzem Tee hergestellt wird, enthält es den Wirkstoff Teein. Dieser wird – im Gegensatz zum Koffein im Kaffee – eher langsam und gleichmäßig aufgenommen. So wirkt es nicht so schnell, dafür ist die belebende Wirkung jedoch sanfter und hält länger an.

Nicht zuletzt punktet Kombucha mit seinem Geschmack. Das Erfrischungsgetränk schmeckt süß-säuerlich, prickelt leicht auf der Zunge und erinnert ein wenig an Cidre. Durch die Teesorte, die zur Fermentierung verwendet wird, können Farbe und Geschmack des Getränks variieren.

Was ist Kombucha?

Bei Kombucha handelt es sich um ein fermentiertes Teegetränk. Mit Hilfe eines Teepilzes werden verschiedene Teesorten fermentiert. Bei dem Teepilz handelt es sich um eine Lebensgemeinschaft aus verschiedenen Mikroorganismen, Bakterien und Hefen – eine Art gallertartige Masse – weswegen die Kombucha-Kultur auch als SCOBY ("symbiotic culture of bacteria and yeast", zu Deutsch: symbiotische Bakterien- und Hefekultur) bezeichnet wird. Während der Fermentation werden Tee und Zucker zu einem erfrischenden Getränk verstoffwechselt. Das soll das Getränk nicht nur schmackhaft machen, sondern zudem zahlreiche Vorteile für die Gesundheit mit sich bringen. Bei der Fermentation sollen demnach verschiedene Vitamine, organische Säuren und wichtige Nährstoffe entstehen. Bei der Gärung entstehen aus dem zugesetzten Zucker Alkohol und Essigsäure, Milchsäure und Gluconsäure. Dadurch schmeckt Kombucha sauer.

Kombucha wird vor allen Dingen als kohlensäurehaltige, im Geschmack süß-saure Alternative zu Limonaden oder anderen Erfrischungsgetränken verwendet. Das Getränk war ursprünglich Bestandteil der asiatischen Volksmedizin und wird hierzulande vor allem in Naturkostläden und Reformhäusern verkauft. Als Fertiggetränk ist es zudem im Lebensmittel- und Getränkehandel zu finden.

Woher stammt der fermentierte Tee?

Um die Herkunft des Kombuchas ranken sich viele Mythen und Legenden. Seinen Ursprung hat das Getränk jedoch im asiatischen Raum – vermutlich in Ostasien, Japan oder China.

Die erste Legende, welche aus China stammt, beruft sich auf das Jahr 247 v. Chr. als Ursprungsjahr des fermentierten Tees. Sein Genuss soll damals ewiges Leben versprochen haben. Eine weitere Legende besagt, dass Kombucha von den japanischen Samurai im zehnten Jahrhundert eingeführt wurde. Angeblich tankten sie mit diesem Kraft für die nächste Schlacht und sollen das "Wundergetränk" an den Hüften getragen haben. Wie viel Wahrheit in den Legenden steckt, wird wohl nie endgültig geklärt werden können.

Fakt ist jedoch, dass Kombucha schon seit sehr langer Zeit fester Bestandteil in der Ernährung zahlreicher Menschen in Russland, Japan, China und Indien ist. Anfang des 20. Jahrhunderts soll das Getränk dann über Russland und den Balkan nach Europa gelangt sein. Hier erfreute es sich einer eher kleinen Fangemeinde. Heutzutage gilt Kombucha als absolutes Trendgetränk und wird in den sozialen Medien groß gefeiert.

Heilende Wirkung

Kombucha wird eine heilende Wirkung nachgesagt. So soll dieser sich positiv auf das Immunsystem, den Stoffwechsel und das Blutbild auswirken. Sogar bei unreiner Haut oder Herz-Kreislauf-Beschwerden soll das fermentierte Getränk angeblich eine deutliche Verbesserung bewirken können – wissenschaftlich bestätigt ist allerdings keine dieser Thesen. Lediglich eine positive Wirkung auf Verdauung und Darm konnte bislang nachgewiesen werden.

Wie auch andere fermentierte Getränke können die Mikroorganismen des Kombuchas positiv auf die Darmflora wirken. Das Getränk weist so eine leicht abführende, antibakterielle Wirkung auf, welche auf den Gehalt an Essig- und Milchsäure zurückzuführen sind. Anders als selbst gemachter Kombucha wird industriell hergestellter Kombucha aus Gründen der Haltbarkeit pasteurisiert. Dies tötet die Mikroorganismen im Gärgetränk ab und vernichtet so die positive Wirkung.

Rezept für selbst gemachten Kombucha

Zutaten

  • 1 Kombuchapilz (gibt es online oder im Reformhaus)
  • 100 Milliliter fertiger Kombucha
  • 90 Gramm Vollrohrzucker
  • 1 Liter gefiltertes Wasser
  • 8 Gramm Grüner Tee
  • 1 großes Glasgefäß (1 Liter)
  • 1 luftdurchlässiges Stofftuch
  • 1 Gummi

Zubereitung

  1. Einen Liter Wasser in einem großen Topf zum Kochen bringen und den grünen Tee hinzugeben.
  2. Für zwölf bis 15 Minuten leicht köcheln lassen.
  3. Den Tee abgießen. Den Zucker hinzugeben und so lange einrühren, bis dieser sich vollständig im Tee aufgelöst hat.
  4. Den mit Zucker versetzten Tee in einem Glasgefäß bis auf mindestens 25 Grad Zimmertemperatur abkühlen lassen.
  5. 100 Milliliter fertigen Kombucha hinzugeben.
  6. Den Kombuchapilz abwaschen und vorsichtig in das Gefäß geben. Wichtig hierbei ist es, den Kombuchapilz erst in die abgekühlte Flüssigkeit zu geben. Heißes Wasser würde die lebenden Bakterien, Hefen und Eiweiße zerstören.
  7. Die Öffnung des Gefäßes mit einem luftdurchlässigen Stoff-Tuch abdecken und mit einem Gummi befestigen.
  8. Den Kombucha sieben Tage lang fermentieren lassen.
  9. Den Kombuchapilz vorsichtig aus der Kombucha-Flüssigkeit entfernen und mit lauwarmem Wasser von Teeresten befreien.
  10. Der Kombuchapilz kann in abgefüllter Kombucha-Flüssigkeit (diese fungiert als neue Starterflüssigkeit) für die nächste Fermentation aufbewahrt werden.
  11. Optional: Die Flüssigkeit durch ein sehr feines Sieb filtern, um einzelne kleine Kombuchapilz-Teile zu entfernen.
  12. Die Flüssigkeit in ein verschließbares Glasgefäß füllen und bei Raumtemperatur nochmals für etwa zwei Tage fermentieren lassen. Hier kann sich auch natürliche Kohlensäure bilden.

