„Aufgeben gilt nicht“: Reisen mit Multipler Sklerose: Marine zog es in die Ferne – und sie fand das Glück

Written By: Ilona Kriesl - Nov• 18•19

Mit 21 Jahren erkrankt Marine schwer. Sie hat MS. Nach dem ersten Schock beschließt die junge Frau zu reisen - nach Neuseeland, Myanmar und in die Mongolei. Eine Geschichte über die Kraft des Reisens, mentale Stärke und wiedergewonnenes Glück.

„Ok, Boomer!“: AOC rechnet mit Babyboomern ab – dass sie mit Bernie Sanders auftritt, ist dabei kein Widerspruch

Written By: Maximilian Arnhold - Nov• 12•19

Die US-Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez holt auf Instagram gegen die Generation der Babyboomer aus. Im US-Wahlkampf macht sie trotzdem gemeinsame Sache mit dem 78-Jährigen Bernie Sanders.

Erste öffentliche Aussagen: Ermittlungen gegen Donald Trump: Möge die Impeachment-Party beginnen

Written By: Niels Kruse - Nov• 12•19

Mittwoch, der 13. soll für die Demokraten ein Glückstag werden, wenigstens aber ein Anfang - der Anfang vom Ende der Präsidentschaft Donald Trumps. An diesem Mittwoch beginnen in Washington die öffentlichen Anhörungen zum Impeachment des US-Präsidenten. Zwar wurde in der Geschichte der Vereinigen Staaten noch nie ein Staatsoberhaupt des Amtes enthoben, aber zumindest einmal läuteten Aussagen vor laufenden Kameras das Aus eines US-Präsidenten ein, wenn auch indirekt: 1974, ein Jahr nach Beginn der Anhörungen, trat der damalige Amtsinhaber Richard Nixon zurück.

Vorwürfe gegen Donald Trump bestätigt

Nixon, der seinem Rauswurf mit einem Rücktritt zuvorkam, rangierte auf der Beliebtheitsskala auf ähnlich niedrigem Niveau wie aktuell Trump – die Ablehnung ist also groß, und so dürften die Weißes-Haus-Mitarbeiter bei den Befragungen kaum mit Freundlichkeit rechnen. Diejenigen US-Bürger, die das Amtsenthebungsverfahren gegen ihren Präsidenten begrüßen, rund 48 Prozent, können sich also schon auf einen Showdown freuen. Denn die bisher bekanntgewordenen Aussagen bestätigen im Wesentlichen die Vorwürfe gegen Trump: Dass er sein Amt missbraucht habe, damit sich die ukrainische Regierung zu Trumps Gunsten in den US-Wahlkampf einmischt.

(Lesen Sie hier, um was es bei dem Amtsenthebungsverfahren geht und wer welche Rolle spielt.)

Allein in den vergangenen Wochen haben die Demokraten Hunderte Seiten mit Protokollen von Zeugen produziert, die bislang hinter verschlossenen Türen ausgesagt haben. Es ist bereits eine stattliche Beweismittelsammlung als Vorbereitung für eine formelle Anklageerhebung gegen den Präsidenten. Unter den Mitarbeitern, die befragt wurden, sind unter anderem ein Außenamts-Vize-Staatssekretär, zwei US-Botschafter für die Ukraine sowie derjenige für die EU. Entlastet hat den US-Präsidenten bislang keiner von ihnen, wie aus den mittlerweile veröffentlichten Abschriften hervorgeht. In den kommenden Tagen kommen noch die Aussagen einiger Hochkaräter hinzu.

Auch die Trump-Leute werden angehört

Den Anfang machen am Mittwoch Botschafter William Taylor und George Kent. Beide wurden bereits angehört, sie werden ihre Worte wiederholen, damit sich auch die Bevölkerung ein eigenes Bild über ihre Glaubwürdigkeit machen kann. Taylor, Botschafter in Kiew, war bislang derjenige, der den US-Präsidenten am stärksten belastet hat. Ihm zufolge hielt Trump gezielt 400 Millionen Dollar Militärhilfe für die Ukraine zurück, um den Präsidenten des Landes, Wolodimir Selenski, dazu zu bringen, Ermittlungen gegen den politischen Rivalen Joe Biden anzustrengen. Ähnlich hatte sich auch George Kent aus dem US-Außenministerium geäußert.

