Brief auf Twitter veröffentlicht: „Wir danken Ihnen herzlich für Ihren Einsatz“: Klinikum verschenkt Mundschutz an Personal

Written By: Antonia Fischer - Jul• 09•20

Das Klinikum Stuttgart muss Kritik wegen eines auf Twitter veröffentlichten Briefs einstecken. Das Krankenhaus verschenkt Mund-Nasen-Schutze an das Personal als Dank für den Einsatz in der Corona-Pandemie.

Blanker Hohn oder nette Geste? Darüber diskutieren Twitter-User unter einem Brief des Klinikum Stuttgarts, der auf der Social-Media-Plattform gepostet wurde. "Wir danken Ihnen herzlich für Ihren Einsatz zur Bewältigung der Corona-Pandemie. Als Geste des Dankes erhalten Sie von uns Mund-Nasen-Masken aus Baumwolle, die Sie gerne im Alltag verwenden können", heißt es in dem Brief an das eigene Krankenhauspersonal. Er ist auf den 26. Juni 2020 datiert, erst Anfang Juli wurde er auf Twitter veröffentlicht und seitdem hunderte Male kommentiert und geteilt. Der Veröffentlicher des Briefs schreibt dazu: "Wer geht mit auf den Balkon zum Klatschen?" – eine Anspielung auf den abendlichen Applaus für die Helfer der Coronakrise. Die gesellschaftliche Geste wurde auch kritisiert: Was bringt Applaus, wenn der Staat das Gesundheitssystem unterfinanziert?

Auch in den Twitter-Kommentaren lässt sich deutlich herauslesen, wie die Dankesgeste des Stuttgarter Krankenhauses ankommt. "Unverschämtheit", "peinlich", "zynisch" wird sie genannt. Unermüdlichen Einsatz mit einem Mund-Nasen-Schutz "vergüten"? Zumal die Maskenpflicht schon seit April gilt und somit jeder über Alltagsmasken verfügt. Wie hat das Klinikum die Geste gemeint und gibt es weitere Gratifikationen für das Krankenhauspersonal? Der stern hat beim Klinikum Stuttgart nachgefragt. 

 

PAID STERN 2020_25 Hier liegen Sie richtig_12Uhr

"Die Masken waren nicht als Gratifikation, sondern als Dank gedacht"

Ein Pressesprecher bestätigte die Echtheit des Briefes. Er sagt in einer Stellungnahme, dass die Mund-Nasen-Masken nicht als Gratifikation, sondern als Ausdruck des Dankes gedacht seien. Sie sollten keine Alternative zu etwa monetären Prämien darstellen. Letzte Woche habe der Verwaltungsrat des Klinikums Stuttgart eine Covid-19-Prämie etwa für die Hälfte aller Mitarbeitenden des Klinikums Stuttgart beschlossen. "Voraussichtlich mit dem Juli-Gehalt erhalten über 3500 Kolleginnen und Kollegen bis zu 400 Euro", sagt er. Dabei erhalten Beschäftigte bis zu einer bestimmten Gehaltsgruppe die einmalige Zahlung von 400 Euro, Azubis 200 Euro. Den Bonus erhält das Personal der Pfleger und Funktionsdienste, medizinisch-technische Assistenten sowie Mitarbeiter in Technik, Reinigung, Lager und Logistik. Ausgenommen sind Ärzte und die Verwaltung. Die "Stuttgarter Zeitung" berichtet, dass die Gesamtsumme der Bonuszahlungen auf 1,2 Millionen Euro geschätzt wird. 

Einen Tag Sonderurlaub als Geschenk der Stadt

In Stuttgart wird die Bonuszahlung nicht überall positiv aufgefasst. Denn das Personal anderer Krankenhäuser erhält die Extrazahlung nicht. Kliniken mit gemeinnützigen Trägern können die finanzielle Unterstützung zur Zeit nicht leisten. In Anbetracht dessen wirkt auch das Geschenk der Stadt Stuttgart an ihre Mitarbeiter wie ein Tropfen auf den heißen Stein: Es wird einen Tag Sonderurlaub geben, der bis Ende 2021 genommen werden darf. 

Quelle: "Stuttgarter Zeitung", Twitter

Urteil des Obersten Gerichtshofs: Muss Donald Trump seine Finanzen offenlegen? Und falls ja: Was kommt dabei heraus?

Written By: Niels Kruse - Jul• 09•20

Aus seinen Finanzen macht Donald Trump immer ein Geheimnis. Nun entscheidet der Oberste Gerichtshof, ob er seine Steuerunterlagen herausgegen muss. Die könnten die große Frage beantworten, wie reich der der US-Präsident wirklich ist.

Die Frage, wie reich Donald Trump tatsächlich ist, kann kaum jemand zufriedenstellend beantworten. Es gab Zeiten, Mitte der 90er, da betrug sein zu versteuerndes Einkommen keine 10.000 Dollar im Monat. 15 Jahre später, während des letzten US-Wahlkampfs, will er zehn Milliarden Dollar besessen haben. Das war jedenfalls eine Summe, mit er selbst hausieren ging. Seine Steuererklärung hätte Anhaltspunkte liefern können, doch anders als die anderen Präsidentschaftskandidaten hat sich Trump geweigert, seine Finanzen offenzulegen. Bis heute. Nun entscheidet der Oberste Gerichtshof darüber, ob das rechtens ist und/oder war.

Mehrere Trump-Verfahren am Obersten Gerichtshof 

PAID Mary Trump-Buch - Innenansichten einer toxischen Familie 1745Dem Supreme Court liegen dabei mehrere Verfahren vor: So fordert der New Yorker Bezirksstaatsanwalt Cyrus Vance unter anderem Einsicht in die Steuererklärungen des Präsidenten ab dem Jahr 2011. Grund für die Neugier sind Ermittlungen um die angebliche Schweigegeldzahlung von Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen an die Pornodarstellerin Stormy Daniels. Der US-Präsident hatte indirekt eingeräumt, ihr 130.000 Dollar gezahlt zu haben, die juristisch brisante Frage dahinter aber lautet: Hätte das Geld als Wahlkampfausgabe deklariert werden müssen? Sollte die Antwort Ja lauten, wäre es ein Verstoß gegen die entsprechenden Vorschriften.

Neben der Frage, ob Staatsanwalt Vance Zugriff auf die Steuererklärungen bekommt, müssen die obersten Richter auch die Frage klären, ob das gleiche Recht für die Kongressausschüsse gilt. Einige Abgeordnete wollen Einsicht Trump-Papiere der Deutschen Bank, der Bank Capital One und der Buchhaltungsfirma Mazars. Vor allem mit den Frankfurtern verbindet den US-Präsident eine langjährige Geschäftsbeziehung. Unter anderem soll das Geldhaus ihm zwei Milliarden US-Dollar über einen Zeitraum von zwanzig Jahren geliehen haben. Der US-Kongress will die Finanzunterlagen nach möglichen Interessenskonflikten durchsuchen. Konkret geht es darum, ob mögliche Verbindungen nach Russland Trump erpressbar machen können.

Donald Trump hat gegen Herausgabe geklagt

Der Präsident selbst hatte im vergangenen Dezember gegen die Herausgabe dieser Bankpapiere an die Kongressausschüsse geklagt. Den bisherigen Gerichtsbeschlüssen zufolge, muss Trump seine Finanzen offenlegen, doch alle Urteile hat der frühere Immobilien-Mogul angefochten. Seine Anwälte argumentierten, als Präsident genieße Trump umfassende Immunität - und schalteten den Supreme Court ein.