Hinweis: Das fertige Kombucha Getränk ist bis zu sechs Monate haltbar und sollte kühl und dunkel gelagert werden. Mit dem Abfüllen des Kombuchas wird nicht automatisch der Gärungsprozess gestoppt. Mit der Zeit wird der Kombucha etwas saurer und bekommt mehr natürliche Kohlensäure.

Quellen:verbraucherzentrale

Ernährung: Abnehmen ohne zu hungern – so kann es funktionieren

Written By: Alexandra Kraft - Sep• 23•21

Wenn man ständig Hunger hat, fällt das Abnehmen schwer. Diäten setzen auf den Entzug von Essen. Es gibt aber bessere Wege, um Gewicht zu verlieren. Wer seine Ernährung umstellt, entgeht dem Jo-Jo-Effekt.

Viele, die mit ihrem Gewicht kämpfen, kennen das Problem. Das Abnehmen gelingt meist noch gut, aber das neue Gewicht zu halten, fällt vielen schwerer. Die Allermeisten holt nach wenigen Wochen oder Monaten dann doch der Jo-Jo-Effekt ein. Und nach einiger Zeit wiegen sie wieder genauso viel wie vor der Diät – oft sogar noch viel mehr.

Was also tun? Alles aussichtslos? Es gibt keine Hoffnung? Eines ist sicher: Diäten sind keine Lösung. Weil der Entzug von Essen einfach keine gesunde Methode ist. Der Körper hat wunderbare Mechanismen, um diese Phasen des Essensentzuges einfach auszuhalten. Er fährt den Stoffwechsel herunter und wartet regelrecht ab, bis sich der Speiseplan wieder füllt. Dann wachsen die Fettpolster schnell – auch weil der Körper Reserven für neue Zeiten des Mangels anlegen will. Außerdem scheint es einen Mechanismus zu geben, dass der menschliche Körper versucht, wieder das hohe Gewicht zu erreichen, das er vor der Diät hatte. Die Hintergründe müssen allerdings noch genauer wissenschaftlich untersucht werden.

Am Ende geht es um eine gesunde Ernährung

Aber von all dem sollte man sich nicht entmutigen lassen. Einmal dick heißt nicht auf ewig dick. Gewicht zu verlieren ist einfacher, als viele Denken mögen. Es geht nämlich nicht darum, sich einzuschränken und auf immer und ewig Kalorien zu zählen. Vielmehr ist die Frage wichtig, was wir essen. Der Schlüssel zum Erfolg mag banal klingen, aber es ist sehr erfolgreich. Am Ende geht es um eine gesunde Ernährung. 

Es ist nicht kompliziert. Für uns funktioniert am besten eine betont pflanzliche Ernährung mit viel Obst, viel Gemüse und regelmäßigen längeren Essenspausen. Aber es wirkt. Eine Studie aus den USA begleitete die Testpersonen über fast 30 Jahre. In der Gruppe, die sich vor allem von Gemüse und Obst ernährte, sank das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in dieser Zeit deutlich. Ebenso lag die Gesamtsterblichkeit niedriger.

Es geht darum, dem Körper auf gar keinen Fall einen Zwang anzutun, sondern lieber auf ihn zu hören. Ihm nichts zu verbieten, sondern zu fragen: Was tut dir gut? Denn Nahrungsmittel sind mehr als nur Kalorien. Sie liefern nicht nur Energie, sondern lösen verschiedenste Reaktionen im Körper aus. Und diese beeinflussen die Wahrscheinlichkeit, dick zu werden oder eben nicht.

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Die Mechanismen dahinter werden noch erforscht. Aber es gibt Hinweise, dass vor allem das Mikrobiom von dieser Form der Ernährung profitiert. Wer sich so ernährt, erlebt schnell, wie es ihm besser geht. Der Blutdruck und die Blutzuckerwerte sinken. Die Fettspeicher schrumpfen, die Veränderungen sind dramatisch. Kombiniert man die richtigen Lebensmittel miteinander, wird Ernährung zum Genuss. Mehr Gemüse, mehr Obst, täglich etwas, das viele Bakterien enthält, wie einen ungesüßten Vollfett-Joghurt. Ab und zu auch Biofleisch von Tieren, die nicht mit Antibiotika behandelt wurden, dazu frischer Fisch. Auch hier gilt: keine verarbeiteten Lebensmittel konsumieren, die Konservierungsstoffe und Zusatzstoffe enthalten. So wenig Zucker wie möglich. Kein Süßstoff, der killt die guten Bakterien. Gut dagegen sind langfaserige Nahrungsmittel wie Sauerkraut und Kimchi.

Eine Kalorie ist nicht einfach nur eine Zahl

Hinter alldem steht die Erkenntnis, dass eine Kalorie nicht einfach eine Kalorie ist. Sie liefert nicht nur Energie, sondern besteht aus Nährstoffen, die im Körper sehr individuelle Reaktionen auslösen. Auch weil wir in einer tiefen Partnerschaft mit unseren Bakterien leben. Gemeinsam mit den Viren und Pilzen gehören diese Mikroben zu uns wie eigene Zellen. In uns und auf unserer Haut leben rund 40 Billionen davon, insgesamt etwa zwei Kilogramm wiegen sie. Sie bilden eine Art Superorgan – auch Mikrobiom genannt –, ohne das der Mensch nicht überlebensfähig wäre. Die meisten davon tummeln sich im Dickdarm. Über die Nervenbahnen, die von dort ins Gehirn führen, beeinflussen sie zahlreiche Abläufe in unserem Körper. Etwa ein Drittel aller Stoffwechselprodukte im Körper stellt das Mikrobiom her. Sogar Vitamine, die wir zur Abwehr von Krankheitserregern brauchen, werden von unseren kleinen Mitbewohnern produziert. Ballaststoffe, die für den Menschen unverdaulich sind, bauen Bakterien zu kurzkettigen Fettsäuren ab. Einige aktivieren die Abwehrzellen, andere hemmen Entzündungen oder regulieren den Cholesterinstoffwechsel. Mikroben spielen eine wichtige Rolle bei der Frage, ob wir gesund alt werden oder an chronischen Krankheiten wie Diabetes oder Asthma leiden.

Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Mikrobiom und Körpergewicht. Schlanke Personen besitzen eine größere Vielfalt an Mikroben als dicke. Auch lässt sich nachweisen, dass Konservierungsmittel, künstliche Zusatzstoffe, Zucker und Geschmacksverstärker der Vielfalt des Mikrobioms schaden. Erst einmal aus dem Gleichgewicht gebracht, können für uns ungesunde Bakterien das Kommando übernehmen. Sie streben an die Macht – und haben sie diese erst mal, dann bringen sie uns über Botenstoffe und Hormone dazu, weiter zu essen. Obwohl der Energiebedarf des Körpers eigentlich längst gedeckt ist.

Die gute Nachricht: Wenn die Umstellung der Ernährung am Anfang schwer fallen mag, je länger man durchhält, umso einfacher wird es. Das Ziel ist es, aus der bewussten Entscheidung für eine gesunde Ernährung eine Routine zu machen. Gewohnheiten sind der Schlüssel zum Erfolg. Der Wandel braucht Zeit – aus Studien schätzt man etwa drei Monate, bis ein Ablauf automatisiert ist.