Angekündigt sind auch Mick Mulveney, Trumps kommissarischer Stabschef, Rudy Giuliani, Trumps Anwalt, dem eine maßgebliche Rolle in der Ukraine-Affäre zugesprochen wird, sowie John Bolton, früherer Sicherheitsberater des US-Präsidenten. Von letzterem wird erwartet, dass er die bisherigen Darstellungen stützt, sie aber als legitim darstellen wird. Die Republikaner wiederum wollen Hunter Biden vorladen. Das ist der Sohn von Joe Biden, dem die regierenden Konservativen unterstellen, er habe sich mit Geschäften in der Ukraine etwas zu Schulden kommen lassen. Zudem wollen sie öffentlich den bislang anonymen Whistleblower vernehmen, der die ganze Sache erst ins Rollen gebracht hat.

Trump verlangt Verhaftung von Ermittlungsleiter

Und Donald Trump selbst? Wütet weiter auf Twitter vor sich hin. Von Beginn an bezeichnete er die Affäre, wie auch schon die Russland-Ermittlungen, als "Hexenjagd". Seinem Intimfeind, dem Demokraten und Leiter des Amtsenthebungsverfahrens, Adam Schiff, wirft er vor, manipulierte Transkripte der Befragungen zu veröffentlichen. Ende September wollte der Präsident Schiff, der Chef des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus ist, sogar wegen Landesverrats festnehmen lassen. Später nannte er ihn "korrupt" und forderte Ermittlungen wegen Betrugs gegen ihn sowie gegen den anonymen Whistleblower.

Eine Strategie gegen die Ermittlungen lassen bislang weder Donald Trump noch die Republikaner erkennen. Einige Beobachter glauben, darunter auch einige konservative Strategen, dass sich die Stimmung irgendwann gegen die Demokraten wenden könnte, weil die US-Bürger das Impeachment-Verfahren nicht als legitimen Rechtsakt betrachten, sondern als rein politisch motivierte Kampagne gegen den US-Präsidenten. Zu dieser Hoffnung trägt bei, dass eine erfolgreiche Amtsenthebung unwahrscheinlich ist. Denn dazu wird die Zustimmung beider Kongresskammern benötigt, die Opposition aber hat nur die Mehrheit im Repräsentantenhaus, nicht aber im Senat. Die Opposition braucht also noch einigen Stoff, um das Verfahren glaubwürdig weitertreiben zu können. 

Quellen: DPA, AFP, "Washington Post", "New York Times", Donald Trump auf Twitter, "Axios", Fivethirtyeight

AKKs neuer Kurs: Das öffentliche Gelöbnis der Bundeswehr war leider alles andere als öffentlich

Written By: Ruben Rehage - Nov• 12•19

Dienstag Vormittag, Berlin Mitte, der Platz vor dem Reichstag. Für einen Moment ist es ganz still, kein Verkehr, keine Passanten, eine Stille, durch die sich auf einmal das von Soldaten im Chor gebrüllte "Ich schwöre!" wälzt.

Ein Moment, der auf jemanden, dem das Militärische fremd ist, befremdlich wirkt. 

Das erste Mal seit 2013 fand an diesem Vormittag wieder mitten in Berlin ein öffentliches Gelöbnis statt. 400 Soldaten der Bundeswehr wurde der Schwur abgenommen, "das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen." 

Bundeswehr soll im Alltag der Deutschen sichtbar sein

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte in ihrer Antrittsrede im Juli angekündigt, die Bundeswehr wieder stärker im Alltag der Bevölkerung zu verankern. Freie Bahnfahrten für Soldaten in Uniform waren in der Sache ihre erste Amtshandlung, öffentliche Gelöbnisse sind nun ihre zweite. 

Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler hat das Verhältnis der Deutschen zu ihrer Armee einmal präzise als "freundliches Desinteresse" auf den Punkt gebracht. Die Deutschen haben kaum noch Berührungspunkte zu ihrer Truppe, man sieht nur selten Soldaten auf den Straßen, Kramp-Karrenbauer (AKK) will gar eine "Entwöhnung" der Bevölkerung von ihrer Armee beobachtet haben.

