Muskeltraining: Warum verklebte Faszien Schmerzen auslösen: Tipps für Betroffene

Written By: Anna Stefanski - Feb• 15•20

Alle Muskelfasern, Muskelstränge und Muskelgruppen in unserem Körper werden von Faszien umspannt. Dabei handelt es sich um eine Art netzartiges Bindegewebe, das sehr reißfest und dennoch äußerst elastisch ist. Seine Aufgabe besteht vor allem darin, unseren Bewegungsapparat so agil wie möglich zu halten. Durch mangelnde Bewegung, Stress, Übersäuerung oder eine Schonhaltung können die Faszien jedoch verkleben oder verhärten und somit Beschwerden im Rücken-, Nacken- und Schulterbereich als auch in den Gelenken hervorrufen. Aus diesem Grund wurden spezielle Methoden entwickelt, die aneinanderhaftenden Fasern wieder zu lösen. Wie Sie Ihre muskuläre Funktionstüchtigkeit verbessern und die Schmerzen reduzieren können, erfahren Sie hier.

Verklebte Faszien erkennen: Darauf müssen Sie achten

Auch wenn verklebte Faszien als häufigste Ursache für Beschwerden im gesamten Rückenbereich genannt werden, können auch andere gesundheitliche Probleme Schmerzen auslösen. Ein wichtiges Indiz, das dafür spricht, ist Ihre Haut, die auf Druck schmerzempfindlich reagiert.

Um herauszufinden, ob Störungen im Fasziensystem vorliegen, gehen Sie wie folgt vor: Nehmen Sie eine Hautfalte der betroffenen Region zwischen die Finger und heben diese vorsichtig an. Empfinden Sie dabei Schmerzen, sind verklebte Faszien dafür verantwortlich. Noch eindeutiger ist die Diagnose, wenn die Hautfalte in der schmerzempfindlichen Region dicker ist – in dem Fall hat sich zu viel Flüssigkeit angestaut, die der Körper nicht mehr richtig abtransportieren kann.

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So können Sie verklebte Faszien lösen

Mit der Einführung der Faszienrolle wurde eine neue Methode entwickelt, mit der Sie Ihre Muskeln und das Bindegewebe selbst massieren können – und zwar allein durch die Kraft des eigenen Körpers. Richtig angewendet, können Sie schmerzhafte Verspannungen im Rücken-, Nacken- und Schulterbereich lösen. Ganz ohne Medikamente oder den Gang zum Arzt. Je nachdem, welchen Bereich Sie bearbeiten bzw. lockern wollen, gibt es verschiedene Arten von Hartschaumrollen.

Wie Sie diese korrekt anwenden, wird in verschiedenen Videos demonstriert. Im Folgenden stellen wir Ihnen ein paar Beispielvideos zu den jeweiligen Trainingsgeräten vor:

1. Die Faszienrolle ist der Klassiker unter den Trainingsgeräten aus Hartschaum. Sie ist in unterschiedlichen Größen und Härtegraden erhältlich, ihre Funktion ist jedoch immer die gleiche – das Massieren der Muskeln und des Bindegewebes. Egal, ob Sie die Rolle im Stehen oder im Liegen nutzen: Richtig angewendet kann die Rolle verklebte Faszien lösen und verhärtete Muskeln lockern. Die glatte Oberfläche ist für den Rücken genauso gut geeignet wie für Bauch, Beine, Po und sogar die Füße.
Die Rolle gibt es hier.

Wie Sie die Rolle korrekt anwenden, erfahren Sie in diesem Video:

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Tipp: Alternativ dazu gibt es das Faszientraining für Rücken und Nacken auch als Buch und auf DVD.

2. Der Doppelball ist eine Kombination aus zwei Faszienbällen, mit denen Sie Muskelstränge parallel bearbeiten. Aus diesem Grund eignet sich das Trainingsgerät auch besonders gut, um verklebte Faszien und schmerzhafte Triggerpunkte – also Muskelverkrampfungen – rund um die Wirbelsäule und den Nacken mithilfe einer punktuellen Massage zu lösen. Durch die korrekte Anwendung können Sie darüber hinaus auch die Durchblutung der Muskeln verbessern, sodass sich die betroffenen Faszien schneller regenerieren können.
Den Doppelball gibt es hier.

Wie Sie mit dem Doppelball korrekt trainieren, erfahren Sie hier:

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3. Der Faszienball ist dafür gedacht, um verklebte Faszien punktuell zu massieren. Durch die geringe Auflagefläche und den Härtegrad können vor allem Triggerpunkte gezielt behandelt und verspannte Muskeln gelockert werden. Er ist in zwei verschiedenen Größen – acht und zwölf Zentimeter – erhältlich, sodass der Faszienball nicht nur punktuell, sondern auch großflächiger angewendet werden darf. Durch seine handliche Größe kann das Trainingsgerät überall mit hingekommen und somit auch unterwegs (im Büro oder im Urlaub) eingesetzt werden.
Den Ball gibt es hier.

In diesem Video wird die korrekte Anwendung gezeigt:

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Tipp: Für eine optimale Behandlung können Sie die Trainingsgeräte miteinander kombinieren. Hier gibt es das Set.

4. Der Twister ist für Hartgesottene. Durch seine genoppten Oberfläche ist die punktuelle Stimulation einzelner Muskelpartien besonders effektiv, aber auch schmerzhafter als die anderen Hartschaumrollen. Mithilfe von Druck und Drehbewegungen können Sie verklebte Faszien und Triggerpunkte ebenfalls gezielt behandeln – egal, ob im Stehen oder im Liegen, auf dem Boden oder an der Wand.
Den Twister gibt es hier.

Wie der Twister gezielt eingesetzt wird, verrät dieses Video:

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Quelle: YouTube

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Ins Wasser, marsch!: Aquajogging: Warum das Ganzkörpertraining viel mehr ist als sinnloses Herumhüpfen

Written By: Jan Sägert - Feb• 15•20

Aquajogging war lange verpönt. Unter Schwimmern genauso wie unter Läufern. Als sinnfreies Rumgehüpfe im hüfttiefen und lauwarmen Planschbecken. Nichts Halbes und nichts Ganzes. Wassertreten für Senioren mit zu viel Zeit. Diese und andere Klischees schwebten allenthalben über der auf den ersten Blick etwas merkwürdig aussehenden Fitnessmethode. Zugegeben: Der Lifestyle-Faktor beim Aquajogging ist überschaubar. Dennoch hat sich die Wassergymnastik mittlerweile nicht nur in der Rehabilitation etabliert, es ist als Ganzkörpertraining anerkannt, das nicht nur ausgesprochen gelenkschonend, sondern auch noch besonders effizient ist – und zwar für Hobby-, Breiten- und Leistungssportler gleichermaßen.