Slogans von SPD, AfD und Co.: Wahlplakate-Rätsel: Wissen Sie, von welcher Partei dieses Statement stammt?

Written By: Florian Saul - Sep• 23•21

Wahlplakate punkten mit prägnanten Aussagen. Zur Bundestagswahl fragt der stern Bürgerinnen und Bürger in Hamburg, ob sie die Wahlkampf-Statements der einzelnen Parteien richtig zuordnen können. Es ist gar nicht so leicht.

Wahlplakate punkten mit prägnanten Aussagen. Zur Bundestagswahl fragt der stern Bürgerinnen und Bürger in Hamburg, ob sie die Wahlkampf-Statements der einzelnen Parteien richtig zuordnen können. Es ist gar nicht so leicht.

Investigativ-Recherche: Es war ein Dinner auf Einladung der Bundes-CDU. Mit dabei waren Großspender Lars Windhorst – und Armin Laschet

Written By: Thomas Steinmann - Sep• 23•21

Die jetzt bekannt gewordene Großspende des Finanzinvestors Lars Windhorst an die CDU hat möglicherweise eine Vorgeschichte. Im Sommer traf sich auf Einladung der Bundes-CDU eine illustre Runde von Unternehmern in einem Berliner Club – darunter Lars Windhorst und Kaufhauskönig René Benko, die hier auf Kanzlerkandidat Armin Laschet trafen.

Wer in der Hauptstadt nach einem Hauch des alten West-Berlins sucht, ist in der Pan Am Lounge an der richtigen Adresse. Die exklusive Location befindet sich in einem Penthouse in der Nähe des Kurfürstendamms, im Herzen der heutigen City-West. Nach ihrer Einweihung im Jahr 1966 diente die Lounge zunächst den Crews der US-Fluggesellschaft Pan American Airways, die bei ihren Zwischenstopps Erholung und Unterhaltung suchten. Später wurde sie zu einem Hotspot für gediegene Partys im Berliner Westen.

Bis heute trägt die Luxuslounge nicht nur das Logo der legendären, längst Pleite gegangenen US-Airline. Wer die Location besucht, wird laut der Firmenwebsite für "First Class Meetings and Events" von "herzlichen Stewardessen" in Empfang genommen. In der Lounge mixt das "Kabinenpersonal" einen "original Pan-Am-Cocktail", den die Gäste auch auf einer Terrasse mit Blick auf die Berliner Skyline oder auf einer Tanzfläche genießen können. Kleine Räume bieten Rückzugsmöglichkeiten für diskrete Gespräche. 

In diesem Ambiente traf sich Anfang Juli 2021 nach Recherchen des stern eine prominent besetzte Runde. Gekommen waren unter anderem der österreichische Immobilieninvestor und Kaufhauskönig René Benko, dessen Signa-Gruppe auch die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof gehört, und der Finanzinvestor Lars Windhorst – als Teenager einst Vorzeigeunterunternehmer von Helmut Kohl, heute Jongleur mit Milliardensummen. Erschienen waren auch Verena Pausder, eine der prominentesten Gründerinnen in der Berliner Start-up-Szene sowie einige weitere Unternehmer und Manager.

René Benko
Immobilieninvestor und Kaufhauskönig René Benko
© Marcel Kusch/

Auch Armin Laschet war bei dem Treffen in der Pan Am Lounge dabei

Zu dem Dinner im kleineren Kreis geladen hatte die Bundes-CDU, Ansprechpartnerin war laut Angaben von Teilnehmern eine enge Mitarbeiterin des Bundesschatzmeisters der Partei. Doch die Christdemokraten waren an diesem Abend noch hochkarätiger vertreten – mit einem Politiker, der gerade darum kämpft, Bundeskanzler zu werden: Armin Laschet. Der CDU-Chef hielt eine kurze Rede und umriss seine Vorstellungen für die künftige Bundesregierung. Später tauschten sich die Gäste im kleineren Kreis aus. Worum es bei dem Treffen genau ging und was die Hintergründe waren, ist nicht ganz klar. Die Parteizentrale der CDU ließ mehrere Anfragen zu dem Termin unbeantwortet.

Bekannt ist zumindest: Einige Wochen nach dem Treffen in der Pan Am Lounge floss eine Parteispende in Höhe von 250.000 Euro an die Bundes-CDU – und zwar von einer Firma, hinter der nach Recherchen des "Spiegel" Finanzinvestor Windhorst als wirtschaftlich Berechtigter steckt. Laut einer Meldung an die Bundestagsverwaltung ging die Spende am 17. September bei den Christdemokraten ein. Die Partei meldete sie dem Bundestag am 20. September – nach dem Parteiengesetz müssen Großspenden über 50.000 Euro "unverzüglich" dem Bundestagspräsidenten angezeigt werden. Am gleichen Tag hatte das Hauptstadtbüro des stern Windhorsts Sprecher Fragen zu dem Dinner und möglichen Parteispenden übermittelt – die allerdings bislang unbeantwortet blieben. Zeitgleich zu der Spende an die CDU überwies die Windhorst-Firma auch 250.000 Euro an die FDP.

Lars Windhorst
Finanzinvestor Lars Windhorst
© Gregor Fischer/

Im Fall von Windhorst, der nach seinem rasanten Aufstieg als Jungunternehmer mit einigen Investments Schiffbruch erlitten hat und zuletzt als Großinvestor des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC Schlagzeilen machte, ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts unzulässiger Bankgeschäfte. Ausgangspunkt des Verfahrens war eine Strafanzeige der Finanzaufsicht Bafin. Windhorst wies sämtliche Vorwürfe im Juli per Twitter zurück: Man kooperiere bereits seit Mai mit allen Behörden und sei "verblüfft und enttäuscht", dass die Bafin dennoch Anzeige erstattet habe. Man sei sich sicher, dass es für die Anschuldigungen keinerlei Grundlage gebe. Öffentlich bekannt wurden die Ermittlungen durch einen Bericht der "Financial Times" am 5. Juli – einen Tag nach dem Treffen mit Laschet.

STERN PAID Kandidatencheck Endspurt 15.04

Auf Anfrage zu dem Termin reagierten weder die Bundes-CDU noch Windhorts Sprecher und Start-up-Gründerin Pausder. Laschets Staatskanzlei verwies auf die CDU-Parteizentrale, da es sich um einen Termin der Partei und nicht der NRW-Landesregierung gehandelt habe. Ein Vertreter von Benkos Signa-Gruppe erklärte, man stehe "regelmäßig im konstruktiven Dialog mit politischen Entscheidungsträgern – über sämtliche Parteigrenzen hinweg". Dabei gelte, "dass wir grundsätzlich nicht an politische Parteien spenden".