Dabei ist es nicht so, als wäre das Image der Bundeswehr schlecht. Im Gegenteil, die Zustimmungsraten zur Truppe sind auf einem historischen Hoch, da gab es ganz andere Zeiten, in der Mitte des letzten Jahrhunderts etwa. 

Und trotzdem: Ist man in der Truppe unterwegs, hört man immer wieder Klagen über mangelnde Akzeptanz. Viele Soldaten ziehen ihre Uniform außerhalb der Kaserne lieber nicht an, weil sie keine Lust haben, angepöbelt zu werden. 

Öffentliches Gelöbnis auch in anderen Städten

In der Truppe kommt Kramp-Karrenbauers Wiederbelebung der öffentlichen Gelöbnisse deswegen gut an, gleich in vier weiteren Städten fanden am Dienstag ebenfalls öffentliche Gelöbnisse statt, andere Veranstaltungen in den nächsten Tagen kommen dazu. Ironischerweise war das Gelöbnis in Berlin aber alles andere als öffentlich. 

Der Reichstag wurde weiträumig von schwer bewaffneten Polizisten und Feldjägern abgesperrt, Passanten wurden abgewiesen, mussten große Umwege laufen, die Straßen in der Umgebung waren teilweise völlig überlastet. Kein einziger Bürger hat von dem Gelöbnis also irgendetwas mitbekommen, es sei denn, er saß zufällig um 12 Uhr vor dem Fernseher. 

Das mag aus logistischen und vor allem sicherheitstechnischen Gründen nachvollziehbar sein. Jedoch kann man jetzt schon gespannt sein auf die parlamentarischen Anfragen, die die Frage nach den Kosten des Ganzen aufwerfen – und damit die Diskussion anfachen, ob Preis und Wirkung tatsächlich in einem angemessenen Verhältnis standen. 

Man kann jedenfalls bezweifeln, ob sich mit diesem Gelöbnis am "freundlichen Desinteresse" der Deutschen an ihrer Armee signifikant etwas geändert hat. 

Außerdem kommen in den nächsten Wochen und Monaten noch ganz andere, viel größere Fragen auf die Ministerin zu. Die Rufe nach einer Bundesrepublik werden lauter, die sich sicherheitspolitisch stärker engagiert, die an der Seite Frankreichs bei der europäischen Verteidigung voran geht, die ihre Rolle in der Nato stärker ausfüllt. Mit diesen Rufen tun sich die Deutschen nach wie vor schwer. 

Vor einigen Tagen hat der französische Präsident Emmanuel Macron die Nato "hirntot" genannt und damit unter Sicherheitspolitikern, Diplomaten und Militärs mittelschwere Herzrhythmusstörungen ausgelöst. 

Unklarheit über die Rolle Deutschlands in der Nato

Was er damit meinte: Die USA ziehen sich zunehmend aus ihren internationalen Engagements zurück, die Franzosen wollen das Vakuum füllen, schaffen das aber nicht alleine. Und die Deutschen? Tja, die Deutschen, die können sich nicht mal zwischen den einzelnen Ministerien abstimmen, ob die Bundeswehr sich in Nordsyrien engagieren will oder nicht (und unabhängig davon ist auch nicht klar, ob die Bundeswehr dazu überhaupt in der Lage wäre). 

Die Debatte nach unserem Platz in der Welt müssen wir führen, und zwar ganz grundsätzlich: Welche Rolle wollen wir global einnehmen? Welche Interessen haben wir, und wie wollen wir die durchsetzen? Welche Rolle soll die Bundeswehr dabei spielen, und was braucht sie dafür? Grundsätzliche Debatten sind zäh und sie brauchen Zeit. Man kann also davon ausgehen, dass diese Diskussion AKK als Verteidigungsministerin überdauern wird, weil sie vorher den Absprung ins Kanzleramt sucht. 

Was dann bleibt: Schöne Bilder von einem eher privaten als öffentlichen Gelöbnis vor dem Reichstag.