PAID Trump Kommentar - 10.25Am Obersten Gericht haben konservativ eingestellte Richter die Mehrheit, zwei von ihnen wurden durch den aktuellen Amtsinhaber in das Amt berufen. Ob sie auch in seinem Sinne entscheiden, ist allerdings offen. In den letzten Wochen gab es immer wieder Urteile, die nicht in Donald Trumps Interesse lagen. Doch auch wenn die Juristen der geforderten Offenlegung seiner Finanzen zustimmen sollten, ist fraglich, ob die Öffentlichkeit erfahren wird, wie wohlhabend der mächtigste Mann der Welt tatsächlich ist.

Laut der für diese Fälle einschlägigen "Forbes"-Liste rangiert der US-Präsident mit einem Vermögen von 2,1 Milliarden US-Dollar auf Platz 1001 aller Milliardäre weltweit. Zu seinem Besitz zählt "Forbes" unter anderem ein halbes Dutzend Gebäude in Midtown, New York City, eine Reihe von Golfplätzen auf der ganzen Welt. Auch wenn die Summe immer noch sehr viel Geld ist, war die Präsidentschaft nicht gut fürs Geschäft. Im Wahljahr 2016 besaß er mit 4,5 Milliarden noch doppelt so viel Vermögen.

Donald Trump Clan Reisen Kosten_10.30Auch wenn der Milliardär selbst geizig mit Auskünften über seine Verhältnisse ist, veröffentlicht die US-Ethikbehörde regelmäßig die Einnahmen von Regierungsmitgliedern. So hatte er 2018 434 Millionen US-Dollar verdient, das waren 16 Millionen Dollar weniger als im Jahr zuvor. Auf sein knapp 400.000 US-Dollar Präsidentsalär soll er dabei aber verzichten. Regelmäßig aber gibt es Kritik an seinen Golfwochenenden, die aufgrund vom aufwändigen Transport und den Sicherheitsmaßnahmen exorbitante Kosten verursachen, für die der Steuerzahler aufkommen muss.

Trump, der Unternehmer und Pleitier 

In der Vergangenheit waren zudem immer Zweifel an den Vermögensangaben Trumps aufgekommen. Er selbst verkauft sich zwar als Selfmademan, hatte aber von seinem Vater bis zu 300 Millionen Dollar geerbt. Seine Baufirmen wurden unzählige Male verklagt, weil sie sich weigerten, die Rechnungen der Zulieferer zu begleichen. In den 90er Jahren gingen zahllose Unternehmen, die Trump gegründet oder gekauft hatte, Pleite, darunter eine Fluggesellschaft und die Spielcasino in Atlantic City. Schlagzeilen machte auch seine "Trump University", die wegen Betrugs Schadenersatz an ihre Kunden zahlen musste oder der vermutete Missbrauch von Spenden, die an die gemeinnützige "Donald J. Trump Foundation" gegangen waren.

Donald Trump selbst hat in der Vergangenheit immer wieder deutlich gemacht, dass wer seine Nase in seine Finanzen stecke, "eine rote Linie überschreitet". 

Quellen: Forbes, DPA, AFP, Handelsblatt

Urteil des Obersten Gerichtshofs: Muss Donald Trump seine Finanzen offenlegen? Und falls ja: Was kommt dabei heraus?

Written By: Niels Kruse - Jul• 09•20

Aus seinen Finanzen macht Donald Trump immer ein Geheimnis. Nun entscheidet der Oberste Gerichtshof, ob er seine Steuerunterlagen herausgegen muss. Die könnten die große Frage beantworten, wie reich der der US-Präsident wirklich ist.

Die Frage, wie reich Donald Trump tatsächlich ist, kann kaum jemand zufriedenstellend beantworten. Es gab Zeiten, Mitte der 90er, da betrug sein zu versteuerndes Einkommen keine 10.000 Dollar im Monat. 15 Jahre später, während des letzten US-Wahlkampfs, will er zehn Milliarden Dollar besessen haben. Das war jedenfalls eine Summe, mit er selbst hausieren ging. Seine Steuererklärung hätte Anhaltspunkte liefern können, doch anders als die anderen Präsidentschaftskandidaten hat sich Trump geweigert, seine Finanzen offenzulegen. Bis heute. Nun entscheidet der Oberste Gerichtshof darüber, ob das rechtens ist und/oder war.

Mehrere Trump-Verfahren am Obersten Gerichtshof 

PAID Mary Trump-Buch - Innenansichten einer toxischen Familie 1745Dem Supreme Court liegen dabei mehrere Verfahren vor: So fordert der New Yorker Bezirksstaatsanwalt Cyrus Vance unter anderem Einsicht in die Steuererklärungen des Präsidenten ab dem Jahr 2011. Grund für die Neugier sind Ermittlungen um die angebliche Schweigegeldzahlung von Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen an die Pornodarstellerin Stormy Daniels. Der US-Präsident hatte indirekt eingeräumt, ihr 130.000 Dollar gezahlt zu haben, die juristisch brisante Frage dahinter aber lautet: Hätte das Geld als Wahlkampfausgabe deklariert werden müssen? Sollte die Antwort Ja lauten, wäre es ein Verstoß gegen die entsprechenden Vorschriften.

Neben der Frage, ob Staatsanwalt Vance Zugriff auf die Steuererklärungen bekommt, müssen die obersten Richter auch die Frage klären, ob das gleiche Recht für die Kongressausschüsse gilt. Einige Abgeordnete wollen Einsicht Trump-Papiere der Deutschen Bank, der Bank Capital One und der Buchhaltungsfirma Mazars. Vor allem mit den Frankfurtern verbindet den US-Präsident eine langjährige Geschäftsbeziehung. Unter anderem soll das Geldhaus ihm zwei Milliarden US-Dollar über einen Zeitraum von zwanzig Jahren geliehen haben. Der US-Kongress will die Finanzunterlagen nach möglichen Interessenskonflikten durchsuchen. Konkret geht es darum, ob mögliche Verbindungen nach Russland Trump erpressbar machen können.

Donald Trump hat gegen Herausgabe geklagt

Der Präsident selbst hatte im vergangenen Dezember gegen die Herausgabe dieser Bankpapiere an die Kongressausschüsse geklagt. Den bisherigen Gerichtsbeschlüssen zufolge, muss Trump seine Finanzen offenlegen, doch alle Urteile hat der frühere Immobilien-Mogul angefochten. Seine Anwälte argumentierten, als Präsident genieße Trump umfassende Immunität - und schalteten den Supreme Court ein.

PAID Trump Kommentar - 10.25Am Obersten Gericht haben konservativ eingestellte Richter die Mehrheit, zwei von ihnen wurden durch den aktuellen Amtsinhaber in das Amt berufen. Ob sie auch in seinem Sinne entscheiden, ist allerdings offen. In den letzten Wochen gab es immer wieder Urteile, die nicht in Donald Trumps Interesse lagen. Doch auch wenn die Juristen der geforderten Offenlegung seiner Finanzen zustimmen sollten, ist fraglich, ob die Öffentlichkeit erfahren wird, wie wohlhabend der mächtigste Mann der Welt tatsächlich ist.

Laut der für diese Fälle einschlägigen "Forbes"-Liste rangiert der US-Präsident mit einem Vermögen von 2,1 Milliarden US-Dollar auf Platz 1001 aller Milliardäre weltweit. Zu seinem Besitz zählt "Forbes" unter anderem ein halbes Dutzend Gebäude in Midtown, New York City, eine Reihe von Golfplätzen auf der ganzen Welt. Auch wenn die Summe immer noch sehr viel Geld ist, war die Präsidentschaft nicht gut fürs Geschäft. Im Wahljahr 2016 besaß er mit 4,5 Milliarden noch doppelt so viel Vermögen.