Zu dem Immobilien- und Handelskonzern Signa gehört auch die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof, die Anfang des Jahres in der Coronakrise mit einem Staatskredit in Höhe von 460 Mio. Euro gestützt werden musste. Zuletzt verhandelte das Unternehmen mit dem Bund über weitere Hilfen. Laschet und Benko kennen sich schon länger, im Sommer 2020 etwa sprachen beide persönlich über den Erhalt von Galeria-Karstadt-Kaufhof-Filialen in Nordrhein-Westfalen. In dieser Zeit standen bei Benkos Kaufhauskette wegen der Corona-Pandemie deutschlandweit Dutzende Standorte zur Disposition.

Massive Manipulation: 14 Millionen anomale Stimmen: Statistik verrät Ausmaß der Fälschungen bei Duma-Wahlen

Written By: Ellen Ivits - Sep• 22•21

Russland hat ein neues Parlament. 324 Sitze von 450 nehmen Abgeordnete der Kreml-Partei Einiges Russland ein. Ein Ergebnis massiver Fälschungen, wie ein Blick in die Statistik verrät. 

"Wir haben genau das erwartet, was eingetreten ist", so lakonisch kommentiert der berühmte russische Exilant und Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski den Ausgang der Duma-Wahl. Am frühen Dienstagmorgen hatte die russische Wahlkommission der von Präsident Wladimir Putin unterstützten Partei erneut den Sieg zugesprochen. Einiges Russland erhielt nach offizieller Darstellung 49,8 Prozent der Stimmen und holte letztlich erneut die absolute Mehrheit in der Staatsduma.

Von den insgesamt 450 Sitzen entfielen 324 auf die Kremlpartei, wie die Kommission am Abend mitteilte. Neben den fast 50 Prozent der Stimmen kamen ihr bei der Sitzverteilung noch die Direktmandate zu Gute. Auf dem zweiten Platz landete mit 18,9 Prozent die Kommunistische Partei der Russischen Föderation (KPRF), die aber ein treuer Partner von Einiges Russland ist.

Das Erschreckende an dem Ausgang dieser Wahl ist, dass er so wenig überraschend ist. Bis vielleicht auf die letzten Idealisten aus dem Team von Alexej Nawalny, die noch darauf hofften, mit der Methodik der "intelligenten Wahl" die Kandidaten von Einiges Russland aus dem Parlament drängen zu können, hatte wohl in Russland niemand Zweifel daran, dass die Kreml-Partei zu ihrer bewährten Taktik greifen wird: Was nicht passt, wird passend gemacht.

Und so war die Duma-Wahl wieder einmal von unzähligen Manipulationen und Fälschungen geprägt. Unabhängige russische Wahlbeobachter beklagten in einer vorläufigen Bilanz weitreichende Verstöße. Sie sei "gezwungen festzustellen, dass die Wahlen nicht als wirklich frei anerkannt werden können", teilte die Organisation Golos mit. Konkret kritisierten die Wahlbeobachter neben Ungereimtheiten bei der Stimmauszählung auch den Ausschluss zahlreicher oppositioneller Kandidaten.

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Bereits in den vergangenen Tagen hatten die Beobachter Tausende Verstöße aufgelistet. Aufgrund von Einschränkungen durch die russischen Behörden waren erstmals seit 1993 keine Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zur Duma-Wahl angereist.

Verräterische Statistik 

Aber nicht nur die unzähligen Videos, Fotos und Audioaufnahmen belegen die massiven Manipulationen. Auch der Blick in die Statistik lässt auf eine massive Fälschung der Ergebnisse schließen. Der unabhängige Wahlanalyst Sergei Schpilkin geht davon aus, dass Einiges Russland ohne die Fälschungen gerade mal etwas mehr als 30 Prozent der Stimmen erhalten hätte.

Zu dieser Schlussfolgerung kommt Schpilkin aufgrund einer Analyse der Wahlbeteiligung in den einzelnen Bezirken im Vergleich zu den dort abgegebenen Stimmen für die jeweiligen Parteien. Extrem auffällig in den veröffentlichen Daten: Je höher die Wahlbeteiligung nach offizieller Darstellung ausfiel, desto mehr Stimmen gingen auf das Konto der Regierungspartei. 

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Visualisiert man die Daten, wird der statistische Ausreißer augenfällig. Die linke Grafik zeigt die Verteilung der Stimmen auf die jeweiligen Parteien auf der Y-Achse im Verhältnis zu der prozentualen Wahlbeteiligung auf der X-Achse. Die dunkelgrüne Linie markiert dabei die Stimmanteile, die auf das Konto von Einiges Russland gingen.

Die Grafik zeigt eindrücklich, dass ab einer Wahlbeteiligung von 40 Prozent die Stimmanteile aller Parteien kontinuierlich fallen – nur bei Einiges Russland steigt die Kurve unverhältnismäßig. Die schattierte Fläche lässt erahnen, wie viele Stimmen einen anormalen Charakter haben und nach Einschätzung von Schpilkin nur auf eine Falsifizierung zurückzuführen sein können.

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Anomalien in Moskau 

Extrem schlägt die Kurve bei der angeblich 95-prozentigen Wahlbeteiligung in Moskau aus. In der russischen Hauptstadt kam es bei der Stimmauszählung am Montag zu höchst verdächtigen Entwicklungen. Vor allem die offiziell verkündeten Ergebnisse der elektronischen Stimmabgabe erwecken Misstrauen. In diesem Jahr konnten die Russen auch online ihre Stimme für ihren Kandidaten für die Duma abgeben. Mehrmals wurde die Bekanntgabe der Ergebnisse jedoch verschoben, sodass die Zahlen erst am Montagmittag publik wurden – bereits nachdem die herkömmlichen Wahlzettel auf Papier ausgewertet waren.

Und siehe da: In acht der 15 Moskauer Wahlkreisen, wo vorher noch oppositionelle Kandidaten deutlich geführt haben, gewannen plötzlich Kandidaten von Einiges Russland. Unter ihnen auch der Propagandist Ewgenij Popow. Die gesamte Wahlnacht hindurch lag er deutlich hinter seinem Rivalen, dem Mathematiker Mikhail Lobanow (nominiert von der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation). Nach der Bekanntgabe der Online-Ergebnisse gewann er plötzlich.

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"Eine Blackbox, die niemand kontrolliert"

Die Online-Wahl ist "ein absolutes Übel. Eine Blackbox, die niemand kontrolliert", sagt der Analytiker Schpilkin. "Bei den Ergebnissen der elektronischen Abstimmung werden uns nur die Ergebnisse mehrerer Parteien und eine einzige Zahl zur Wahlbeteiligung präsentiert." Das Problem: Es lässt sich auf keine Weise nachvollziehen, woher all die Stimmen kommen und wie die veröffentlichen Zahlen zustande kommen. 

Insgesamt 14 Millionen Stimmen tragen nach Erkenntnissen von Schpilkin einen anormalen Charakter. An die 20 Prozent der Stimmen hat sich Einiges Russland demnach durch Fälschungen gutschreiben können. 