Risiko Passivrauch: Nikotin und plötzlicher Kindstod: Experten warnen auch vor E-Zigaretten

Written By: Ilona Kriesl - Nov• 11•19

Es ist ein Albtraum für Eltern und Angehörige: Ein Neugeborenes schläft abends ein - und wacht nie wieder auf. Stirbt ein Säugling plötzlich und unerwartet vor dem 365. Lebenstag, bezeichnen Mediziner das als plötzlichen Kindstod, kurz SIDS (Sudden Infant Death Syndrome). Das Phänomen ist sehr selten. In Deutschland waren im Jahr 2014 rund 120 Säuglinge betroffen. Obwohl die Todesursache in vielen Fällen nicht geklärt werden kann, gibt es Faktoren, die das Risiko für den plötzlichen Kindstod erhöhen. Mit einer der wichtigsten ist, ob die Mutter in der Schwangerschaft oder in der Stillzeit raucht. Doch wie genau nimmt Zigarettenqualm Einfluss auf das Sterberisiko?

Forscher der Universität Arizona sind dieser Frage nachgegangen. In einer Studie mit Ratten zeigten sie, dass dabei das Nikotin aus Zigaretten eine zentrale Rolle spielen könnte. In Versuchen mit den Nagetieren hemmte Nikotin die Funktion von Nervenzellen, die eine Rolle bei überlebenswichtigen Reflexen spielen. Die Studie veröffentlichten sie im Journal "eNeuro". 

Nikotin hemmt Nervenzellen

Die US-amerikanischen Wissenschaftler implantierten schwangeren Ratten kleine Pumpen unter die Haut, die Nikotin abgaben. Das Nervengift erreichte die Jungtiere zunächst über die Plazenta und nach der Geburt über die Muttermilch. Im Anschluss imitierten die Forscher eine Situation mit Atemnot, wie sie beispielsweise entstehen kann, wenn über dem Gesicht des Babys eine Bettdecke liegt. Zwölf der 135 Ratten starben bei den Versuchen - neun von ihnen waren zuvor mit Nikotin in Kontakt gekommen.

Wie die Forscher berichten, waren bei den nikotinbelasteten Jungtieren Nerven abgestumpft, die in einer solchen Situation die Mundbodenmuskulatur ansteuern. Die Muskeln dienen unter anderem dazu, die oberen Atemwege zu öffnen oder zu schließen. 

Die Ergebnisse der Studie seien "grundsätzlich plausibel", sagt Reinhold Kerbl, österreichischer Kinderarzt und Universitäts-Professor. "Ich habe in den letzten 40 Jahren unzählige Theorien über die Ursachen des plötzlichen Säuglingstodes kommen und gehen sehen. Nun wurde - aus Tierversuchen abgeleitet - ein weiterer Erklärungsversuch für dieses fatale Ereignis abgeleitet." Der Zusammenhang zwischen Nikotinbelastung - vorgeburtlich wie auch nachgeburtlich - und dem plötzlichen Kindstod sei "seit vielen Jahren bekannt". Es bestehe eine klare Dosis-Wirkungsbeziehung.

Nach Angabe des Experten wirkt sich die Belastung durch Passivrauch "mehrfach nachteilig" aus. Sie beeinträchtige unter anderem Transmittersubstanzen des Zentralen Nervensystems. "Als Folge sind derart vorbelastete Neugeborene schlechter in der Lage, sich aus kritischen Situationen durch entsprechende Schutzreflexe selbst zu befreien", so Kerbl weiter. Bedrohlich kann es etwa werden, wenn ein Polster oder ein großes Stofftier die Atemwege des Säuglings blockiert. Diese Situation sei auch in der vorliegenden Studie simuliert worden.

Auch rauchende Väter sind ein Risiko

Doch das Risiko wird nicht nur allein von der rauchenden Mutter beeinflusst. "Auch das Nikotin vom rauchenden Vater ist relevant", sagt Alexander Möller,  Leiter der Abteilung Pneumologie am Kinderspital in Zürich. Werdende Väter sollten während der Schwangerschaft und nach der Geburt versuchen, auf Zigaretten zu verzichten, da Mutter und Kind damit Passivrauch ausgesetzt werden.