Lesen Sie, warum Aquajogging mehr ist als Herumhüpfen im flachen Kinderbecken und warum auch Topathleten und viele Mannschaftssportler darauf setzen.

Wasser schlägt Hanteln und Laufschuhe

Schwimmen ist eine der anspruchsvollsten Ausdauersportarten, die es gibt. Wer die Technik – egal in welcher Stilart – nicht richtig beherrscht, wird mit dem Element Wasser nie wirklich glücklich werden. Das Problem (oder auch der Vorteil): Wasser hat ein 800 Mal höhere Dichte als Luft. Der Körper muss im Schwimmbecken also deutlich mehr Energie aufbringen, um sich nach vorn zu bewegen als beim Joggen im Park. Wer schon einmal versucht hat im Wasser zu laufen – und sei es nur im knietiefen Wasser – wird bemerkt haben, dass die Kräfte schnell schwinden. Aquafitness ganz allgemein und Aquajogging, Aquazumba, Aquaboxing und vieles mehr als Zeitvertreib für Senioren abzustempeln, ist also kompletter Unsinn. Ganz im Gegenteil: Statt die müden und gestressten Knochen über den Asphalt zu schleifen oder im Fitnessstudio unkontrolliert Hanteln von A nach B zu bugsieren, ist das Wasser als Fitnessgerät geradezu prädestiniert – für Jung und alt, dick und dünn, Sportmuffel und Spitzenathleten.Was ist EMS und wem hilft es wirklich 1115

Aquajogging – Wer hat's erfunden?

Ein gewisser John Glenn McWaters – nein das ist kein Künstlername – entwickelte in den 1970er Jahren die mittlerweile weltweit anerkannte Trainingsmethode – und nannte sie "Deep Water Running". Genauer gesagt, experimentierte der findige Offizier der US-Marine mit Trainingshilfen, die das Laufen im tiefen Wasser möglich machen. Heraus kam die sogenannte "Wet Vest", eine Weste aus Neopren. Leichtathletiktrainer McWaters erkannte früh die Vorzüge des Aquajogging und versuchte das zu nutzen, um seine Soldaten in einen soliden Fitnesszustand zu bringen. Die Tools wurden weiterentwickelt. Heutzutage schnallt man sich beim Aquajogging einen sogenannten Auftriebsgürtel aus Schaumstoff um den Oberkörper oder streift eine Schaumstoffweste über. Beide Tools sind leicht und bequem und unterstützen neben dem Auftrieb die Balance im Wasser.

In Deutschland gilt die Bewegungstherapeutin Margot Zeitvogel-Schönthier als Pionierin des Aquatrainings. Sie betreut und berät seit vielen Jahren vor allem Wintersportler – unter anderem Athleten des Deutschen, Schwedischen und Kanadischen Skiverbands. Auch im Tennis, Handball, Fußball und Klettersport hat die Autorin zahlreicher Fachbücher verschiedene Methoden des Trainings im Wasser etabliert – darunter auch Aquajogging.

Warum Aquajogging statt einem Läufchen im Park?

Zunächst einmal hat Wasser einen mehrere hundertfach größeren Widerstand als Luft. Das macht das Training auf die Dauer zwar etwas anstrengender, dafür ist der Trainingseffekt um einiges größer. Wegen des erhöhten hydrostatischen Drucks wird mehr Blut zum Herzen gepumpt – das Schlagvolumen erhöht sich um bis zu 20 Prozent. Im Umkehrschluss sinkt die Herzfrequenz. Man geht davon aus, dass der Maximalpuls ca. acht bis zehn Schläge niedriger ist als beim Laufen an Land. Beim Aquajogging erzielt man demnach bei deutlich geringerer Belastung denselben Trainingseffekt beim Läufchen im Park.

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Zudem trainiert man wegen der Auftriebswirkung nur mit einem Bruchteil des eigenen Körpergewichts (im brusttiefen Wasser werden aus 70 kg Körpergewicht an Land sieben Kilogramm). Was sich – und das ist einer der großen Vorzüge des Aquajogging – vor allem positiv auf die Gelenke, Muskeln und Sehnen auswirkt. Die sind beim konventionellen Laufen – egal, ob auf Parkwegen, asphaltierten Straßen oder anderswo – aufgrund der permanenten Stauchungen einer erheblichen Belastung ausgesetzt. "Die Verletzungsgefahr liegt nahezu bei Null", sagt auch Ingo Froböse, Professor an der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Zeitvogel-Schönthier schwört zudem auf die Massagewirkung des Wassers. "Es streichelt und knetet die Haut wie tausend zärtliche Hände". Dafür sorgen der bereits erwähnte hydrostatische Druck und der natürliche Reibungswiderstand des Wassers. Je intensiver der Bewegungen ausgeführt werden, desto stärker ist die Wirkung. Und das schlägt sich auch beim Körpergewicht nieder. Froböse: "Aufgrund der langsameren Bewegungen im Wasser greifen die Muskeln vor allem auf die Fettreserven statt auf Zuckerdepots zurück." Aufgrund der verbesserten Durchblutung wird zudem das Bindegewebe gestrafft. Auch der Cellulitis geht's beim Aquajogging an den Kragen.

Welche Arten von Aquajogging gibt es?

Man unterscheidet zwei Formen des Aquajogging. Bei Variante 1, die insbesondere für Senioren empfohlen wird, haben die Beine Bodenkontakt (Water Running). Das Training findet also in einem Becken mit einer Wassertiefe von weniger als 1,50 Meter statt. Der Vorteil: Es sind keine Hilfsmittel notwendig. Wichtig: Man drückt sich bei jedem Schritt mit dem Fußballen vom Boden des Beckens ab. Bei Variante 2 wird im tiefen Wasser trainiert. (Suspended Deep Water Running) Dabei sorgt ein Schaumstoffgürtel für Auftrieb. Wichtig: Der Oberkörper wird leicht nach vorn gebeugt und die leicht angewinkelten Arme schwingen in der Laufbewegung locker mit. Als Grundregel für beide Formen des Aquajogging gilt: Je höher die Schrittfrequenz, desto anstrengender, aber auch effektiver ist das Training.