Donald Trump Clan Reisen Kosten_10.30Auch wenn der Milliardär selbst geizig mit Auskünften über seine Verhältnisse ist, veröffentlicht die US-Ethikbehörde regelmäßig die Einnahmen von Regierungsmitgliedern. So hatte er 2018 434 Millionen US-Dollar verdient, das waren 16 Millionen Dollar weniger als im Jahr zuvor. Auf sein knapp 400.000 US-Dollar Präsidentsalär soll er dabei aber verzichten. Regelmäßig aber gibt es Kritik an seinen Golfwochenenden, die aufgrund vom aufwändigen Transport und den Sicherheitsmaßnahmen exorbitante Kosten verursachen, für die der Steuerzahler aufkommen muss.

Trump, der Unternehmer und Pleitier 

In der Vergangenheit waren zudem immer Zweifel an den Vermögensangaben Trumps aufgekommen. Er selbst verkauft sich zwar als Selfmademan, hatte aber von seinem Vater bis zu 300 Millionen Dollar geerbt. Seine Baufirmen wurden unzählige Male verklagt, weil sie sich weigerten, die Rechnungen der Zulieferer zu begleichen. In den 90er Jahren gingen zahllose Unternehmen, die Trump gegründet oder gekauft hatte, Pleite, darunter eine Fluggesellschaft und die Spielcasino in Atlantic City. Schlagzeilen machte auch seine "Trump University", die wegen Betrugs Schadenersatz an ihre Kunden zahlen musste oder der vermutete Missbrauch von Spenden, die an die gemeinnützige "Donald J. Trump Foundation" gegangen waren.

Donald Trump selbst hat in der Vergangenheit immer wieder deutlich gemacht, dass wer seine Nase in seine Finanzen stecke, "eine rote Linie überschreitet". 

Quellen: Forbes, DPA, AFP, Handelsblatt

Covid-19: Lockdown-Notbremse, R-Wert, Infizierte: Die wichtigsten Daten zum Coronavirus auf einen Blick

Written By: Patrick Rösing - Jul• 09•20

In welchen Kreisen wird die Obergrenze gerissen? Wie hoch ist der R-Wert? Wie viele Infizierte gibt es? An dieser Stelle erhalten Sie einen Überblick über die wichtigsten Daten zum Thema Covid-19.

Notbremse: Welche Kreise und Städte halten die Obergrenze (nicht) ein?

Da die Angst vor einer zweiten Infektionswelle groß ist, haben die Kanzlerin und die Länder-Chefs parallel zur Lockerung der Schutzmaßnahmen eine Notbremse installiert. Die Idee: Steigt die Zahl der Neuinfektionen in einem Kreis innerhalb von sieben Tagen pro 100.000 Einwohner um 50 oder mehr an, werden wieder strengere Schutzmaßnahmen in Kraft gesetzt. Durch diesen Notfallmechanismus sollen neue Infektionsherde vor Ort möglichst schnell wieder gelöscht werden – ohne gleich die ganze Bundesrepublik wieder herunterzufahren. Welche Maßnahmen im Notfall ergriffen werden, bleibt den Handelnden vor Ort überlassen. Einzelne Länder legten in der Folge eigene Messlatten an. Mehr Infos finden Sie hier.

Hinweis für Mobilnutzer: Werden die Grafiken an dieser Stelle nicht oder nicht korrekt angezeigt, klicken Sie bitte hier.

Reproduktionszahl R - wie viele Menschen steckt ein Infizierter an?

Die Reproduktionszahl R, auch oft als R-Wert bezeuchnet, ist eine der zentralen Kennzahlen zur Beurteilung des Verlaufs einer Infektionswelle. R gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter in einem bestimmten Zeitraum im Durchschnitt ansteckt. Je niedriger R ist, desto besser:

Liegt R unter 1, steckt ein Infizierter im Schnitt weniger als einen anderen Menschen an - und die Epidemie läuft aus.

Liegt R bei 1, verläuft die Zahl der Neuinfektionen konstant und linear. Die Kurve steigt also nicht (mehr) exponentiell.

Liegt R über 1, steckt ein Infizierter im Mittel mehr als einen anderen Menschen an - die Zahl der täglichen Neuinfektionen wird größer.

Hinweis: Der R-Wert ist ein Schätzwert. Er basiert laut dem Robert Koch-Institut (RKI) auf der angenommenen Anzahl von COVID-19 Neuerkrankungen. Der R-Wert wird dargestellt mit einem gleitenden Vier-Tages-Mittelwert. Dabei wird jeder Wert mit den Werten der drei vorhergehenden Tage gemittelt. Die Schätzwerte zur Anzahl von Neuerkrankungen und der R-Schätzung zu früheren Tagen können von den Angaben in früheren Lageberichten abweichen, weil täglich der Gesamtverlauf aufgrund der aktuell verfügbaren Daten neu geschätzt wird. Zusätzlich gibt das RKI einen Mittelwert für sieben Tage heraus. Die Daten werden täglich aktualisiert und können hier abgerufen werden

Infizierte, Genesene und Verstorbene in Deutschland

Detaillierte Informationen zum Infektionsgeschehen in deutschen Kreisen und Städten finden Sie hier. 

So breitet sich Sars-CoV-2 weltweit aus

Die Weltkarte bietet einen Überblick über die globale Infektionslage. Mit Klick auf "zurück" und "weiter" können Sie zwischen den gesamten Infektionen und täglichen Neuinfektionen hin und her wechseln.

Der Klick auf den "Play"-Button zeichnet die weltweite Ausbreitung im Zeitraffer nach. 


Quellen: Die Daten in den Grafiken stammen vom Robert Koch-Institut (RKI) oder der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität (JHU). Beides renommierte Stellen, die jedoch unterschiedliche Methoden zur Erfassung und Kommunikation der Daten nutzen. Das RKI veröffentlicht in der Regel einmal am Tag neue Daten, die auf behördlichen Angaben basieren. Die JHU hingegen nutzt auch nicht-amtliche Quellen und veröffentlicht die erfassten Daten quasi in Echtzeit. In der Folge sind die RKI-Zahlen in der Regel etwas niedriger als die der JHU.

US-Wahl 2020: Der kurze Blick in die Wähler-Seele: ein paar fast endgültige Wahrheiten über Wahlumfragen

Written By: Niels Kruse - Jul• 07•20

Seit dem Jahr 2016 ist der Ruf von Umfragen ramponiert. Weder die Wahl von Donald Trump noch den Brexit sollen sie vorhergesehen haben. Das allerdings stimmt nicht. Die Erwartung an die Demoskopie ist leider die falsche. 

Erklärt Donald Trump nach den Medien nun auch Umfragen für "fake"? Ein aktueller Twitter-Eintrag erweckt diesen Eindruck. Am Sonntag wetterte er verschwörerisch von "wahren Umfragen", die Fox News "unterdrücken" würde. Die Zahlen des US-Senders, auf die er sich bezog, waren nicht einmal neu, sondern einfach nur unvorteilhaft, wie die ganzen vergangenen Monate zuvor auch schon. Nichts Neues eigentlich, aber der Wahlkampf läuft derzeit nicht besonders gut für ihn – bei nur noch 16 Wochen bis zur Abstimmung.