Tote durch E-Zigaretten - mögliche Ursache_10.20Tierversuche sind umstritten, weil die Ergebnisse oft nicht eins zu eins auf den Menschen übertragbar sind. Doch das sei in diesem Fall anders, so Möller: "Die neurologischen Abläufe und die Atemsteuerung sind bei Ratten nicht wesentlich anders als bei Menschen. Deshalb ist das Tiermodell klar anwendbar und die Resultate übertragbar."

"Die Ergebnisse der tierexperimentellen Studien passen sehr gut zu epidemiologischen Daten, die einen Zusammenhang zwischen Rauchen in der Schwangerschaft und plötzlichen Kindstod belegen", sagt auch Christoph Bührer, Direktor der Klinik für Neatonologie an der Berliner Charité. Diese Art von Tierversuchen sei auch deshalb nötig, weil entsprechende Experimente mit Menschen nicht durchzuführen seien.

Warum nikotinhaltige E-Zigaretten keine Alternative sind

E-Zigaretten gelten oft als gesündere Alternative zu herkömmlichen Zigaretten. Doch sie seien für werdende Eltern kein Ersatz, betont Bührer. "Beim plötzlichen Kindstod geht die Gefahr direkt vom Nikotin aus. Hier hilft nur echte Nikotinkarenz - Aufhören ohne Ersatz."

Primäres Ziel müsse sein, Kinder vor Nikotin zu schützen, sagt der Schweizer Pneumologe Möller. "Es kommt nicht darauf an, wie das Nikotin konsumiert wird. Wenn die Mutter Nikotin zu sich nimmt - wie auch immer - gelangt dieses ungefiltert über die Plazenta zum Kind und nach der Geburt über die Muttermilch. Bei elektronischen Zigaretten und konventionellen Zigaretten zusätzlich über den Rauch und den Dampf, der auch an den Kleidern und der Haut haftet. Die Tabak-Industrie will den Menschen weismachen, dass elektronische Zigaretten harmlos und weitaus weniger schädlich als konventionelle Zigaretten sind. Dies mag für das Problem des Lungenkrebses und die chronische Raucherlunge stimmen, aber hier ist es eben das Nikotin. Dieses ist in elektronischen Zigaretten zum Teil noch viel höher konzentriert als bei normalen Zigaretten. Aus diesem Grund ist diese Studie als außerordentlich wichtig und wegweisend zu bewerten."

Quelle: Science Media Center / Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. 

Koalition mit AfD in Thüringen?: Das erbärmliche Schweigen der CDU-Frauen

Written By: Miriam Khan - Nov• 06•19

Der Beschluss war eindeutig – und die politischen Leitplanken unmissverständlich: Die CDU wird mit der AfD nicht zusammenarbeiten. Nicht auf Bundesebene und auch nicht in den Landesregierungen. Nirgends.

Doch das, was auf dem Parteitag im vergangenen Jahr in Hamburg festgezurrt wurde, scheint nun plötzlich gar nicht mehr so unverrückbar zu sein.

Kooperation mit der AfD? Dieser Vorschlag ist empörend

Nach dem für die CDU desaströsen Wahlergebnis in Thüringen laufen die Gespräche für eine mögliche neue Koalition dort auf Hochtouren. Ein Bündnis entlang der bisherigen Parteilinien scheint ausgeschlossen – reicht es doch weder für Rot-Rot-Grün noch - und erst recht nicht - für Schwarz-Grün oder Schwarz-Rot.

Der Thüringer CDU-Spitzenkandidat Mike Mohring steht zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Angela Merkel
Blumen für den Thüringer CDU-Spitzenkandidat Mike Mohring – eine klare Ansage in Sachen Koalition mit der AfD gab es von Annegret Kramp-Karrenbauer (l.) und Angela Merkel (r.) aber nicht
© Michael Kappeler

Was also tun? CDU-Spitzenkandidat Mike Mohring lehnte sich anfangs durchaus noch interessiert nach links. Doch eine Kooperation mit Wahlsieger Bodo Ramelow wurde ihm aus Berlin unmissverständlich untersagt. Wenig später verfassten 17 Thüringer CDU-Funktionäre einen offiziellen Appell, jetzt bitte doch das Gespräch mit der AfD zu suchen, um gegebenenfalls zu einer Schwarz-Blauen Minderheitsregierung oder Schwarz-Blau-Gelben Koalition zusammenzufinden. 