Nach Einschätzung des Politologen Dmitrij Oreschkin sind diese Zahlen absolut glaubhaft. "Schpilkin übt sein Metier seit langem aus und interpretiert die Daten gerechtfertigt als Indikator für eine Fälschung", sagte er in einem Interview mit dem unabhängigen TV-Sender Dozhd. "Unter normalen Umständen würde das Stimmenverhältnis zwischen den Parteien ungefähr gleich sein – unabhängig davon, wie viele Menschen an der Wahl teilgenommen haben. [...] Die Statistik zeigt uns jedoch, dass dort, wo es eine hohe Wahlbeteiligung gibt, nur Einiges Russland davon profitiert. Als ob dort nur Wähler von Einiges Russland zu Wahl gehen würden. Sehen wir uns zum Beispiel Tschetschenien an. Die Wahlbeteiligung dort liegt bei über 90 Prozent, und über 90 Prozent haben für einiges Russland gestimmt." Auch in Wahlkreisen mit Militär-Einrichtungen sei dasselbe zu beobachten. 

Russland, Rostow am Don: Russische Soldaten stehen vor einem Wahllokal während der Parlamentswahlen in Rostow am Don. In Wahlkreisen mit Militär-Einrichtungen ist nicht nur eine hohe Wahlbeteiligung festzustellen, sondern auch ein überproportionaler Sieg von Einiges Russland. 
Russland, Rostow am Don: Russische Soldaten stehen vor einem Wahllokal während der Parlamentswahlen in Rostow am Don. In Wahlkreisen mit Militär-Einrichtungen ist nicht nur eine hohe Wahlbeteiligung festzustellen, sondern auch ein überproportionaler Sieg von Einiges Russland.

Das Phänomen sei einfach zu erklären. "Wenn man irgendwo Stimmzettel hineinwirft, muss man automatisch auch die Wahlbeteiligung erhöhen. Nehmen wir an, in einem Wahlbezirk haben von 1000 Menschen 300 für Einiges Russland gestimmt. Wenn der Vorsitzende der Wahlkommission zu dem Entschluss kommt, das sei zu wenig, geht er auf Toilette und schreibt für Einiges Russland nicht 300 Stimmen auf, sondern addiert 500 dazu", erläutert Oreschkin. Um die entsprechen Zahl muss also auch die Wahlbeteiligung erhöht werden. Am Ende stehe auf dem Papier: 1500 Menschen haben abgestimmt, 800 davon für Einiges Russland. "Diese statistische Korrelation zwischen der Wahlbeteiligung und der erhöhten Zustimmung für Einiges Russland kann man unter normalen Bedingungen nicht beobachten", so sein Fazit.

Bundestagswahl 2021: Bis zu 40 Prozent der Wähler sind noch unentschlossen – was heißt das für die Wahl?

Written By: Niels Kruse - Sep• 22•21

Die Demoskopen haben festgestellt, dass ungewöhnlich viele Deutsche noch nicht wissen, was sie wählen sollen. Die meisten wollen zwar einen Wechsel, aber Rot-Grün etwa finden nur 15 Prozent gut. Was bedeutet die Verunsicherung für die Wahl?

Dieser Wahlkampf wird kein einfacher gewesen sein. Auch Umfragen helfen nicht immer weiter, um zu erahnen, wie die Abstimmung am Sonntag ausgehen könnte. Das Land ist zwar in Wechselstimmung, dennoch liegt mit SPD-Mann Olaf Scholz derjenige der Kandidaten vorn, der nicht nur bereits mitregiert, sondern auch mit Kontinuität wirbt. Seine bevorzugte rot-grüne Regierung begeistert allerdings gerade einmal 15 Prozent der Menschen. Noch unbeliebter sind nur Dreierbündnisse, von denen eines jedoch wahrscheinlich ist. Und dann sind da noch zwischen 25 und 40 Prozent der Wähler, die unentschlossen sind. Sie dürften den Wahlausgang entscheiden.

Was wollen die Deutschen?

Die Frage ist nur: Was wollen die Menschen? Laut Robert Fehrkamp von der Bertelsmann Stiftung wünschen sich 60 Prozent der Deutschen nicht nur eine andere Regierung, sondern auch einen klaren Politikwechsel, etwa bei den Themen Klima, Digitalisierung, Bildung. Für wen spricht das? Eher für die Grünen und die FDP – also eine Jamaika-Koalition unter Unionsführung oder für eine Ampel unter einem Kanzler Olaf Scholz?

Renate Köcher vom Allensbach-Institut zufolge, liege die für diesen späten Zeitpunkt ungewöhnliche Unschlüssigkeit am "personellen wie inhaltlichen Angebot und einen Wahlkampf, in dem die Parteien Festlegungen und inhaltliche Kontroversen weitgehend vermeiden", wie die Demoskopin in der "Frankfurter Allgemeinen" schreibt. 54 Prozent der Befragten seien unsicher, was von den Parteien nach der Wahl zu erwarten ist, haben die Wahlforscher ermittelt. Ein erstaunlicher Wert angesichts der Fernsehdauerpräsenz der drei Kandidaten.

Laut Forsa-Chef Manfred Güllner könnten am ehesten CDU und CSU von der großen Unentschlossenheit profitieren: Er registriere bei den Unentschlossenen eine "CDU-Reserve", die trotz des Kandidaten Laschet ansprechbar seien. "Das SPD-Reservoir dagegen scheint leergefischt", so Güllner. Für diese These spricht, dass die Union in den Umfragen gegenüber den Sozialdemokraten zuletzt aufgeholt hat.

Hilft der Wahl-O-Mat den Unentschlossenden?

"Die Bürger empfinden die Wahl als unberechenbarer, spannender und sind gleichzeitig in ungewöhnlich hohem Maße verunsichert und lustlos", heißt es bei Allensbach über die Stimmung im Land. Angesichts der allgemeinen Orientierungslosigkeit ist es auch kein Wunder, dass Aufklärung und Hilfe wie die durch den Wahl-O-Mat großen Zulauf haben. Fast 16 Millionen Mal wurde das Onlinetool seit Anfang September genutzt, wie der Betreiber, die Bundeszentrale für politische Bildung, mitteilte – deutlich häufiger als noch 2017.

Interessanterweise aber scheint der Wahl-O-Mat letztlich nur bestehende Positionen zu bestätigen: "90 Prozent der Benutzerinnen und Benutzer kommen am Ende bei ihrer Parteipräferenz raus", sagte der Düsseldorfer Politologe Stefan Marschall.

Quellen: Allensbach/"FAZ", RND, "The Pioneer", "Berliner Zeitung", "Welt"

Ohne Plastik: Badebomben für Genießer: So wird jedes Schaumbad zum prickelnden Erlebnis

Written By: Anna Stefanski - Sep• 21•21

Wenn es draußen kalt ist, gibt es nichts Schöneres als ein heißes Bad. Für den nötigen Schaum sorgen Pflegeprodukte, die mit ätherischen Ölen angereichert sind und dadurch eine aromatherapeutische Wirkung haben sollen – wie zum Beispiel Badebomben. Aber was genau steckt da eigentlich drin?