Sind die Umfragen vielleicht doch nicht so gut?

PAID Wiederwahl in Gefahr: Trumps größtes Problem sind die Senioren - 17.50Genau genommen fällt der US-Präsident in den meisten Umfragen durch, seitdem er 2015 mit dem Wahlkampf begonnen hat. Dennoch sitzt er im Weißen Haus. Hat er vielleicht doch recht und die Demoskopen nicht? Oder ist ihre Datenware tatsächlich mangelhaft, wie seit dem Brexit und der US-Wahl 2016 oft behauptet wird?

Die Antwort lautet: nein. Der Teufel steckt meist im Detail beziehungsweise in der Interpretation der Zahlen. Deshalb hier: ein paar Wahrheiten hinter den Umfragen zu US-Wahlen:

Umfragen sind Momentaufnahmen und keine Wahlprognosen.

Zwar hatte kein US-Präsident seit dem Zweiten Weltkrieg dauerhaft so schlechte Zustimmungsraten wie Donald Trump, dennoch wurden diese zeitweise von einigen seiner Vorgänger sogar noch unterboten: darunter Ronald Reagan und Barack Obama, die beide trotzdem wiedergewählt wurden.

Bei der letzten Wahl hatte die Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, zu diesem Zeitpunkt (also vier Monate vor der Wahl) ihren Umfragevorsprung gegenüber Donald Trump gerade deutlich eingebüßt. Im September dagegen war sie ihm wieder enteilt und am entscheidenden Tag lag sie im Demoskopenschnitt nur noch drei bis vier Prozentpunkte vor Trump. Das entspricht ungefähr den drei Millionen Stimmen, die sie mehr bekommen hat als der New Yorker TV-Star. Zum Sieg reichte es dennoch nicht.

Das Problem mit der US-Wahl

Problem 1: Nicht jeder Präsidentschaftskandidat mit einer Stimmenmehrheit wird Präsident. Denn die Amerikaner wählen in den einzelnen Bundestaaten, die wiederum eine bestimmte Anzahl an Wahlleuten entsendet – meist entsprechend ihrer Bevölkerungsgröße. Das führt dazu, dass die Kandidaten in einigen Regionen, von denen sie annehmen, ohnehin gewählt zu werden, so gut wie nie Wahlkampf machen. Beispiel Michigan und Wisconsin. Die beiden Industriestaaten lagen 2016 hinter der sogenannten "blauen Mauer" – sprich sie galten als sichere Bank für die Demokraten.

PAID Aufstand der Republikaner: Zieht Trump nicht mehr? 1530Nicht nur die siegesgewisse Hillary Clinton hat sich dort kaum blicken lassen, auch die Demoskopen nicht. Die hatten ihre Befragungen auf Ecken konzentriert, die ihrer Meinung nach umkämpfter waren. Der einzige Kandidat, der dort regelmäßig angetreten war, war Donald Trump. Am Ende gewann er sowohl in Michigan als in Wisconsin – und holte damit die entscheidenden Wahlmännerstimmen, die er für seinen Sieg brauchte. Sein Vorsprung in beiden Staaten betrug zusammengenommen übrigens gerade einmal 33.452 Stimmen.

Problem 2: die Fehlertoleranz. Selbst wenn es mehr oder häufigere Umfragen aus Michigan und Wisconsin gegeben hätte, wäre ihre Aussage wohl gewesen: Es wird knapp. Denn der tatsächliche Vorsprung Trumps vor Clinton betrug gerade einmal 0,2 Prozentpunkte in Michigan und 0,8 Prozentpunkte in Wisconsin. So genau ist keine Umfrage. Üblicherweise rechnen Statistiker mit einer Fehlertoleranz von plus/minus drei Prozent. Gründe: falsche Angaben, statistische Rundungsfehler, Auswertungsmethoden.

Brexit und US-Wahl 2016 waren vor allem knapp

Wie viel (oder wie wenig) plus/minus drei Prozent ist, hat die Brexit-Abstimmung gezeigt. In vielen Umfragen schwankte das Verhältnis von Brexit-Befürwortern und -Gegnern zwischen halb und halb. Letztlich stimmten 51,9 zu 48,1 Prozent der Briten für den Ausstieg aus der EU. Das Ergebnis war so knapp, dass es am Ende sowohl in Fehlertoleranzbereich von Umfragen lag, die ein Nein zum Brexit erwartet hatten, als auch derjenigen die von einem Pro-Brexit-Votum ausgegangen waren.

Die Art der Umfragen

Eine der Umfragen, die Donald Trump regelmäßig sehr gerne zitiert, ist die des Rasmussen Report. Hier schneidet der US-Präsident oft auffallend gut ab, als einer der wenigen Institute errechnet Rasmussen regelmäßig Zustimmungsraten von 50 Prozent und mehr. Die Demoskopen fragen im Monatsrhythmus Amerikaner ab, die planen zur Wahl zu gehen. Dazu bedienen sie sich Anrufmaschinen, die automatisiert Umfrageteilnehmer anrufen. Das ist recht zuverlässig, aber daneben gibt noch zahlreiche andere Methoden, um Menschen zu befragen: am Telefon persönlich, an der Haustür, auf der Straße. Online, per Brief, in Gruppen, einzeln, sortiert nach Parteipräferenz oder Wahlabsicht (in den USA muss man sich für die Abstimmung registrieren lassen).

Anders gesagt: Wer online allgemein nach der Sympathie von Präsidentschaftskandidaten fragt, wird andere Antworten bekommen, als wer von erklärten Wählern auf der Straße wissen will, wem sie den Wahlsieg zutrauen. 2016 etwa kam eine Umfrage des Senders ABC News auf einen Vorsprung Clintons von landesweit zwölf Prozentpunkten, während etwa die University of South California für die "Los Angeles Times" zur gleichen Zeit nur einen Vorsprung Clintons von einem Prozentpunkt errechnet hatte. Rasmussen sah sogar Trump vorne.

Umfragen mit normaler Fehlerquote

Der US-Wahlstatistiker Nate Silver hat 2018 die Umfragen der Präsidentschaftswahl analysiert und mit dem Ausgang verglichen: Im Durchschnitt wichen die landesweiten Umfragen um rund drei Prozent vom Ergebnis ab, was im normalen Fehlerrahmen liegt. Nur die Befragungen auf Bundesstaatenebene waren mit fünf Prozent ungenauer als die Umfragen in den Wahljahren zuvor.

Rasmussen übrigens, wo Donald Trump oft gut wegkommt, kommt auch bei Nate Silver gut weg. Laut seines renommierten "Pollster Ranking" lagen deren Demoskopen bei vergangenen Wahlen so gut, dass sie derzeit auf Platz zwei aller untersuchten Institute rangieren. Eine Umfrage, die bis zum Wahltag oft verlacht wurde, sah Donald Trump lange Zeit als Gewinner und lag damit richtig: die "LA Times". Deren Methodik unterscheidet sich allerdings von den meisten anderen: Sie befragt regelmäßig immer die gleichen Menschen – und kann so auch längerfristige Stimmungen abbilden.

Nur der kurze Blick in die Wähler-Seele

Dass Umfragen nach den beiden historischen Abstimmungen im Jahr 2016 so in Verruf geraten sind, lag sowohl daran, dass die Rennen extrem eng waren und als auch daran, was Experten und Medien daraus gemacht hatten. Da sich Uneindeutigkeiten schlecht verkaufen, haben vor allem Brexit- und Trump-Gegner die Umfragen überhöht und mehr als (erwünschte) Wahlprognosen gedeutet, als das, was sie sind: ein kurzer Blick in die Seele der Wähler.