Der Vorschlag ist empörend. Nicht nur, weil er ernsthaft in Erwägung zieht, jemanden wie den dortigen AfD-Spitzenkandidaten Björn Höcke in Regierungsverantwortung zu bringen. Nur zur Erinnerung: Höcke ist der Mann, der einst sagte, die Holocaust-Gedenkstätte in Berlin sei ein "Denkmal der Schande". Höcke ist auch der Mann, der seit Kurzem sogar per Gerichtsbeschluss als "Faschist" bezeichnet werden darf. 

Der Vorschlag ist auch deshalb empörend, weil er suggeriert, dass eine Regierung unter Beteiligung einer völkisch-rechtsnationalen Partei in Deutschland tatsächlich wieder im Rahmen des Möglichen liegt. Nur zur Erinnerung: Eine Regierung unter völkisch-rechtsnationaler Führung in Deutschland gab es schon mal. Sie hat systematisch Menschen vergast, aufgehängt und erschossen.

All das wird eigentlich nur davon getoppt, dass es seitens der obersten CDU-Parteiführung keinerlei Reaktion dazu gibt.

Mit keinem Wort wiesen AKK oder Merkel die Thüringer Abweichler zurecht

Das muss man sich einmal vorstellen: Ein Haufen Hinterbänkler aus Thüringen kann einen derart provokanten Vorschlag machen, der die Grundsätze der Partei und die Pfeiler des politischen Anstands so hart untergräbt – und weder die Kanzlerin (aus derselben Partei!) noch die CDU-Chefin äußern sich dazu.

Mit keinem Wort wiesen Annegret Kramp-Karrenbauer oder Angela Merkel die Thüringer Abweichler zurecht. Stattdessen schickte man Generalsekretär Paul Ziemiak vor die Mikrofone und in die Twitter-Timeline. Immerhin: Ziemiak distanzierte sich und seine Partei im Interview mit dem "Spiegel" von jeglichen Überlegungen zur Kooperation mit der AfD. "Im Verhältnis zwischen Union und AfD [kann es] nur klare Kante und schärfste Abgrenzung" geben, so Ziemiak. Auf Twitter untermauerte er diese Aussage: "Die AfD sät Hass und versucht, unser Land zu spalten. Der Beschluss des Bundesparteitags bindet alle, insbesondere die in der Partei Verantwortung haben." 

Eine klare Aussage – die aber in solch einem Fall nicht vom Generalsekretär, sondern von der Chefin im Ring kommen muss. Doch weder AKK in ihrer Funktion als CDU-Vorsitzende noch Angela Merkel in ihrer Funktion als Ex-CDU-Vorsitzende und amtierende Kanzlerin ließen sich zu einem Statement herab. Warum?

Merkel will nicht mehr, AKK kann es anscheinend nicht

Merkel bezog in Sachen Innenpolitik zuletzt ohnehin kaum noch Stellung. Tatsächlich verblasst die Kanzlerin zunehmend – ein Stück weit ist sie vielleicht amtsmüde. Ein Stück weit ist es auch ihre Art, unangenehmen Debatten aus dem Weg zu gehen. Und sicher macht sie wohl auch den Weg frei für ihre Nachfolge.

Nur: Gerade die von ihr präferierte potenzielle Nachfolgerin schafft es bislang einfach nicht, auf die Spur einzubiegen. Macht Kramp-Karrenbauer so weiter, dürfte sie den von Martin Schulz aufgestellten Rekord des kometenhaften Abstiegs eines Hoffnungsträgers schnell gebrochen haben. CDU und AfD Reaktionen_15.50

Dabei wäre es in diesem Fall wohl eine todsichere Nummer: Im Gegensatz zur schwierigen Lage zum Beispiel in Nordsyrien, bei der sich AKK ziemlich vergaloppiert hat, liegt das korrekte Vorgehen hier auf der Hand. Es gibt einen Parteitagsbeschluss. Er gilt bundesweit. Auch in Thüringen. Das zu kommunizieren sollte für eine Parteichefin keine unlösbare Aufgabe sein.