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Wie viele Kalorien verbrennt man beim Aquajogging?

Durchschnittlich 450 Kilokalorien verbrennt man während einer einstündigen Aquajogging-Trainingseinheit. Laut Froböse sind das etwa 150 weniger als beim Radfahren oder Laufen. Dafür greift der Wasserdruck dem Kreislauf des Aqualäufers sprichwörtlich unter die Arme. Der Effekt: Das Herz kann mit jedem einzelnen Schlag mehr sauerstoffreiches Blut in die Arterien pumpen. Der Puls bleibt im moderaten Bereich.

Aquajogging: Wie oft und wie lange?

Empfohlen werden zwei bis drei Einheiten pro Woche á 45 Minuten. Im Idealfall unter Anleitung und Aufsicht eines Trainers. Viele öffentliche Bäder und Fitnessstudios mit Schwimmbecken bieten regelmäßig Kurse an. Mehr als Badebekleidung muss man da nicht mitbringen. Die Schaumstoffgürtel werden meist gestellt. Wem das nicht reicht, der kann sich die Auftriebshilfen auch selbst kaufen. Wichtig: Sie sollten stufenlos verstellbar sein und sich dem Körper anpassen. Anderenfalls drückt der Gürtel zu stark auf den Brustkorb und stört die Atmung. Zudem könnten sich Gürtel und Arme während der Laufbewegung ins Gehege kommen.

Quellen:"Fit for fun"; "gesundheitswissen.de"; "aquatraining.de"; stern Spezial "Gesund leben" (3/2004); "Runners World"


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Ex-Kommunikationschefin: Hope Hicks wieder bei den Trumps: Das ehemalige Model kehrt ins Weiße Haus zurück

Written By: Steven Montero - Feb• 14•20

Hope Hicks hat vor zwei Jahren den Job als Donald Trumps Kommunikationschefin gekündigt. Jetzt ist sie wieder im Weißen Haus. Sie soll eng mit Jared Kushner arbeiten. Die 31-Jährige arbeitete bereits im Wahlkampf für den US-Präsidenten.

Pläne der Nazis vereitelt : Der Spion, der Krakau vor der Vernichtung rettete

Written By: Ellen Ivits - Feb• 14•20

Als die Rote Armee im Dezember 1944 immer weiter nach Westen vorrückte, brach unter den Nazis Panik aus. Eilends zog Adolf Hitler Truppen aus Polen ab, um sie nach Ungarn in Marsch zu setzten. Unter allen Umständen wollte er den Kessel um Budapest lösen und die ungarischen Ölfelder verteidigen. Auch aus der polnischen Stadt Krakau sollten die deutschen Truppen abgezogen werden. Doch die geschichtsträchtige Stadt sollte der Roten Armee nicht in die Hände fallen. Und so schmiedete die Wehrmacht offenbar einen Plan zur Vernichtung von Krakau.

Die Nazis riegelten den Roznow-Damm ab. Falls sowjetische Truppen in die Stadt einmarschierten, wollte man die Schleusen öffnen. Die Flutwelle solle Krakau niederreißen und Chaos in der Roten Armee verursachen. Zusätzlich sollten die Brücken und die Altstadt gesprengt werden. 

Doch ein Geheimdienstoffizier der Roten Armee erfuhr von dem Plan: Alexej Botjan. Nach offiziellen Angaben des Auswärtigen Geheimdienstes der Russischen Föderation führte er zu dieser Zeit ein Partisanennetzwerk im besetzten Polen an. Der polnische Widerstand war ein riesiger Schmelztiegel verschiedener Kräfte, die sich gegenseitig misstrauten: die Heimatarmee, die der polnischen Exilregierung in London unterstellt war, die kommunistischen Polen der Volksarmee und die bewaffneten Bauernbataillone.

Botjan gelang es jedoch, mit allen eine gemeinsame Sprache zu finden. "Er fühlte sich unter den Polen zu Hause, was einen Teil seines Erfolgs ausmachte. Er fügte sich perfekt ein, weil er ein Schauspieler war, ein großartiger Schauspieler!", erinnerte sich später Georgi Sannikow, ein Veteran des russischen Auswärtigen Geheimdienstes. "Glauben Sie mir, wenn Sie ein Illegaler - ein Spion, ein Späher oder was auch immer - aber kein Schauspieler sind, werden Sie nicht weit kommen", zitiert ihn das Magazin "Russia Beyond".  teaser

Der Weg zur sowjetischen Geheimpolizei 

Botjan verfügte über dieses Talent. Er hatte fast den gesamten Zweiten Weltkrieg hinter den feindlichen Linien verbracht. Mal im besetzten Weißrussland, mal in der Ukraine, zum Schluss in Polen. Seine Mission war es, den Vormarsch der sowjetischen Truppen zu erleichtern.

1917 kam er auf die Welt. Kurz darauf zerbrach das russische Zarenreich. Sein Heimatdorf lag von nun an auf dem Gebiet der neu entstandenen Zweiten Polnischen Republik. 1939 wurde er kurz vor der nationalsozialistischen Invasion in die polnische Armee eingezogen. Als Unteroffizier der Luftabwehr verbrachte er die ersten Tage des Zweiten Weltkriegs damit, auf Junker-Kampfflugzeuge zu schießen.

Als die polnischen Einheiten jedoch aufgerieben wurden, floh Botjan nach Osten und ergab sich der Roten Armee. Mit Fahnenflüchtigen wurde in Stalins Reich kurzer Prozess gemacht. Doch Botjan entging dem Tod und wurde stattdessen in den Dienst der politischen Geheimpolizei NKGB aufgenommen.

Die Operation zur Rettung Krakaus 

Nach einer anderthalbjährigen Ausbildung wurde Botjan schließlich wieder nach Polen geschickt. Seine Aufgaben: Sabotageoperationen durchzuführen, einen Guerillakrieg zu organisieren und ein Agentennetzwerk aufzubauen. Das gelang dem damals 28-Jährigen. Von einem Ingenieur, den seine Partisanengruppe gefangen nahm, erfuhr er im Januar 1945 von dem Plan der Deutschen. Am 10. Januar bestätigten sich diese Informationen, als die Untergrundkämpfer das deutsche Hauptquartier in die Luft jagten. In der Aktentasche eines Toten fanden sie den detaillierten Plan zu Sprengung des Damms und der Krakauer Altstadt. 