Quellen: 538.com, Geekwire, Salon.com, Realclearpolitics, USElectionatlas.org, DPA, AFP, Wahlrecht.de, Donald Trump auf Twitter

Corona-Regeln: Wir brauchen die Maske noch! Sie abzuschaffen wäre ein fatales Signal

Written By: Rune Weichert - Jul• 06•20

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe will die Maskenpflicht im Handel abschaffen. Doch jetzt die Masken – eines der wichtigsten Mittel im Kampf gegen Corona – fallenzulassen, wäre falsch und unter Umständen sogar fatal, meint unser Autor.

"Wenn das Infektionsgeschehen so gering bleibt, sehe ich keinen Grund, länger an der Maskenpflicht im Handel festzuhalten." Das sagte Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) am Wochenende der "Welt am Sonntag". Er könne die Ungeduld des Handels gut nachvollziehen. "Noch lieber wäre mir ein bundesweites Ende der Maskenpflicht im Handel."

Ja, die Ungeduld des Handels ist nachvollziehbar. Wir alle fragen uns, wann wir wieder ohne Mund-Nase-Schutz unsere Wocheneinkäufe machen und mit Bus und Bahn fahren können.

Doch jetzt über eine Abschaffung der Maskenpflicht zu debattieren, ist ein falsches Signal an die Bürgerinnen und Bürger. Diese Corona-Pandemie ist noch lange nicht vorbei – auch wenn es in Deutschland und vielen Teilen Europas vielleicht so aussieht. Und die Pflicht tatsächlich aufzuheben und sie zu einer Empfehlung umzuwandeln wäre noch verkehrter, denn es käme einem "alles ist wieder in Ordnung" gleich. Aber davon sind wir noch weit entfernt. PAID Mundschutz-Mode 13.22

Dank der Maske haben wir wieder Freiheiten

Das Infektionsgeschehen in Deutschland ist gering. Genauer gesagt: Es ist geringer geworden. Nämlich maßgeblich durch die Restriktionen, die auferlegt wurden, also Abstand, Kontaktbeschränkungen und allen voran die Maskenpflicht. Dank dieser Maßnahmen haben wir mittlerweile auch wieder Freiheiten, die wir vor zwei-drei Monaten nicht hatten.

Deutschland hat es mit und dank der Maske geschafft, die Corona-Pandemie hierzulande nicht ausarten zu lassen. Warum also sollten wir jetzt damit aufhören? Was ein lockerer oder gar gleichgültiger Umgang mit dem Coronavirus anstellen kann, sehen wir gerade in den USA und in Brasilien, wo die Zahlen der Infektionen und Toten geradezu nach oben schnellen – Ende nicht absehbar. Manche US-Bundesstaaten haben daher als Reaktion die Maskenpflicht (wieder) eingeführt. Selbst in Ländern wie Australien oder Spanien, die mit harten Maßnahmen der Pandemie begegnet sind, nehmen die Infektionszahlen wieder zu. Das Virus kann wiederkommen – und tut es auch. Wenn man es lässt.

Man muss sich beim Mundschutz vor Augen halten, dass er nicht dazu da ist, einen selbst vor dem Virus zu schützen. Er ist dazu da, andere Menschen zu schützen, denn das Virus verbreitet sich durch Aerosole oder Tröpfchen beim Husten, Niesen oder Sprechen. Covid-19 kann auch symptomfrei oder nur mild verlaufen, besonders zu Beginn der Infektion. Die Gefahr, dass jemand den Erreger unwissentlich in sich trägt und weiterverbreitet besteht also.

Wir müssen mit dem "neuen Normal" leben

Wenn die Masken jetzt fallengelassen werden, steigt also das Risiko, dass man jemanden infizieren kann. Besonders dort, wo der Mund-Nase-Schutz bislang obligatorisch ist, also im öffentlichen Verkehr und im Handel, wo man sich in einem geschlossenen Raum aufhält. Und seien wir mal ehrlich: Ein Abstand von 1,5 Metern lässt sich dort häufig nur schwer einhalten, was die Maske erst recht wichtig macht.

Experten warnen vor einer zweiten Welle. Und es braucht nur ein zweites Tönnies und/oder aus dem Urlaub nach Deutschland eingeschleppte Infektionen, schon können sich R-Wert und Infektionszahlen ändern. Wenn dann die meisten auf die Maske verzichten, weil sie keine Pflicht mehr ist, kann das Infektionsgeschehen sich sogar rasant ändern – und zwar nicht zum Guten.

Es ist absolut verständlich, dass wir zu dem Alltag zurückwollen, den wir vor Corona hatten. Das wollen wir alle. Und die Corona-Maßnahmen müssen auch immer wieder neu abgewogen werden. Aber was die Masken angeht, sind wir noch nicht soweit. Wir müssen noch immer vorsichtig sein. Überall dort, wo man dem Virus die Möglichkeit dazu gibt, kann es sich ausbreiten. Man darf Corona keine Chance geben! 

Wir müssen mit dem "neuen Normal" leben, dem "Corona-Normal". Also Ellenbogen-Check statt Handschlag, kein Küsschen auf die Wange zur Begrüßung, mit Abstand in der Schlange stehen und Treffen nur im kleinen Kreis statt Riesen-Events. Der Mund-Nase-Schutz gehört zu all dem dazu. Denn ohne diesen riskieren wir derzeit, dass wir zu einem Alltag zurückkehren müssen, in dem wir noch weniger Freiheiten haben. 

Coronavirus in den USA: Alles außer Kontrolle: Corona wütet – und Trump schaut zu

Written By: Florian Schillat - Jul• 05•20

Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus erreichen in den USA immer neue traurige Rekorde. Präsident Donald Trump bleibt bei seinem Kurs und redet die Pandemie klein. Die Stimmung in der Gesellschaft kippt. 

Stellen Sie sich vor, die größte Party des Jahres steht an – und keiner geht hin. In mehreren US-Bundesstaaten sah das, mehr oder weniger, so aus. Bars uns Restaurants waren geschlossen, Strände gesperrt, größere Versammlungen nicht gern gesehen. Happy Fourth of July.

An diesem "Indipendence Day", dem mittlerweile 244. Unabhängigkeitstag in der US-Geschichte, gab es keinen Anlass, in Feierlaune zu sein. Weder für Amerika, noch für Trump (der Präsident hat trotzdem mit Tausenden seiner Fans gefeiert). Das Coronavirus gerät außer Kontrolle. Täglich melden die USA mehr als 45.000 Neuinfektionen, in zahlreichen Bundesstaaten steigen die Fallzahlen rapide an – allein der Sunshine State Florida hat innerhalb eines Tages mehr als 11.400 neue Infektionen verzeichnet. Trauriger Rekord.

Bundesstaaten vollziehen Kehrtwende

Die Kurve der Neuinfektionen in den USA zeigt deutlich nach oben, fast 130.000 Menschen sind dort durch das Virus gestorben.PAID Party statt Pandemie – wie die Amerikaner das Coronavirus ignorieren_15.30Uhr

"Ich bin nicht zufrieden damit, was passiert", sagte Anthony Fauci, der führende Immunologe in den USA. "Wir gehen in die falsche Richtung." Er warnte davor, dass die Neuinfektionen auf 100.000 pro Tag ansteigen könnten. "Wir müssen wirklich etwas tun", sagte er, "und wir müssen es schnell tun."