Wenn die CDU nicht bald ihren letzten Rest Glaubwürdigkeit verlieren möchte, muss dieses erbärmliche Schweigen aufhören. Sonst lässt sich wirklich nicht mehr vermitteln, wofür diese Partei eigentlich steht. Und wer sie wählen soll.

US-Wähler: Diese Teenager werden 2020 das erste Mal wählen – und ihre Stimmen gehen an Donald Trump

Written By: Steven Montero - Nov• 02•19

Der Waffenbesitz und eine Null-Toleranz-Politik an der Grenze zu Mexiko schrecken sie nicht ab: Donald Trump begeistert diese jungen Menschen und könnte ihre Stimme nächstes Jahr bekommen. Einblicke in eine Veranstaltung im US-Bundesstaat Ohio.

Medizin: Lange Wartezeiten wegen fehlender Labore in den Arztpraxen: Dieses Hospital geht einen anderen Weg

Written By: Bernhard Albrecht - Okt• 27•19

In einem unscheinbaren Flachdachbau liegt eine der wichtigsten Abteilungen des Münsteraner St. Franziskus-Hospitals: das Kompetenzzentrum für Mikrobiologie und Hygiene. Chef Wolfgang Treder und sein Team nehmen täglich den Kampf gegen Bakterien, Viren und Pilze auf.

"Bei Bakterien und Viren geht es immer um Zeit"

Pro Tag kommen im Labor rund 1000 Proben von Patienten an – etwa Blut, Urin und Abstriche. In der Abteilung arbeiten fünf Ärzte, 15 medizinisch-technische Assistentinnen und vier Hygienefachkräfte. Solch ein Labor im Haus, spezialisierte Mediziner, die mit auf Visite gehen – das ist in der Krankenhauslandschaft etwas Besonderes.

Sehr viele Klinikkonzerne setzen aus Kostengründen auf externe Labore als Dienstleister. "Das bedeutet allerdings: weitere Wege und Zeitverlust. Aber bei Bakterien und Viren geht es immer um Zeit. Sonst kann es sein, dass die Infektion den Patienten überrollt", sagt Treder. Patienten-Petition Initiator 10.45

"Geschwindigkeit kann Leben retten." Dass sich die Einrichtung so eine Abteilung für die über 4000 Betten leistet, ist für Treder "ein klares Bekenntnis". Der Mensch gehe vor. "Unser Labor ist in einer guten Situation", sagt er, "wir müssen nicht ­Gewinne um jeden Preis machen. Unser christlicher Träger meint: plus/minus null reicht. Das Ziel ist zuallererst das Wohl des Patienten und nicht die maximale Rendite." Dienst am Patienten statt ­Kostendruck, Effizienzsteigerung und Verschlankung. Die Ausstattung, Schnelligkeit und Teamarbeit machen die Abteilung zum Vorzeigeprojekt. Sie wurde 2018 mit dem Preis des Aktionsbündnisses für Patientensicherheit ausgezeichnet.

Medizin: Gesundheit fängt mit guter Ernährung an – diese Klinik für Naturheilkunde hat das erkannt

Written By: Bernhard Albrecht - Okt• 27•19

Eine Warmhaltehaube, darunter eine Scheibe Leberkäse, Kartoffelpüree aus der Packung, zerkochtes Gemüse – ­ so kennt man Mittagessen im Krankenhaus. Muss das so sein? "Nein, muss es nicht", sagt Professor Gustav Dobos, ­Direktor der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin, die zu den ­Kliniken Essen-Mitte gehört. Die Mahlzeiten, die die Patienten dort bekommen, sind reich an Vitaminen und Nährstoffen und kommen ohne chemische Zusätze aus. Vor allem: Sie schmecken. 

Das Essen in Essen dient nicht einfach der Sättigung, sondern ist Teil des Therapiekonzepts. "Wir ermutigen unsere Patienten dazu, im Sinne ihrer Gesundheit den eigenen Lebensstil zu verändern. Da wäre es unglaubwürdig, ihnen hier irgendwelchen Fraß vorzusetzen", sagt Dobos. "Krankenhauskost ist in Deutschland oft so schlecht, dass man sie ungesehen wegwerfen könnte. Das Vollwertessen unserer Küche ist so wohlschmeckend, dass sich die ­Mitarbeiter auf das Essen freuen."