Den Sprengstoff lagerte die Wehrmacht in einer alten Burg südöstlich von Krakau. In einer riskanten Operation nahm Botjan direkten Kontakt mit einem der Offiziere der Burggarnison auf. Der Pole, der 1939 von der Wehrmacht mobilisiert wurde, war bereit, die Seiten zu wechseln, und erklärte sich nach langwierigen Gesprächen mit dem sowjetischen Geheimdienst bereit, an der Operation teilzunehmen. "Ich gab ihm eine Mine, eine britische, mit einer Zündschnur und wies ihn an, zum Munitionslagerhaus zu gehen", erzählte Botjan später, unter anderem im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Tass. Vermutlich habe der Überläufer sie einem ahnungslosen Untergebenen weitergereicht, der sie im Lager deponierte.

Am 18. Januar 1945 um 5.20 Uhr erschütterte schließlich eine gewaltige Explosion die alten Burgmauern. Unter den Trümmern wurden mehrere Hundert deutsche Soldaten begraben - und mit ihnen der Plan, Krakau zu zerstören. Wenige Tage später marschierte die Rote Armee in die Stadt ein.

Alexej Botjan nimmt am 15. Januar 2020 an einem Treffen von Veteranen des Zweiten Weltkriegs in Moskau teil 
Alexej Botjan nimmt am 15. Januar 2020 an einem Treffen von Veteranen des Zweiten Weltkriegs in Moskau teil
© Stanislav Krasilnikov

"Krakau zu retten ist das Wichtigste, was ich in meinem Leben getan habe", sagte Botjan Jahrzehnte später. 2007 wurde er dafür mit dem höchsten Orden der Russischen Föderation ausgezeichnet. In der Nacht zum vergangenen Donnerstag ist der "Held Russlands" verstorben, drei Tage nach seinem 103. Geburtstag. Präsident Wladimir Putin gedachte des Verstorbenen als "legendären Geheimdienstoffizier" und "wahren Patrioten".

Günter Wallraff: „Assange wurde zum Monster fabriziert“: Warum uns der gefolterte Whistleblower alle angeht

Written By: Kyra Funk - Feb• 14•20

Julian Assange droht lebenslange Einzelhaft. Günter Wallraff setzt sich mit einer Kampagne für seine Freilassung ein. Im stern-Interview prangert der Journalist den Umgang mit dem Whistleblower an – er spricht von Folter, Politik-Versagen und Manipulation.

CDU-Krise: Merkels Experiment ist gescheitert – sie muss sich eine unangenehme Frage stellen

Written By: Florian Schillat - Feb• 13•20

Angela Merkel war sich des Risikos bewusst. "Das ist ein Wagnis, keine Frage", sagte die Bundeskanzlerin am 29. Oktober 2018, als sie ihren Rückzug vom CDU-Parteivorsitz ankündigte. Seit dem 10. Februar 2020, ebenfalls einem Montag, steht fest: das Wagnis war zu groß.

Mit dem Rückzug der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer ist Merkels Experiment gescheitert, Kanzlerschaft und Parteivorsitz vorübergehend in verschiedene Hände zu geben. Das "neue Kapitel", das Merkel aufschlagen wollte, muss mit "Krise" überschrieben werden.

Das ist ein Wagnis, keine Frage, aber unter Abwägung aller Vor- und Nachteile bin ich dennoch zum Ergebnis gekommen, dass es vertretbar ist, dieses Wagnis einzugehen.

Kramp-Karrenbauer hat sich auf das "Wagnis" eingelassen. Als CDU-Parteivorsitzende hat sie allzu oft keinen souveränen Eindruck gemacht, sich vor allem kommunikative Schnitzer geleistet. Das Rezo-Video, der Gendertoiletten-Witz, das zögerliche Statement zum Thüringen-Eklat. Sie ist auch an sich selbst gescheitert, ja. Aber nicht nur. 

Angela Merkels Strategie, den Übergang geordnet zu organisieren, ist nicht aufgegangen

Weder konnte sie auf dem Weg ins Kanzleramt mit Rückhalt aus eben diesem rechnen (etwa bei der innerparteilichen Aufarbeitung der Flüchtlingspolitik 2015), noch auf die nötige Beinfreiheit (etwa im Umgang mit dem Thüringer Tabubruch), um sich die nötige Geltung als Chefin der Christdemokraten zu verschaffen. Die Autorität lag stets bei der Bundeskanzlerin, so der Eindruck – spätestens mit Kramp-Karrenbauers Wechsel in ihr Bundeskabinett war das auch organisatorisch so.

Merkels Strategie, den Übergang geordnet zu organisieren, ist nicht aufgegangen und hat schließlich eine suboptimale Ambivalenz geschaffen: Die scheidende Bundeskanzlerin ist die beliebteste (CDU-)Politikerin der Bundesrepublik, während Kramp-Karrenbauer weit abgeschlagen hinter Armin Laschet, Friedrich Merz und Jens Spahn rangiert. 

Vor allem diese drei Namen werden genannt, wenn es um die Nachfolge Kramp-Karrenbauers geht. Ihre Vorgängerin wird den möglichen Aspiranten eine Mahnung sein: Kein künftiger CDU-Parteivorsitzender, mit Ambitionen auf das Kanzleramt, kann sich unbesorgt auf Merkels "Wagnis" einlassen – die Versuchsanordnung erscheint zu riskant, die Gefahr, zwischen Kanzleramt und Parteizentrale pulverisiert zu werden, zu groß.

Ich habe mir immer gewünscht und vorgenommen, meine staatspolitischen und parteipolitischen Ämter in Würde zu tragen und sie eines Tages auch in Würde zu verlassen.

Will sie ihr Amt in Würde verlassen, muss sich die Bundeskanzlerin nun eine unangenehme Frage stellen: Wäre sie auch dazu bereit, das Amt der Bundeskanzlerin vor Ende der Legislaturperiode abzugeben? 

Dies würde auch bedeuten, dass ihr Plan, das Amt "in Würde" zu verlassen, nicht aufgehen würde. Die möglichen Aspiranten auf den Parteivorsitz und auf die Kanzlerschaft, davon ist auszugehen, dürften kaum Kramp-Karrenbauers Weg einschlagen wollen. Ihr Experiment hat sich als erfolglos erwiesen – ein Umstand, der auch Physikerin Merkel bewusst sein dürfte. Und ein Umstand, der noch ihre Bedeutung beschädigen könnte, wenn sich die Partei in Zukunft inhaltlich gegen ihre Linie stellt.