Aktuell besonders betroffen sind Staaten, die Faucis Warnungen offenbar nicht entschlossen genug umgesetzt und Einschränkungen früh gelockert hatten – und nun, im Angesicht der rasant steigenden Zahlen, wieder zurückrudern.  

  • In Texas hat der republikanische Gouverneur geradezu eine spektakuläre Kehrtwende vollzogen, indem er eine Maskenpflicht angeordnet hat. Vor drei Wochen hatte er noch erklärt, er halte es für falsch, den Menschen Vorschriften zu machen.
  • In Miami im Bundesstaat Florida hat Bürgermeister Francis Suarez eine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit angeordnet. Immer mehr Landkreise in Florida folgen der Entscheidung des Bürgermeisters von Miami, Sandstrände zu schließen und eine regionale Maskenpflicht einzuführen.
  • In Arizona haben Bars und Restaurants wieder geschlossen, auch Kinos, Nachtklubs und Schwimmbäder. Zunächst für 30 Tage.

Die drei von republikanischen Gouverneuren geführten Staaten hatten auf Drängen des Präsidenten früh weitreichende Lockerungen durchgesetzt. Mit ihrem Kurswechsel stellen sie sich daher auch gegen Trump, der die Pandemie demonstrativ kleinredet. Besonders der republikanische Gouverneur von Arizona konterkariert seine Linie des laxen Umgangs. "Wir können uns nicht vormachen, dass dieses Virus von alleine verschwinden wird", sagte er im Zusammenhang mit der Wiedereinführung von Beschränkungen. Trump glaubt derweil, "das Virus wird irgendwann gewissermaßen einfach verschwinden". Doch auch in Kalifornien, das von einem demokratischen Gouverneur geführt wird, steigen die Infektionszahlen rasant und Beschränkungen werden reaktiviert.

"Mr. President, es ist zu viel"

An Trumps leichtfertigen Umgang mit der Coronakrise dürfte sich unterdessen nichts ändern. Am Unabhängigkeitstag erklärte er in einer Rede, dass 99 Prozent der gefundenen Fälle "komplett harmlos" seien, was angesichts der rasanten und tödlichen Ausbreitung des Virus kaum zu belegen sein dürfte.

Zwar konnte sich der Präsident nun doch dazu durchringen, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes zu befürworten ("Ich bin für Masken"). Doch offenbar nicht aus hygienischen Gründen: "Ich hatte sogar eine Maske auf und ich mochte irgendwie, wie ich ausgesehen habe", sagte er. Er habe ausgesehen wie der "Lone Ranger", einer fiktiven Western-Filmfigur.Donald Trump treibt den Preis für seine Wiederwahl hoch 18.29h

Sein Herausforderer um die US-Präsidentschaft, der frühere Vizepräsident Joe Biden, positioniert sich auch in dieser Hinsicht als Gegenpol zum Präsidenten. Er trägt praktisch bei allen öffentlichen Auftritten einen Mund-Nasen-Schutz. Am 4. Juli nannte er das Tragen einer Makse "das patriotischste, was man tun kann." Zuletzt veröffentlichte Bidens Team einen Wahlkampfspot, der eine Rede Trumps aufs Korn nimmt. Darin sagte der Präsident, dass die USA mit ihm als Präsidenten so oft gewinnen würden, dass es den Amerikanern fast schon zu viel werden würde. "Mr. President, es ist zu viel", steht über dem Clip, während die Kurve der Coronainfektionen in den USA in die Höhe schnellt. 

Offenbar sehen immer mehr Amerikaner in Trump keinen guten Krisenmanager. Landesweite Umfragen, sowohl bei der Internetseite "RealClearPolitics" als auch beim Umfrageinstitut "FiveThirtyEight", sehen Joe Biden im Rennen um das Weiße Haus schon länger bei fast zehn Punkten Vorsprung. Derweil lässt das Virus die größte Volkswirtschaft der Welt straucheln. Trumps zentrales Wahlkampfversprechen, die greatest economy in the world, wackelt. Und dann wären da noch die landesweiten Demonstrationen gegen Polizeigewalt und Rassismus, die Trump wohl aus kühlem Wahlkampfkalkül dämonisiert.

Das trübt den Blick der Amerikaner auf ihr Land. Nach einer Umfrage des Pew-Instituts, über die die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, seien fast neun von zehn Amerikaner unzufrieden mit dem Zustand der USA. 71 Prozent seien wütend, 66 Prozent haben Angst. Nur 17 Prozent seien noch stolz auf ihr Land.

Unabhängigkeitstag in den USA: Die Krise bestimme ich: Das steckt hinter Trumps patriotischem Protztum

Written By: Florian Schillat - Jul• 04•20

Donald Trump hat zu einer verstörenden Show am Mount Rushmore geladen. Das patriotische Protztum folgt einem kühlen Wahlkampfkalkül. 

Da steht er, ein breites Grinsen im Gesicht. Die Mienen im Hintergrund sind versteinert, buchstäblich, obgleich sie die einzig angemessene Reaktion auf dieses Schauspiel sein würden.

Donald Trump hat zu einer unwirklichen Show geladen. Am Vorabend des Unabhängigkeitstages versammelten sich mehrere Tausend Fans des Präsidenten am Mount Rushmore in South Dakota. Weder gab es eine Maskenpflicht, noch Abstandsregeln. Dafür gab es ein großes Feuerwerk und eine Militärkapelle. Zuvor flog Trump im Schatten seiner großen, in Stein gemeißelten Amtsvorgänger zu "Thunderstruck" von AC/DC ein. 

Mehr patriotisches Protztum geht nicht.

Dabei war weniger das beispiellose Brimborium bemerkenswert – Trump liebt bekanntlich den großen Auftritt –, sondern vielmehr die Rede, die der Präsident im Angesicht von George Washington, Thomas Jefferson, Abraham Lincoln und Theodore Roosevelt gehalten hat. 

Die eigentliche Krise

Es hätte kaum einen geeigneteren Ort gegeben, um in einer monumentalen Krise für die USA aufbauende und einende Worte an die Nation zu richten. Die Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus reißen nicht ab, täglich steigt die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Amerikaner um rund 45.000, seit Beginn der Pandemie haben mehr als 47 Millionen Menschen wenigstens zeitweise ihren Job verloren.PAID Meinung Deutsch-Amerikanisches Verhältnis_13.40Uhr

Traurige Fakten, die in Trumps Ansprache praktisch keine Rolle gespielt haben. Denn der Präsident wähnt die USA in einer anderen, existenziellen Krise: vor einem "neuen Linksaußen-Faschismus".

Gemeint sind die Teilnehmer der landesweiten Protestbewegung gegen Rassismus, die im Rahmen ihrer Demonstrationen etwa zahlreiche Kolonialdenkmäler stürzten. Trump nutzte seine erste Ansprache zum Unabhängigkeitstag in diesem Jahr, um die "wütenden Mobs", wie er sie brandmarkte, zu dämonisieren. Dabei sparte er nicht an Superlativen. 

Er beschwor eine "gnadenlose Kampagne zur Auslöschung unserer Geschichte" herauf, warnte vor einem Angriff auf die "großartige Freiheit" der USA und das "starke und stolze" amerikanische Volk im Kampf um ihre Kultur. "Dieses Denkmal wird nie entweiht werden, diese Helden werden nie entstellt werden", rief Trump der jubelnden Zuschauermenge zu. 

Plumpes Gepolter, das einem kühlen Wahlkampfkalkül folgt: den Lagerkampf und die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft weiter anzufachen.