Naturheilkunde mit "mediterraner Vollwertküche"

Zu seinem Team gehören die Ordnungstherapeutin Anna Paul und die Ernährungswissenschaftlerin Sigrid Bosmann. Zusammen haben sie das Ernährungskonzept der "mediterranen Vollwertküche" entwickelt: wenig Fleisch, viel Obst und regionales Biogemüse, gesunde Fette.

Um das Konzept etablieren zu können, brauchte es Unterstützung. Zuallererst: einen Geschäftsführer, der verstand, dass gutes Essen der Gesundheit dient. Die Vollwertkost ist etwa 35 Prozent teurer als normale Krankenhausverpflegung. Für diese rechnen deutsche Kliniken ganz grob mit etwa acht Euro pro Patient und Tag. In den Kliniken ­Essen-Mitte sind es elf.Patienten-Petition Initiator 10.45

Dazu kam Küchenkoordinator Peter Beer, der in seiner zentralen Küche 1450 Mittagessen pro Tag herstellt – ein Viertel davon Vollwertmahlzeiten – und vier Kliniken beliefert. Er lässt nach der Methode "cook and chill" arbeiten: Mahlzeiten zu 80 Prozent vorgaren, dann auf drei Grad abkühlen, ausliefern und wieder erwärmen. So bleibt das ­Gemüse knackig, und Geschmack und Nährstoffe werden erhalten. Die ­Essener Klinik schult die Patienten auch ganz praktisch durch Kochkurse – ­damit sie auch nach der Entlassung gut und gesund essen.

Medizin: Patienten fordern ehrliche Aussagen und echtes Mitgefühl – dieses Krankenhaus hat das verstanden

Written By: Bernhard Albrecht - Okt• 26•19

Wenn Adelheid Weinzierl von ihren Terminen bei Nadia Harbeck, der Leiterin des Münchner Brustzentrums, erzählt, merkt man, wie angetan sie ist. Schon das allererste Gespräch war besonders: einfache Worte, klare und ehrliche Aussagen, echtes Mitgefühl. Zum ersten Mal fühlte die Patientin sich auf Augenhöhe, ernst genommen in ihrer Furcht. Nach OP und Chemo wird der Krebs nun seit zwei Jahren durch eine Antikörpertherapie in Schach gehalten.

Es sind Geschichten wie diese, die Nadia Harbeck glücklich machen. "Dank der Fortschritte in der Tumortherapie können wir heute so viel erreichen. 80 Prozent der Patientinnen sterben nicht mehr an ihrem Brustkrebs", sagt sie.

Am Münchner Brustzentrum werden besonders viele neue Therapien erprobt. Nadia Harbeck zählt zu den deutschlandweit führenden Brustkrebsforscherinnen – daneben hat sie vier Kinder großgezogen. Wie man das unter einen Hut bekommt? Zum Beispiel durch Aufgabenteilung. Seit zehn Jahren nimmt sie kein Skalpell mehr in die Hand. Friederike Hagemann und eine weitere Kollegin haben die chirurgische Leitung übernommen.

Entscheidend sind menschliche Faktoren, wie etwa Mitgefühl

Neben Forschung und Therapien auf höchstem Niveau legt das Team großen Wert auf den menschlichen Faktor. Bleibt genug Zeit für Gespräche angesichts einer potenziell lebensbe­drohlichen Krankheit?

Harbeck und ihre Stellvertreterin Rachel Würstlein denken viel darüber nach. "Unsere Patientinnen haben unsere E-Mail-Adressen und nach Möglichkeit feste Ansprechpartner während der ganzen Therapie, die den Überblick behalten", sagt Würstlein. Man versuche, alle Fragen binnen 24 Stunden zu beantworten.

Die Ärztinnen repräsentieren den Idealtypus engagierter Mediziner: auf dem neuesten Stand der Forschung, stets ansprechbar, auf Augenhöhe und die Nöte der Menschen im Blick behaltend.