Badezusätze wie Wasserperlen, Pflegeschaum in Flaschen oder Meersalz gibt es schon lange. Relativ neu dagegen sind die sogenannten Badebomben: ein fester Badezusatz, der sich auflöst, sobald er mit Feuchtigkeit in Kontakt kommt – und dabei Kohlendioxid freisetzt. Dadurch beginnt das Wasser zu sprudeln. Hat sich die Badebombe vollständig aufgelöst, entfalten die Inhaltsstoffe ihre Wirkung. Welche das sind und was Sie bei der Anwendung beachten sollten, erfahren Sie wie folgt.

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Badebomben: Inhaltsstoffe und Wirkung

Unabhängig von Größe, Duft und Farbe setzen sich Badebomben für gewöhnlich aus den gleichen Inhaltsstoffen zusammen:

  • Natron als auch Zitronen- oder Ascorbinsäure: Kommen beide mit Wasser in Berührung, beginnt ein chemischer Prozess, bei dem Kohlenstoffdioxid freigesetzt wird und das Wasser zu sprudeln beginnt.
  • Sobald sich Badebomben auflösen, färbt sich das Wasser bunt – das liegt in den darin enthaltenen Lebensmittelfarben begründet, die (je nach Hersteller) unterschiedlich viele Kolorierungen ermöglichen.
  • Zudem enthalten Badebomben ätherische Öle, die einen angenehmen Duft verbreiten und dadurch für ein aromatherapeutisches Raumklima sorgen sollen, während Sie in der Badewanne sitzen.
  • Ebenso finden sich Emulgatoren unter den Inhaltsstoffen, die dafür verantwortlich sind, dass sich die öligen Bestandteile mit dem Wasser verbinden und somit für eine gleichmäßige Verteilung der Fette sorgen.
  • Damit sich der Badeschaum möglichst lange im Wasser hält und nach dem Baden keine Fettränder an der Wanne haften bleiben, enthalten Badebomben auch noch sogenannte Tenside.
  • Zu guter Letzt sollen Badebomben die Haut pflegen, aus diesem Grund finden sich darin verschiedene Fette und Öle – wie zum Beispiel Sheabutter, Mandel- und Kokosöl – oder sogar Honig.

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So wenden Sie Badebomben an

Wie bereits zu anfangs erwähnt, müssen Badebomben ins Wasser gegeben werden, um ihre Wirkung zu entfalten. Möchten Sie besonders viel Schaum genießen, ist es ratsam, die ganze Kugel zuerst in die Wanne zu legen und anschließend das Wasser hinzuzugeben. Bevorzugen Sie weniger Schaum oder nur eine dezente Duftnote, reicht eine halbe Kugel. Die ideale Temperatur zum Baden liegt zwischen 36 und 38 Grad (für Erwachsene) – das gilt auch für Badebomben. Es dauert im Schnitt zehn bis 15 Minuten, bis sich die Inhaltsstoffe aufgelöst und in der Wanne verteilt haben. Sie können entweder danach ins Wasser steigen oder direkt am Anfang, während des Sprudelvorgangs. Dann spüren Sie das prickelnde Erlebnis.

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Badebomben selber machen

Tatsächlich gibt es Badebomben nicht nur fertig zu kaufen. Mit nur wenigen Zutaten können Sie den festen Badezusatz zu Hause selbst herstellen – oder auch Ihre Kinder. In diesem Set ist beispielsweise alles enthalten, was Sie dafür benötigen: sieben Beutel mit der Säure-Basis, 210 Gramm Natriumbikarbonat, ein Messlöffel, drei Farbstoffe, zwei Düfte, fünf Pipetten, sechs Formen (wie Blumen, Seesterne oder Muscheln) und sogar zwei Geschenkschachteln. Zudem enthält das Paket eine detaillierte Anleitung, wie Sie die Zutaten korrekt miteinander vermengen. Der Inhalt reicht laut Hersteller für sieben Badebomben.

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Gesundheit: Nie mehr Duschgel: Warum ich mich mit Apfelessig wasche und es meiner Haut noch nie so gut ging

Written By: Alexandra Kraft - Sep• 21•21

Duschgels und Shampoos enthalten oft viele Konservierungs- und Duftstoffe. Diese können die Haut reizen und Allergien auslösen. Unsere Autorin wäscht sich deswegen seit ein paar Monaten mit Apfelessig. Ein Erfahrungsbericht.

Es gibt ja diese Ratschläge, die man mit Verwunderung zur Kenntnis nimmt. Dieser hatte eine Vorgeschichte. Ich hatte einen Allergietest machen lassen, jetzt stand die Auswertung an. Getestet worden war ich auf Konservierungsmittel und Duftstoffe, wie sie häufig in Salben, Cremes, Duschgels und Shampoos vorkommen. Denn in den Wochen davor hatte sich meine Haut in ein einziges Schlachtfeld verwandelt. Sie war plötzlich rot, juckte und nässte.

Ja, ich habe schon immer empfindliche Haut, leide an Neurodermitis, aber so schlimm war es noch nie. An manchen Tagen waren meine Hände und Arme überzogen von dicken mit Wasser gefüllten Pusteln. Es sah aus, als hätte ich mich in Brennnesseln gelegt. Allergietests habe ich schon viele gemacht in meinem Leben, meistens kam nichts dabei raus. Deswegen war ich auch diesmal sehr skeptisch Aber plötzlich war alles anders. Dort wo auf meinem Rücken die Testsubstanzen aufgebracht worden waren, war plötzlich fast alles rot. Meine Ärztin sagte: "Es ist einfacher, ich sage Ihnen, wogegen Sie nicht allergisch sind." Es war kein Scherz, sie meinte es ernst.

Maß finden 11.16

Dann diktierte sie ihrer Assistentin: Lyral, Sorbitansequioleat, N-Isoprophyl-N-Phenyl4-Phenylendiamin. Ein unaussprechlicher Name reihte sich an den nächsten. Die Stoffe hatten eines gemeinsam: Sie stecken allesamt als Zutaten in Cremes, Salben, Duschgels und Shampoos. Zum Beispiel auch in der einen sehr teuren Salbe, die ich vor einiger Zeit in der Apotheke gekauft hatte. "Allergiegetestet" stand auf der Packung. Der Stoff steckt auch in dem Duschgel, das speziell für trockene Haut sein sollte – und damit wirbt, für Neurodermitiker bestens geeignet zu sein. So seifte ich mich jedes Mal, wenn ich meiner Haut etwas Gutes tun wollte, mit dem reizenden Stoff ein. Das war ähnlich sinnvoll, wie wenn sich ein Pollenallergiker in eine Blumenwiese legen würde. Und weil meine Haut immer trockener wurde, cremte ich sie immer mehr ein. Was sie dann nur noch trockener und gereizter machte. Ein Teufelskreis.