Es ist mein Verständnis, sowohl als Bundeskanzlerin aber auch als Vorsitzende der CDU Deutschlands, dass die Demokratie von der mehrheitlich getragenen Übereinkunft lebt, dass ihre Staatsdiener alles in ihrer Macht stehende für den inneren Frieden und den Zusammenhalt unseres Landes tun. Und dass sie sich immer wieder prüfen, was genau sie dafür tun können.

Auch das hat Merkel am 29. Oktober 2018 gesagt.

Uneinsichtiger US-Präsident: Was Donald Trump aus dem Impeachment-Verfahren gelernt hat? Offenbar nichts

Written By: Steven Montero - Feb• 13•20

Im Bezug auf die Einmischung Trumps im Fall von Roger Stone, fragt ein Reporter den US-Präsidenten, was er aus dem Amtsenthebungsprozess gelernt habe. Seine Antwort spricht Bände über die heikle Lage der amerikanischen Demokratie.

Coronavirus: Seit einer Woche unter Quarantäne – Situation auf „Diamond Princess“ spitzt sich zu

Written By: Rune Weichert - Feb• 12•20

Seit nunmehr einer Woche steht das riesige Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" im Hafen der japanischen Millionenstadt Yokohama unter Quarantäne. Ein Passagier, der mit dem Luxusliner von Yokohama nach Hongkong gereist war, war nach seiner Reise positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden. Nach der Rückkehr des Schiffes nach Yokohama am 5. Februar waren deshalb auch Passagiere und Besatzung auf Symptome untersucht worden. Bei zehn Menschen war der Test auf das Virus positiv ausgefallen, wie die Reederei Princess Cruises berichtete.

Seitdem sind insgesamt 174 Menschen an Bord der "Diamond Princess" mit Covid-19, wie der Virus inzwischen offiziell heißt, infiziert worden. 40 dieser Fälle wurden in der Nacht zu Mittwoch bestätigt. Darunter soll auch ein japanischer Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden sein, wie die Reederei und japanische Medien berichten. Vier Passagiere hätten schwerwiegende Symptome, berichtet die Zeitung "Asahi Shimbun". Diejenigen, die positiv getestet wurden, seien in Krankenhäuser gebracht worden.

Frustration macht sich unter den Passagieren breit

Von den rund 3700 Menschen an Bord sind laut der Zeitung bislang 493 Menschen auf das Virus getestet worden. Die Regierung Japans erwägt demnach, alle Menschen auf dem Schiff testen zu lassen. Zu Beginn hatte das Ministerium die Tests nur auf Personen beschränkt, die Symptome wie Fieber aufwiesen sowie auf solche, die engen Kontakt mit Infizierten hatten.

Durch die steigende Zahl an Infizierten und die Quarantäne verbreiten sich Medienberichten zufolge an Bord Unzufriedenheit und Angst. Eine Gruppe von Passagieren habe sich in einem Brief an das Gesundheitsministerium gewandt. In dem Schreiben fordern sie unter anderem eine bessere Kommunikation, um Wünsche und Bedürfnisse der Passagiere weiterzutragen.

Banner wurden am Deck der "Diamond Princess" befestigt
Banner wurden am Deck der "Diamond Princess" befestigt
© Carl Court

An der Bordwand der "Diamond Princess" seien zudem offenbar von Passagieren Banner aufgehängt worden, auf denen unter anderem "Helft uns" zu lesen war, wie die Zeitung "Mainichi Shimbun" berichtet. Passagiere würden sich über unzureichende Informationen und mangelnde Hygiene beschweren, schreibt die Zeitung weiter. So würden etwa die Kabinen nicht gereinigt und die Bettwäsche nicht gewechselt werden. Die meiste Zeit müssten die Menschen in ihren Kabinen verbringen. Laut der Rederei Princess Cruises wurden nach Beginn der Quarantäne unter anderem neue TV-Kanäle, Filme, Zeitungen und Spiele bereitgestellt, um "ihren Komfort und ihr Wohlergehen" sicherzustellen.

Medizinische Versorgung an Bord offenbar nicht ausreichend

Auch bei der medizinischen Versorgung soll es haken. Ein Passagier erzählte der Nachrichtenagentur Kyodo: "Wir bekommen keine vollständige medizinische Versorgung, obwohl es viele Menschen gibt, deren Gesundheit sich verschlechtert." Es seien 29 Ärzte, 18 Pflegekräfte und zwölf Apotheker an Bord, so die "Asahi Shimbun". Es gebe aber einen Mangel an Medikamenten. Das Gesundheitsministerium stellte laut Zeitung ausreichend Medikamente zur Verfügung, um etwa 1250 Menschen gegen Diabetes, Herzerkrankungen und andere Krankheiten zu behandeln. Es fehlten aber noch Medikamente für 600 Menschen.

Wein auf Kreuzfahrtschiff 12.50

Inzwischen erwäge das japanische Gesundheitsministerium, dass man ältere Passagiere mit Vorerkrankungen vor Ende der Quarantäne am 19. Februar von Bord lasse, berichtete Kyodo. Mehr als 80 Prozent der Passagiere seien über 60 Jahre alt.

Auch die Besatzungsmitglieder stünden unter enormen Druck, erklärte Sho Takahashi, Professor an der medizinischen Fakultät der Universität Tsukuba. Sie seien doppeltem Stress ausgesetzt, da sie sich sowohl weiter um die Passagiere kümmern als auch die Angst vor dem Virus mit sich tragen würden, sagte er der "Japan Times". Frust der Passagiere könnte sich auf die Besatzung entladen. Passagiere hätten berichtet, dass das Personal "total erschöpft" sei.

Coronavirus: Massentests für alle?

Eine Erlösung für die vielen Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord könnte ein schneller Tests für alle sein. Doch ein solcher Massentest wäre eine logistische Herausforderung. Das Gesundheitsministerium teilte dazu mit, dass zu viele Menschen an Bord seien, wie "Asahi Shimbun" berichtet. Das Ministerium habe staatliche und kommunale Gesundheitsinstitute sowie private Testfirmen und Universitätskliniken aufgefordert, zu überprüfen, ob es möglich ist, ein System einzurichten, mit dem jeder an Bord des Schiffes schnell getestet werden könne.