Denn Trump muss seine Wählerschaft mobilisieren und im Wahlkampfmodus halten. Etwas mehr als vier Monate vor den Präsidentschaftswahlen wähnt sich Trump selbst in einer Krise:

  • Joe Biden liegt vorn. Landesweite Umfragen, sowohl bei der Internetseite "RealClearPolitics" als auch beim Umfrageinstitut "FiveThirtyEight", sehen seinen Herausforderer um das Weiße Haus schon länger bei fast zehn Punkten Vorsprung. 
  • Trump könnte in wichtige Bundesstaaten verlieren. Die "New York Times" veröffentlichte eine Erhebung aus sechs Bundesstaaten, die Trump 2016 (zum Teil sehr knapp) gewonnen hatte und ihm den Sieg über Herausforderin Hillary Clinton brachten. Nun der Spitzenreiter, demnach: Biden. Und, ausgerechnet, bestätigt eine Umfrage von Trumps Lieblingssender Fox News diesen Trend.
  • Wähler wenden sich ab. Umfragen zufolge kann sich Trump nicht mehr auf die ältere Wählerschaft verlassen, die ihn 2016 noch ins Amt hievte (und normalerweise in großer Zahl zu Wahlen gehen). Auch Frauen wenden sich ab. Und selbst unter den streng gläubigen Evangelikalen, einer wichtigen Wählergruppe Trumps, wachsen die Zweifel.
  • Trump verliert an Rückhalt bei den Republikanern. Jahrelang brachten ihm die Republikaner praktisch absolute Loyalität entgegen. Nun zählen sie ihn öffentlich an, machen Front gegen seine Pläne, starten Initiativen (wie hier und hier), um seine Wiederwahl zu verhindern.
  • Sein zentrales Wahlkampfversprechen wackelt. Trump wollte mit der greatest economy in the world in die Wiederwahl gehen. Doch die Wirtschaft hat aufgrund der Corona-Pandemie schweren Schaden genommen, die derzeitige Zuspitzung droht die jüngste leichte Erholung wieder zunichte zu machen. Die Arbeitslosenquote sank im Juni zwar auf 11,1 Prozent, dennoch sind viele Millionen Amerikaner aufgrund der Corona-Pandemie arbeitslos. 
  • Das Coronavirus breitet sich weiter aus. Trump hat offenbar jede Motivation verloren, die Pandemie doch noch in den Griff zu bekommen. Allein am Donnerstag stieg die Zahl der Neuinfektionen um 55.000

"Sie wollen uns zum Schweigen bringen"

Trump sitzt bei den Republikanern zwar noch fest im Sattel – seine Zustimmungsrate in der Partei schwankt zwischen soliden 85 und 90 Prozent –, doch nur mit diesen Stimmen dürfte sich keine Wahl gewinnen lassen. Und so setzt Trump auf sein altbewährtes Konzept der Polarisierung und Abgrenzung zum gegnerischen Lager, um sein konservatives Kernklientel, das er auf diese Weise praktisch seit 2016 in Wahlkampflaune gehalten hat, auch an die Urnen zu bewegen.

In jüngster Zeit benutzt er das Wort "Demokraten" kaum noch ohne den Zusatz "radikal". Vor seinem Gepolter am Mount Rushmore hatte er Demonstranten, die Statuen zum Sturz bringen, mit "Terroristen" verglichen. Beinahe manisch beschwört er dabei "Law & Order", Recht und Ordnung, um sich als Bewahrer der Sitten zu inszenieren. "Sie wollen uns zum Schweigen bringen, aber wir lassen uns nicht zum Schweigen bringen", sagte Trump am Mount Rushmore.  

Fraglich bleibt, ob das Gepolter auch verfängt und von seinem schlechten Krisenmanagement in der Coronakrise ablenken kann. Denn in der jetzigen Phase der Pandemie leiden vor allem republikanisch geführte Bundesstaaten wie Arizona, Florida und Texas, wo Lockerungen zum Teil wieder zurückgenommen wurden. Erste Gouverneure vollziehen nun die Kehrtwende

Über Trumps politischen Stunts hätten seine großen Amtsvorgänger am Mount Rushmore womöglich nur den Kopf geschüttelt. Doch für den Präsidenten muss die Show weitergehen. Er zündet sein Feuerwerk unbeirrt ab. Dabei hätte es allein wegen der Waldbrandgefahr an dem monumentalen Nationaldenkmal keines geben dürfen. 

Corona-Pandemie: Kaum jemand in den USA stört sich an der Maske, nur Donald Trump gibt sich weiter die Blöße

Written By: Niels Kruse - Jul• 01•20

Bis vor kurzem war die Gesichtsmaske ein Politikum: Trump-Gegner trugen die Mund-Nase-Bedeckung, Trump-Fans verweigerten sie. Doch mittlerweile plädieren selbst Republikaner für den Corona-Schutz - nur einer bleibt stur: der Mann im Weißen Haus.  

Einige kurze Zeit lang sah es so aus, als würde ein Stück Stoff die "Unvereinigten Staaten" von Amerika weiter entzweien. Es geht, wenig überraschend, um die Mund-Nasen-Bedeckung und die Frage, ob und wenn ja zu welcher Gelegenheit die Gesichtsmaske getragen werden sollte. Eine verbindliche landesweite Ansage dazu gibt es nicht. Aber angesichts der stark steigenden Zahl von Corona-Infektionen rücken selbst bisherige Maskengegner von ihrer strikten Ablehnung ab, darunter viele führende Republikaner. Nur der oberste Konservative des Landes tut so als wäre nichts: US-Präsident Donald Trump.

Maske ist zum Politikum geworden

"Leider ist diese einfache, lebensrettende Anwendung Teil einer politischen Debatte geworden, in der es heißt, wenn Sie für Trump sind, tragen Sie keine Maske. Wenn Sie gegen Trump sind, tun Sie es", sagte jetzt der republikanische Senator Lamar Alexander. Er schlägt deshalb vor, dass der Präsident in der Öffentlichkeit zumindest gelegentlich eine Maske tragen soll. Schließlich habe er Millionen Anhänger, für die er ein Vorbild sei.

PAID Trump Kommentar - 10.25Die US-Seite "The Hill" bemerkt, dass Alexander damit alles andere als alleine sei und nennt weitere Parteispitzenleute, die zum Tragen des Mund-Nasen-Schutzes aufrufen. Darunter der Senatschef und Trump-Anhänger Mitch McConnell sowie der Fraktionschef des Abgeordnetenhauses, Kevin McCarthy. Letzterer sagte jetzt in einem Fernsehinterview mit Fox News: "Am 4. Juli (den Unabhängigkeitstag, d. Red.) könnten wir alle unseren Patriotismus zeigen, in dem wir mit einer rot-weiß-blauen Maske rausgehen und unsere Stärke zeigen." Auch die Moderatoren des Trump-freundlichen (und eher maskenkritischen) Senders stoßen in das Horn: "Ich denke der Präsident würde ein gutes Beispiel abgeben, wenn er eine Maske tragen würde", sagte etwa Steve Doocy.

Hätte ein Trump mit Maske die Presse erfreut?