Womit kann ich mich waschen, wenn ich allergisch bin?

Und jetzt? Was bedeutete das für mich? Womit sollte ich in Zukunft duschen? Ich begann Etiketten zu lesen und musste hoffen, dass darauf die enthaltenen Stoffe auch wirklich alle aufgelistet sind. Manchmal sind sie es nicht, wie ich schnell lernte. Sie können zum Beispiel Bestandteil einer fertigen Mischung sein, die dann als solche gekennzeichnet wird.

Wir leben inzwischen in einer Welt, die voll ist mit künstlichen Duftstoffen und Konservierungsmitteln. Klar, ein Duschgel steht wochenlang im Regal, es muss haltbar sein. Außerdem soll es ja auch gut riechen. Frisch nach Apfel, herb nach Sandelholz oder was sonst gerade angesagt ist. Und wir waschen und pflegen unsere Haut so viel wie vermutlich keine Generation vor uns. Ich treibe viel Sport, also dusche ich natürlich auch viel.

Mikrobiom 17.22

Als der Grad meiner Verzweiflung hoch war über die Frage, wie ich in Zukunft nicht nach Schweiß rieche, aber gleichzeitig meine Haut nicht endgültig ruiniere, traf ich für ein Interview die Hautärztin und Bestsellerautorin Yael Adler. Im Gespräch sagte sie: "20 Prozent der Hautkrankheiten sind selbst gemacht. Gereizte Gesichtshaut, trockene Hände oder Juckreiz am Po. Gerade da denken die Leute, dort müssten sie noch gründlicher waschen. Damit schaden sie aber der Haut, weil Seife auf Dauer stark reizt."

Wer seift, stinkt!

Yael Adler hatte einen radikalen Vorschlag für mich. "Man muss wissen, dass auf unserer Haut Bakterien sitzen, die davon leben, die Bestandteile unserer Haut und Schweißpartikel zu zersetzen. Daraus entsteht der Körpergeruch. Ich rate deswegen dazu, eine möglichst steinzeitliche Hautbarriere wiederherzustellen." Und wie das funktioniert, erklärte sie mir dann auch gleich noch: "Zum Waschen könnte man auch Essigwasser nehmen. Also einen Liter Wasser mit ein bis zwei Löffeln Apfelessig versehen und damit dann die entsprechenden Stellen abreiben. Mehr braucht man nicht." Die Theorie dahinter: Der pH-Wert des Essigs ist gut für unsere Haut und lässt vor allem die wichtigen Bakterien überleben. Das sogenannte Mikrobiom kann so gedeihen und die Haut bleibt gesund.

Ich tat mir wirklich schwer mit dem Gedanken, auf Seife und Co. zu verzichten. Aber meine Verzweiflung war groß genug, um es doch auszuprobieren. Meinen Einwand: Da stinkt man doch nach zwei Tagen, konterte Adler mit: "Nein, das ist ein Irrglaube. Wir Menschen haben von Natur aus einen dezenten, fast nicht wahrnehmbaren Geruch. Zumindest wenn die Bakterienbesiedlung stimmt."

Gesund Essen 19.30 Uhr

Also ging ich ins Reformhaus, kaufte naturtrüben Bio-Apfelessig. Hergestellt aus ganzen Äpfeln, wie auf der braunen Flasche stand. Mischte zu Hause Wasser und Essig zusammen und duschte mich damit. Seit fast drei Monaten mache ich das. Meine Haare wasche ich ebenfalls so, Duschgel und Shampoo habe ich nicht mehr.

Ausgerechnet als ich mit dem Experiment begann, war es in Hamburg richtig warm. Ich fürchtete also bald schlimm zu stinken. Aber es passierte nicht. Mit der Zeit konnte ich sogar auf Deo verzichten. Und sogar nach einer Runde Laufen roch ich nicht mehr als sonst auch. Einen Rückfall gab es allerdings. Plötzlich juckte wieder alles, vor allem im Gesicht. Ich konnte es mir gar nicht erklären. Dann schaute ich mir die Flasche des neu gekauften Apfelessigs genauer an. Klein gedruckt stand unten auf dem Etikett: Enthält Konservierungsstoffe. Weil ich mir den zusätzlichen Weg ins Reformhaus sparen wollte, hatte ich beim letzten Einkauf einfach im Supermarkt ins Regal gegriffen. Nun weiß ich, dass konventionell hergestellter Apfelessig Zusatzstoffe haben darf – und dass meine Haut die überhaupt nicht mag.

Auch feste Shampoos sind sehr hautfreundlich

Inzwischen geht es ihr auch wieder so gut, dass ich ab und zu mit festem Shampoo und Seife aus dem Reformhaus duschen kann. Denn die sind auch sehr mild und enthalten wenig Konservierungs- und Zusatzstoffe. Yael Adler war nun auch zu Gast in unserem Podcast "Sie läuft. Er rennt". Den Link zur Folge finden Sie am Anfang des Artikels. Sie erklärt noch einmal, wie gesunde Hautpflege auch für Läuferinnen und Läufer funktioniert.

Grenzkrise: Das Drama von Del Rio: Biden-Regierung schiebt tausende Migranten nach Haiti ab

Written By: Leonie Scheuble - Sep• 20•21

Die lange Reise endet für viele Menschen dort, wo sie begonnen hat: auf Haiti. Nachdem in wenigen Tagen tausende Migranten über die Grenze gekommen waren, hat die US-Regierung damit begonnen, sie wieder auszufliegen.

Vergangene Woche rief Bruno Lozano, der Bürgermeister der texanischen Grenzstadt Del Rio, die US-Regierung um Hilfe. An der Grenze hatte sich die Situation dramatisch zugespitzt. Mehr als 14.500 Migranten hatten in den letzten Tagen den Rio Grande überquert und unter einer Brücke ein provisorisches Lager errichtet. Die meisten von ihnen stammen aus Haiti, einem Land, das im Sommer von politischen Unruhen und Naturkatastrophen erschüttert wurde.

Nun hat die US-Regierung reagiert und Abschiebeflüge gestartet, die die Geflüchteten wieder zurück in ihre Heimat bringen sollen. In den kommenden 24 Stunden sollen bis zu 3000 Menschen verlegt werden, erklärte der Leiter der US-Grenzpatrouille, Raul Ortiz, am Sonntag. In den vergangenen Tagen seien bereits rund 3300 Migranten auf andere Orte in der Region umverteilt worden, um sie schneller abfertigen zu können. Auch der Grenzübergang in Del Rio ist mittlerweile geschlossen und wird von der Polizei kontrolliert. An die Menschen richtete Ortiz eine deutliche Botschaft: "Sie werden abgeschoben und in ihr Herkunftsland zurückgeschickt, wie es unser Gesetz vorsieht." 