Laut Ministerium könnten 1500 Menschen an einem Tag getestet werden, wenn sämtliche Testgeräte des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten und der regionalen Gesundheitsinstitute verwendet werden würden. Doch die Kosten wären hoch, wie ein Ministeriumsmitarbeiter der "Asahi Shimbun" sagte: "Die Tests bei privaten Unternehmen kosten viel. Regionale- und kommunale Gesundheitsinstitute haben wenig Erfahrung mit dem Testen dieses neuen Coronavirus. Ich bin nicht sicher, ob es möglich ist, so viele Leute zu testen."

Yoshiaki Katsuda, Professor an der Universität Kansai befürchtet: "Es würde eine Menge Test-Kits verbrauchen, was bedeutet, dass wir bei einem weiterem Ausbruch in Japan möglicherweise nicht in der Lage sind, schnell zu handeln." Japans Premierminister Shinzo Abe sicherte unterdessen zu, die Regierung werde die Kapazität der Virentests – derzeit maximal 300 pro Tag – bis zum 18. Februar auf über 1000 erhöhen, berichtet Kyodo.

Quellen: "Asahi Shimbun", "Mainichi Shimbun", Nachrichtenagentur Kyodo, "The Japan Times", NHK, Princess Cruises

Krise der CDU: Ministerpräsident Günther: Es wäre klug gewesen, wenn sich die Thüringer CDU enthalten hätte

Written By: Rune Weichert - Feb• 12•20

Herr Günther, dass Frau Kramp-Karrenbauer nicht weiter CDU-Chefin sein möchte war ein Paukenschlag. Wie haben Sie die Entscheidung aufgenommen?  

Ich bin wirklich überrascht gewesen über ihre Entscheidung. Auch in der Konsequenz, dass sie nicht nur auf die Kanzlerkandidatur verzichtet, sondern auch als Parteivorsitzende ausscheiden will. Da musste ich erst einmal schlucken.

Können Sie diese Entscheidung nachvollziehen? 

Man muss die Entscheidung nicht nur zur Kenntnis nehmen. Ich habe ihre Begründung für diesen Schritt verstanden und trage auch die Folgerungen mit, die daraus entstehen. Ich werde Annegret Kramp-Karrenbauer unterstützen, einen geordneten Übergang auf den Weg zu bringen.

AKK CDU Ticker DREH: 17.40

Durch diesen Schritt ist die CDU allerdings in eine schwere Krise geraten. Wie soll die Partei da wieder rauszukommen?  

Wir brauchen jetzt schnell Klarheit über den Zeitplan zur Neubesetzung der Führungspositionen. Deshalb wäre es gut, wenn es dazu zeitnah Gespräche zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Markus Söder gibt.

Wird denn die Personalfrage das Problem der CDU alleine lösen?  

Die Personalfrage ist das Eine. Ich denke aber, dass wir auch über Inhalte und grundsätzliche Fragen reden müssen. Dazu gehört eine Antwort auf die Frage, ob wir als CDU mit dem Blick auf Thüringen alles richtiggemacht haben. Wir brauchen hier als Union für die Zukunft einen gemeinsamen Kurs.

Es werden ja schon einige potenzielle Nachfolger für Frau Kramp-Karrenbauer gehandelt: Armin Laschet, Jens Spahn, Friedrich Merz. Wer ist Ihrer Meinung nach der aussichtsreichste Kandidat?  

Ich erwarte, dass es eine klare Führung der Union gibt. Dazu gehört, dass Beschlüsse, die das Präsidium gemeinsam gefasst hat, auch respektiert werden. Wie haben uns darauf verständigt, ein geordnetes Verfahren zur Regelung der Nachfolge im Parteivorsitz zu beginnen. Annegret Kramp-Karrenbauer hat diesen Prozess zu ihrer Führungsaufgabe gemacht. Das ist zu respektieren. Das heißt auch, dass jetzt nicht ständig Namen ins Gespräch gebracht werden. Daran fühle ich mich gebunden.  

Es gibt Berichte, dass diese drei möglichen Kandidaten die Nachfolge unter sich ausmachen würden? Können Sie dazu etwas sagen?  

Ich lese im Moment ganz viel darüber, was da angeblich in Partei-Sitzungen stattgefunden und sich im Hintergrund abgespielt haben soll. Mir ist davon überhaupt nichts bekannt. Ich denke, das unterstreicht nur die Notwendigkeit, wenn wir bald Klarheit darüber haben, wie der weitere Zeitplan aussieht. Wir haben doch bei der SPD erlebt, wozu quälend lange Führungsdiskussionen führen. Das sollte uns eine Lehre sein.  

In Ihrer Partei soll es aber bereits eine Front gegen Friedrich Merz geben?  

Meine Phantasie reicht nicht aus, mir vorzustellen, dass sich innerhalb so kurzer Zeit irgendwelche Fronten bilden. Es gibt ohnehin noch keine Signale von irgendwem, Verantwortung zu übernehmen.

Sie haben vor wenigen Tagen noch betont, eine Linken-Regierung in Thüringen müsse im Notfall toleriert werden. Linke und AfD dürften bei den Unvereinbarkeitsbeschlüssen nicht gleichgestellt werden. Können Sie das noch ein bisschen konkretisieren?  

Die Beschlüsse der CDU sind hier eindeutig und auch ich stehe dazu, dass weder die AfD noch die Linkspartei Partner der Union bei einer Regierungsbildung sein können. Was die AfD angeht – eine Partei, die versucht, unser politisches System zu desavouieren, die Demokratie lächerlich zu machen und in Teilen offen rechtsextrem ist, kann kein Ansprechpartner sein. Das muss jedem in der CDU klar sein. Dennoch haben wir nicht klar genug zum Ausdruck gebracht, wie wir mit einer Situation umgehen, in der AfD und Linkspartei eine Mehrheit haben. Es wäre sicher klug gewesen, wenn sich die Thüringer CDU-Fraktion im dritten Wahlgang der Stimme enthalten hätte. Dann wäre Bodo Ramelow Ministerpräsident geworden, und die CDU hätte bei aus ihrer Sicht für das Land bedeutsamen Themen für entsprechende Mehrheiten arbeiten können. Das wäre aus meiner Sicht ein vernünftiger Weg gewesen.

Und warum hat sich die CDU nicht für die Vernunft entschieden?