Eigentlich empfiehlt die Gesundheitsbehörde CDC schon seit Anfang April das Maskentragen. Viele Amerikaner aber ignorieren die Bitte, darunter auch der Mann im Weißen Haus. Bei einem Fabrik-Besuch im Mai sagte Trump, er habe bei einem Teil des Fabrikrundgangs eine Maske getragen, "aber ich wollte der Presse nicht die Freude machen, das zu sehen". Ein Foto von dem seltenen Moment konnte er dennoch nicht verhindern. Zuvor war sein Vize Mike Pence in die Kritik geraten, als er bei einem Klinikbesuch als einziger ohne Maske auftrat und damit eine entsprechende Vorschrift des Krankenhauses missachtete.

Angesichts jüngster Rekordwerte bei den Neuinfektionen (2,5 Millionen Angesteckte, 125.000 Tote) aber gerät der Präsident mehr und mehr unter Druck. Sein Management der Coronakrise gilt als gescheitert – selbst die von ihm forcierte schnelle Wiederöffnung des Landes zur Ankurbelung der Wirtschaft wird seit einigen Tagen rückgängig gemacht. In Texas und Kalifornien zum Beispiel müssen jetzt wieder Bars und Restaurants schließen. Wer aus stark betroffenen Staaten wie Nevada, Georgia, oder Louisiana nach New York reist, muss dort zunächst für zwei Wochen in Quarantäne. In Arizona sind Versammlungen mit mehr als 50 Menschen untersagt – dort war Donald Trump erst vor wenigen Tagen aufgetreten – vor einem zumeist maskenlosen Publikum.

Maskenpflicht "längst überfällig"

"Längst überfällig" sei daher auch eine landesweite Mund-Nasen-Bedeckungspflicht", sagte die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, im Sender ABC. Die Regierung müsse die Bedrohung durch die Pandemie endlich ernst nehmen. Während Präsident Donald Trump von Fortschritten im Kampf gegen das Coronavirus spreche, stünden die USA in Bezug auf Infektionen und Todesfälle in Wahrheit so schlecht da wie kein anderes Land, so Pelosi weiter.

Die Ansicht teilt auch der oberste Epidemiologe des Landes, Anthony Fauci: "Ich bin sehr besorgt, wir bewegen uns in die falsche Richtung." Falls der Anstieg nicht unter Kontrolle gebracht werden könne, seien landesweit bald bis zu 100.000 Neuinfektionen pro Tag vorstellbar, so Präsidenten-Berater vor dem US-Senat. Die Pandemie könne nur eingedämmt werden, wenn die Menschen in der Öffentlichkeit konsequent Masken trügen und auf ihren Sicherheitsabstand achteten, so Fauci, andernfalls "werden wir weiter große Probleme haben", warnte er.

Donald Trump, der Einzelkämpfer

Wie lange sich der US-Präsident noch als Maskengegner inszenieren wird, ist nicht absehbar. Aber sowohl sein Sohn Donald Jr. als auch Vizepräsident Mike Pence plädieren mittlerweile öffentlich für die Gesichtsbedeckung. Neben Gesundheitsaspekten dürfte auch die Stimmung in der Bevölkerung den Sinneswandel hervorgerufen haben. Je nach Umfrage geben mehr als 80 Prozent der Befragten an, in jüngster Zeit eine Maske getragen zu haben. Was also tut Donald Trump? Twitterte jetzt nur vielsagend die Worte "The Lone Warrior!" -  "Einzelkämpfer".

Quellen: "The Hill", Politico, CNN, DPA, AFP, Donald Trump auf Twitter

Covid-19: Lockdown-Notbremse, R-Wert, Infizierte: Die wichtigsten Daten zum Coronavirus auf einen Blick

Written By: Patrick Rösing - Jul• 01•20

In welchen Kreisen wird die Obergrenze gerissen? Wie hoch ist der R-Wert? Wie viele Infizierte gibt es? An dieser Stelle erhalten Sie einen Überblick über die wichtigsten Daten zum Thema Covid-19.

Notbremse: Welche Kreise und Städte halten die Obergrenze (nicht) ein?

Da die Angst vor einer zweiten Infektionswelle groß ist, haben die Kanzlerin und die Länder-Chefs parallel zur Lockerung der Schutzmaßnahmen eine Notbremse installiert. Die Idee: Steigt die Zahl der Neuinfektionen in einem Kreis innerhalb von sieben Tagen pro 100.000 Einwohner um 50 oder mehr an, werden wieder strengere Schutzmaßnahmen in Kraft gesetzt. Durch diesen Notfallmechanismus sollen neue Infektionsherde vor Ort möglichst schnell wieder gelöscht werden – ohne gleich die ganze Bundesrepublik wieder herunterzufahren. Welche Maßnahmen im Notfall ergriffen werden, bleibt den Handelnden vor Ort überlassen. Einzelne Länder legten in der Folge eigene Messlatten an. Mehr Infos finden Sie hier.

Hinweis für Mobilnutzer: Werden die Grafiken an dieser Stelle nicht oder nicht korrekt angezeigt, klicken Sie bitte hier.

Reproduktionszahl R - wie viele Menschen steckt ein Infizierter an?

Die Reproduktionszahl R, auch oft als R-Wert bezeuchnet, ist eine der zentralen Kennzahlen zur Beurteilung des Verlaufs einer Infektionswelle. R gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter in einem bestimmten Zeitraum im Durchschnitt ansteckt. Je niedriger R ist, desto besser:

Liegt R unter 1, steckt ein Infizierter im Schnitt weniger als einen anderen Menschen an - und die Epidemie läuft aus.

Liegt R bei 1, verläuft die Zahl der Neuinfektionen konstant und linear. Die Kurve steigt also nicht (mehr) exponentiell.

Liegt R über 1, steckt ein Infizierter im Mittel mehr als einen anderen Menschen an - die Zahl der täglichen Neuinfektionen wird größer.

Hinweis: Der R-Wert ist ein Schätzwert. Er basiert laut dem Robert Koch-Institut (RKI) auf der angenommenen Anzahl von COVID-19 Neuerkrankungen. Der R-Wert wird dargestellt mit einem gleitenden Vier-Tages-Mittelwert. Dabei wird jeder Wert mit den Werten der drei vorhergehenden Tage gemittelt. Die Schätzwerte zur Anzahl von Neuerkrankungen und der R-Schätzung zu früheren Tagen können von den Angaben in früheren Lageberichten abweichen, weil täglich der Gesamtverlauf aufgrund der aktuell verfügbaren Daten neu geschätzt wird. Zusätzlich gibt das RKI einen Mittelwert für sieben Tage heraus. Die Daten werden täglich aktualisiert und können hier abgerufen werden

Infizierte, Genesene und Verstorbene in Deutschland

Detaillierte Informationen zum Infektionsgeschehen in deutschen Kreisen und Städten finden Sie hier. 

So breitet sich Sars-CoV-2 weltweit aus

Die Weltkarte bietet einen Überblick über die globale Infektionslage. Mit Klick auf "zurück" und "weiter" können Sie zwischen den gesamten Infektionen und täglichen Neuinfektionen hin und her wechseln.

Der Klick auf den "Play"-Button zeichnet die weltweite Ausbreitung im Zeitraffer nach. 


Quellen: Die Daten in den Grafiken stammen vom Robert Koch-Institut (RKI) oder der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität (JHU). Beides renommierte Stellen, die jedoch unterschiedliche Methoden zur Erfassung und Kommunikation der Daten nutzen. Das RKI veröffentlicht in der Regel einmal am Tag neue Daten, die auf behördlichen Angaben basieren. Die JHU hingegen nutzt auch nicht-amtliche Quellen und veröffentlicht die erfassten Daten quasi in Echtzeit. In der Folge sind die RKI-Zahlen in der Regel etwas niedriger als die der JHU.