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Endstation Brückenlager

Die meisten von ihnen werden also bald wieder an dem Ort sein, dem sie so verzweifelt zu entfliehen versuchten: Haiti. Der bitterarme Karibikstaat steckt in einer tiefen politischen und humanitären Krise. Im Juli hatte die Ermordung von Präsident Jovenel Moïse einen Machtkampf und Proteste ausgelöst. Mitte August wurde das Land von einem schweren Erdbeben erschüttert, bei dem mehr als 2000 Menschen ums Leben kamen. Laut einem aktuellen Bericht der Vereinten Nationen benötigen noch immer rund 650.000 Menschen humanitäre Nothilfe.

Viele Haitianer waren bereits nach dem verheerenden Erdbeben von 2010 geflohen, um in Südamerika einen Neuanfang zu wagen. Doch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie haben auch Länder wie Brasilien, Chile und Mexiko hart getroffen und viele Menschen erneut zur Flucht getrieben. Warum die Situation gerade jetzt eskaliert, ist nicht ganz klar. Es habe ein Gerücht gegeben, dass die Menschen in dem Gebiet der 36.000-Einwohner-Stadt Del Rio die Grenze überqueren könnten, sagte Nicole Phillips von der Organisation "Haitian Bridge Alliance" dem Sender CNN. Es sei unklar, woher dieses Gerücht gekommen sei, aber es habe die Menschen an die Grenze getrieben. 

So erging es auch Claire Bazille. Die 35-Jähre hatte Haiti 2015 verlassen und als Putzkraft in Santiago de Chile gearbeitet, wie sie der "New York Times" berichtet. Doch als sie hörte, dass es unter der Biden-Regierung möglich sei, in die Vereinigten Staaten einzureisen, ließ sie alles hinter sich und machte sich zusammen mit vielen anderen Haitianern auf den Weg nach Norden. Am Sonntag wurde sie in ein Flugzeug gesetzt und wieder dorthin zurückgebracht, wo für sie alles begonnen hatte.

USA schieben Migranten ab20h

Angst vor der nächsten Krise auf Haiti

Mit den ersten gelandeten Abschiebeflügen wächst die Angst vor einer weiteren Krise auf Haiti. Das Land sei nicht in der Lage, tausende obdachlose Rückkehrer aufzunehmen, geschweige denn, ihnen Sicherheit und Nahrung zu bieten, erklärte der Leiter von Haitis Migrationsbehörde, Jean Negot Bonheur Delva, der "NY Times". "Ich bitte um einen humanitären Abschiebestopp ", sagte Bonheur Delva. "Die Situation ist sehr schwierig."

Auf Bildern war zu sehen, wie zunächst Eltern mit Babys auf dem Arm und Kleinkindern an der Hand aus dem US-Flieger ausstiegen. Wütend und erschöpft protestierten viele der Rückkehrer rund um ein provisorisches Transfer-Zelt von der Internationalen Organisation für Migration (IOM). Mehrere erzählten, dass sie während des Fluges an Handgelenken, Knöcheln und Taille gefesselt worden seien, berichtete die haitianische Direktorin für Migration und Integration Amelie Dormévil.

Vom Weißen Haus hieß es, man werde mit der haitianischen und anderen Regierungen zusammenzuarbeiten, um den Rückkehrern Hilfe und Unterstützung zu bieten. Doch für Haitis Migrationsbehörde stellen sich angesichts der vielen Menschen konkrete unbeantwortete Fragen. "Werden wir die ganze Logistik bekommen?", sagte Bonheur Delva. "Werden wir genug haben, um diese Leute zu ernähren?" Haitis Regierung plant, allen Ankömmlingen umgerechnet 100 US-Dollar Startgeld auszuzahlen. Danach seien sie auf sich selbst gestellt, erklärte der Leiter der Migrationsbehörde. 

Für viele Rückkehrer wie Claire Bazille bleibt nur die Hoffnung, die lange Reise noch einmal anzutreten. Bei dem Erdbeben im August war das Haus ihrer Familie komplett zerstört worden. Ihre Mutter und ihre sechs Geschwister leben jetzt auf der Straße, wie sie der "NY Times" erzählt. Sie selbst sei nun allein mit einem Kleinkind, einem Rucksack mit allem Hab und Gut und ohne Aussicht auf Arbeit. "Ich weiß nicht, wie ich überleben soll", sagt Bazille.

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Kritik an Biden wegen Abschiebungen

Auch für US-Präsident Joe Biden wird die Situation an der Grenze heikel. Mehr als 54 demokratische Abgeordnete forderten die US-Regierung am Freitag auf, die Abschiebeflüge nach Haiti sofort zu stoppen. In einem Brief an das Heimatschutzministerium und das Gesundheitsministerium wiesen sie auf die anhaltende Instabilität des Karibikstaats hin: "Die Möglichkeit der haitianischen Regierung, ihre Bürger sicher aufzunehmen, wird Monate, wenn nicht Jahre dauern."

Viele Republikaner hingegen werfen Biden eine zu laxe Politik an der Grenze zu Mexiko vor. "Es ist unglaublich, dass unsere Nationalgarde vor dem leeren Kapitol steht und nicht an unserer Südgrenze, wo die Zahl der Illegalen, die in unser Land kommen, so hoch ist wie noch nie zuvor", schimpfte Ex-Präsident Donald Trump mit Blick auf eine Demonstration unter hohen Sicherheitsvorkehrungen seiner Anhänger in Washington.

Seit Beginn des Jahres versuchen immer mehr Menschen in die USA zu fliehen. Im Juli hatte die Grenzpolizei CBP nach eigenen Angaben rund 213.000 Menschen beim Versuch der illegalen Einreise aus Mexiko aufgegriffen - so viele wie seit gut 20 Jahren nicht mehr. Im August waren es laut CBP mehr als 208.000 Menschen gewesen. "Irreguläre Migration stellt eine erhebliche Bedrohung für die Gesundheit und das Wohlergehen der Grenzgemeinden und für das Leben der Migranten selbst dar", erklärte das US-Heimatschutzministerium. Die Grenzen seien nicht offen, Menschen sollten sich nicht auf die "gefährliche Reise" begeben.

Die Mehrheit der Migranten sollen unter der sogenannten Titel-42-Regelung abgeschoben werden. Die Richtlinie war unter Trump aufgrund der Corona-Pandemie eingeführt worden und sieht eine schnelle Abschiebung mit der Begründung der Gefahr einer Einschleppung von Covid-19 vor. Unter Biden wurde die Regelung verlängert. Menschenrechtsorganisationen werfen der Regierung jedoch vor, die Pandemie nur als Vorwand zu nutzen, um Menschen ohne ausreichende Prüfung und Gerichtsanhörung pauschal abzuschieben. "Diese Regierung hat große Töne gespuckt, als sie sagte, sie wolle ein humanes Asylsystem", sagte Lee Gelernt, ein Anwalt der Bürgerrechtsorganisation ACLU, der "NY Times". Die Regierung erkenne nicht an, dass die Menschen keine andere Wahl hätten als zu fliehen.


Quellen: "NY Times", CNN, mit DPA