Es ist für uns in der CDU klar, einen linken Ministerpräsidenten abzulehnen. Selbst eine Enthaltung bei der Wahl hätten einige Funktionsträger nicht akzeptiert. Aber eine CDU, die nicht in der Lage ist, in einer solchen Situation Verantwortung zu zeigen, ist kurzsichtig. Meine Überzeugung ist, dass für die CDU in Situationen, wie wir sie in Thüringen erlebt haben, die Devise gelten muss, erst das Land, dann die Partei. Annegret Kramp-Karrenbauer hat in diesem Sinne mit der CDU Thüringen geredet.Hufeiesentheorie warum das schwachsinn ist 20.00

Könnten Sie auch eine links gerichtete Regierung im Bund tolerieren?  

Ich halte das für vollkommen ausgeschlossen. Die inhaltlichen Unterschiede zwischen CDU und Linkspartei etwa in der Sicherheits- und Außenpolitik sind so gravierend, dass jeder Gedanke an solche Modelle von selbst erledigt.  

Haben Sie denn selbst Interesse an dem Amt des CDU-Vorsitzenden?  

Ich habe mich dazu in der Vergangenheit klar geäußert und dem gibt es nichts hinzuzufügen.  

Anmerkung der Redaktion: Günther äußerte sich Anfang Januar, dass er auf einen Fortbestand der Jamaika-Koalition über die Wahl 2022 hinaus setze. Bundespolitische Ambitionen habe er keine: "Ich habe immer gesagt, dass mich nichts anderes reizt als Ministerpräsident in Schleswig-Holstein zu sein." Wenn seine Partei dies wolle, werde er 2022 wieder als Spitzenkandidat der Nord-CDU antreten. "Über weitere Fragen mache ich mir zum jetzigen Zeitpunkt gar keine Gedanken." (Quelle: DPA)

Krise in China : Deutsche in Shanghai über das Coronavirus: „Die Straßen sind gespenstisch leer“

Written By: Jessica Kröll - Feb• 12•20

Vor anderthalb Jahren zog es Carina La Grange aus dem hessischen Wetzlar mit ihrem Mann und ihren drei Kindern nach Shanghai. Seit August 2018 bewohnt die Familie in der Metropolenstadt ein Einfamilienhaus in einem sogenannten Compound, einer bewachten Wohnanlage mit Freizeiteinrichtungen und kleinen Supermärkten. Während ihr Mann an der Deutschen Schule Shanghai als Förderschullehrer in der Grund- und Sekundarstufe unterrichtet, kümmert sich Carina um den Haushalt und die drei sieben, neun und 15 Jahre alten Kinder. Doch seit im Januar in China die Coronavirus-Krise ausgebrochen ist, steht der Alltag der Familie still. Mit dem stern hat die 37-Jährige über die Situation vor Ort gesprochen.

Wann haben Sie das erste Mal von dem Coronavirus erfahren?

So richtig wahrgenommen haben wir den Ausbruch des Virus erst Ende Januar, kurz vor dem Beginn unserer Chinese-New-Year-Ferien. Dann ging es mit den Sicherheitsmaßnahmen der Regierung Schlag auf Schlag. Der Mundschutz wurde Pflicht. Alle öffentlichen Chinese-New-Year-Veranstaltungen wurden abgesagt. Parks und Restaurants wurden geschlossen. Das Fiebermessen an den Eingängen zu Malls, Cafés, und so weiter wurde eingeführt. 

Carina La Grange
Carina La Grange aus Wetzlar wanderte im August 2018 mit ihrem Mann und den drei gemeinsamen Kindern nach Shanghai aus
© privat

Wie hat sich ihr Leben seitdem verändert?

Wir verbringen definitiv mehr Zeit zu Hause oder in unserem Compound und achten sehr auf unsere Gesundheit. Ich möchte nicht dass die Kinder jetzt krank werden und wir einen Arzt benötigen. Also bewegen wir uns viel an der frischen Luft, ernähren uns gesund und trinken viel.

Wie sieht ihr Alltag aus?

Unser Alltag findet zurzeit wirklich sehr eingeschränkt statt. Der größte Teil der öffentlichen Einrichtungen, Parks, Restaurants und Freizeitanlagen sind geschlossen und die Straßen sind gespenstisch leer. Die Schule wurde nach den Chinese-New-Year-Ferien zuerst für 14 Tage geschlossen und letzte Woche bis voraussichtlich Ende Februar. Dadurch sind mein Mann und unsere Kinder im Moment zu Hause. Das ist eine Vorgabe der Regierung und betrifft alle chinesischen, wie auch internationale Kindergärten und Schulen. Die Kinder bekommen von ihren Lehrern online Wochenpläne, die sie zu Hause bearbeiten. Am Vormittag von 9 bis etwa 13.30 Uhr steht bei uns daher jetzt "Homeschooling" auf dem Tagesplan. Hauptsächlich arbeitet mein Mann mit unseren Kleinen und zwei Nachbarkindern, die ebenfalls in der zweiten und vierten Klasse sind. Das läuft ziemlich gut und die festen Zeiten geben den Kindern Struktur. Am Nachmittag wird gespielt und gelesen, wir kochen und backen gerne. Einmal am Tag gibt es einen Spaziergang oder eine Fahrradtour wo wir auch Lebensmittel einkaufen gehen. Langweilig wird uns nicht. Ich bin selbst erstaunt, das unsere Laune noch so gut ist. Nachts ist unser Compound von 0 bis 6 Uhr komplett geschlossen. Tagsüber ist er ebenfalls für Besucher und Lieferungen gesperrt.

TICKER CORONA 7.05 

Aber tagsüber können Sie sich, frei bewegen und auch Bus oder Bahn fahren?

Ja, wir dürfen uns, abgesehen von der Ausgangssperre nachts, frei bewegen, müssen aber jederzeit damit rechnen dass bei uns Fieber gemessen wird. Bei jedem Café, am Eingang der Malls und beim Zugang zu unserem Compound. Unsere Kinder treffen auch regelmäßig am Nachmittag Freunde im Compound. Mit befreundeten Familien treffen wir uns auch außerhalb in Cafés oder machen gemeinsame Fahrradtouren. 

Das Virus soll in Wuhan ausgebrochen sein. Wie weit ist das in etwa weg von Ihnen? 

Wuhan liegt etwa 800 Kilometer von uns entfernt. Aber wir waren noch nie da und kennen auch niemanden der dort lebt oder arbeitet.

Kennen Sie persönlich jemandem, der infiziert ist?

Nein, wir kennen niemanden, der an dem Coronavirus erkrankt ist.

Leere Straßen in Shanghai
Wo sonst reger Verkehr herrscht, sind die Straßen menschenleer. Sohn Leopold freut's: "Hier ist Fahrrad fahren normalerweise nicht möglich", kommentiert Carina La Grange das Foto.
© privat

Wir in Deutschland bekommen täglich neue Meldungen über zahlreiche Tote und immer neue Infizierte. Wie ist das bei Ihnen? Fühlen Sie sich gut informiert?

Das Thema Nachrichten ist hier immer spannend. Bis Montagnachmittag wurden hier 909 Verstorbene gemeldet. Grundsätzlich verfolgen wir eher die internationalen und deutschen Nachrichten, als die chinesischen. Wir erhalten aber über WeChat, also die chinesische Alternative zu WhatsApp, Artikel und Berichte aus den chinesischen Medien die wir über Translator-Programme übersetzen können. Zum Teil fühlen wir uns eher über-informiert, denn ständig prasseln Informationen auf einen ein, die sich leider auch sehr oft widersprechen. Damit meine ich, zum Beispiel den Widerspruch zwischen den drastischen Sicherheitsmaßnahmen der Regierung und den Aussagen dass das Virus gar nicht so aggressiv sei. Das macht uns natürlich unsicher und man überlegt ob die Zahlen über die Infizierten und Verstorbenen auch korrekt sind. 

Welche Maßnahmen ergreifen Sie selbst, um sich zu schützen?

Zum einen bewegen wir uns sehr viel weniger in der Stadt und meiden Menschenmassen. Wir tragen in allen geschlossenen Räumen, wie Supermarkt, Taxi oder Metro, einen Mundschutz, waschen regelmäßig unsere Hände und desinfizieren sie.

Leere Auslagen in einem Supermarkt
Leere Auslagen: Derzeit schließen die Supermärkte abends etwas früher
© privat

Hier waren Masken relativ schnell ausverkauft. Wie ist es bei Ihnen?

Aufgrund der Luftverschmutzung in Shanghai hat eigentlich jeder ausreichend Mundschutz im Haus. Für den Schutz vor dem Coronavirus werden Masken mit dem N95-Standard empfohlen. Diese sind hier inzwischen ausverkauft. Zwischenzeitlich wurden sie nur in begrenzter Stückzahl an Einzelpersonen abgegeben, oder Apotheken haben nur eine gewisse Anzahl am Tag verkauft. So standen morgens schon Leute Schlange vor der Apotheke. 

Gibt es Hamsterkäufe und eine Panik in der Bevölkerung?

In der ersten Woche nach dem Bekanntwerden des Virus in Shanghai auf jeden Fall. Wir wussten ja auch nicht, ob die Supermärkte irgendwann schließen müssen und haben uns vorsorglich mit den Grundnahrungsmitteln eingedeckt. Inzwischen hat sich die Situation aber entspannt. Die Supermärkte schließen lediglich abends etwas früher. Von einer Panik in der Bevölkerung haben wir nichts mitbekommen.

Trauer um Arzt mit Coronavirus 08.19

Wie groß sind Ihre persönlichen Sorgen in Bezug auf das Virus?

Unsere Sorge ist nicht mal das Virus an sich, oder das wir daran erkranken können, denn wir fühlen uns durch den eingeschränkten Bewegungsradius und unsere Vorsichtsmaßnahme recht sicher. Aktuell sind hier in Shanghai auch "nur" etwa 300 Personen erkrankt, bei einer Einwohnerzahl von 27 Millionen. Die einzigen Gedanken und unsere Sorgen sind das wir in unserem Leben immer mehr eingeschränkt werden und uns nicht mehr frei bewegen können.

Haben Sie Kontakt zu anderen Deutschen und tauschen sie sich über die Krankheit aus?

Ja, wir haben tolle Community und gerade jetzt tut es besonders gut. Wir tauschen uns aus, sprechen über die neusten Nachrichten und verbringen viel Zeit mit unseren Freunden. Allerdings sind auch viele unserer Freunde noch nicht wieder in Shanghai, wenn sie in den Ferien im Ausland waren, oder sind nach Deutschland geflogen. Viele Rückflüge wurden gecancelt und die Familien wurden auf andere Flüge umgebucht.

Fiebermessen am Eingang des Compounds
Bei jedem Café, am Eingang der Malls und hier, am Eingang der Wohnanlage von Familie La Grange, müssen die Einwohner damit rechnen, dass bei ihnen Fieber gemessen wird
© privat

Können Sie denn überall hin fliegen?

Es gibt viele Länder, die wir aktuell nicht anfliegen können, gerade im südostasiatischen Raum sowie Australien und Neuseeland. Aber grundsätzlich ist Reisen kein Problem, solange wir den Mundschutz tragen, der inzwischen ein Muss ist. 

Es gibt in China immer mehr Tote. In Deutschland hingegen zeigen die Erkrankten kaum bis gar keine Symptome. Können Sie sich das erklären?

Nein, leider nicht. Dieser Widerspruch ist auch für uns unerklärlich. Vielleicht liegt es an der Bevölkerungsdichte und der Ballung der Infizierten in China - im Speziellen in Wuhan. Auch unter den Chinesen gibt es die verschiedensten Theorien, ebenso wie in Deutschland, warum hier mit so drastischen Maßnahmen gehandelt wird. Die Erkrankung am Coronavirus wurde nach dem Aufkommen der ersten Fälle eher als ungefährlich eingeschätzt und Informationen wurden zurückgehalten.

Wie ist die medizinische Versorgung vor Ort? 

Im Moment haben sämtliche Fachärzte vor Ort geschlossen und selbst die internationalen Krankenhäuser sind für uns nicht frei zugänglich. Ich denke ich würde zuerst mal zuhause behandeln, wir sind wirklich gut ausgestattet mit Medikamenten. Es ist auch unsicher, ob wir bei einem anderen medizinischen Fall in einem internationalen Krankenhaus behandelt werden. Zurzeit scheint sich die medizinische Versorgung nur auf Fieber und Viruserkrankungen zu konzentrieren. Selbst das Auswärtige Amt weist darauf hin. Im Falle einer Infektion mit Fieber wird von der chinesischen Regierung vorgegeben an welches Krankenhaus man sich wenden muss.

Haben Sie schon mal überlegt, das Land zu verlassen? 

Ja, und wir überlegen täglich aufs Neue, ob wir ausreisen sollen. Aber wir sind zu Hause, fühlen uns sicher und sind mit allem versorgt. Sollte sich daran etwas ändern, werden wir sicherlich für eine Zeit nach Deutschland fliegen.