USA 2020: Wahlkampf in Trump-Land: Jeden Tag eine neue Bombe – aber wen juckt’s?

Written By: Tim Sohr - Sep• 28•20

Die Woodward-Enthüllungen, der Bericht über Trumps Steuergebaren – selbst die krassesten Meldungen scheinen niemanden mehr ernsthaft zu erschüttern: Im US-Wahlkampf zeigt sich die ganze Lethargie und moralische Verkommenheit eines Landes kurz vor der Implosion.

Mitte November erscheint Barack Obamas Autobiografie "Ein verheißenes Land". Auf über 1000 Seiten, zum stolzen Preis von 42 Euro, kann der geneigte Leser dann laut Klappentext die "unwahrscheinliche Odyssee vom jungen Mann auf der Suche nach seiner Identität bis hin zum führenden Politiker der freien Welt" nachverfolgen. Es wird, soviel steht wohl fest, zwei Wochen nach der Wahl der Bericht aus einer vergangenen Epoche sein. Eine Art unfreiwilliger Nachruf auf eine (gerne) große Nation.

Es ist ein Absturz, der im geschichtlichen Kontext ironischerweise mit der Vereidigung Obamas seinen Anfang nahm, als dieser die Folgen der Wirtschaftskrise erbte, sich bald mit Sarah Palin und den Hardlinern der Tea Party konfrontiert sah und schließlich von den Republikanern im Kongress unverhohlen boykottiert und de facto entmachtet wurde.

Der schlimmste Verlust ist jener der Ehre

Es ist aber auch ein Absturz, dessen Ausmaße niemals deutlicher wurde als in der heißen Phase des aktuellen Wahlkampfes. Die USA sind unter Präsident Donald Trump tief gesunken, politisch nicht mehr besser in Schuss als eine Bananenrepublik – aber der schlimmste Verlust ist jener der Ehre und jeglicher Form moralischer Integrität.

Trump hat in den vier Jahren seiner Amtszeit die Spaltung des Landes vorangetrieben und dafür gesorgt, dass Wahrheit und Fakten keine Bedeutung mehr haben. Das ist nicht neu. Und trotzdem muss die tatsächliche Verkommenheit des Landes anno 2020 bei allem Zynismus jeden anständigen Menschen schockieren.

Vor zwei Wochen zeigten die Enthüllungen des Journalisten Bob Woodward, dass der Präsident sein Volk seit Anbeginn der Pandemie bewusst belogen und so den Tod von mehr als 200.000 US-Amerikanern mutwillig in Kauf genommen hat. Eine Erkenntnis, die wohl den meisten Anführern westlicher Demokratien nicht nur auf die Füße fallen, sondern sie in ihrem Amt quasi unmöglich machen würde.PAID Der Mythos vom erfolgreichen Geschäftsmann Donald Trump, 19.15 Uhr 

Jetzt berichtet die "New York Times", dass Trump jahrelang nur minimale oder gar keine Einkommensteuer auf Bundesebene gezahlt hat. Eine publizistische Bombe, vom Präsidenten routinemäßig als "fake news" entschärft und damit in seinem Amerika flugs zu den Akten gelegt. Schon morgen kräht kein sprichwörtlicher Hahn mehr danach. 

Oder?

Wahlkampf in Trump-Land funktioniert sinngemäß so, wie es der Publizist David Remnick im "New Yorker" beschreibt: Jeden Tag eine neue Bombe – aber wen juckt's? 

Die treuen Anhänger des Präsidenten wohl kaum, weil sie anders ticken. Weil sie, wie Remnick treffend schreibt, "die Unehrlichkeit, die Scheinheiligkeit, die Lügen, die Inkompetenz" des Donald Trump als gegeben hinnehmen und sich nicht weiter an ihnen stören. Ihr Weltbild dreht sich ausschließlich um den 74-Jährigen, und es ist so unerschütterlich wie das Denkmal am Mount Rushmore, an dem sich auch Trump so gerne als monumentalen Porträtkopf verewigt sehen würde. Und deshalb nehmen sie ihrem Führer jedes noch so lächerliche Dementi ab.

Donald Trump und die Narrenfreiheit

In den USA, die er in den vergangenen vier Jahren geprägt hat, genießt "the Donald" eine furchteinflößende Narrenfreiheit, die an seine denkwürdige Einschätzung von 2016 erinnert: "Ich könnte mitten auf der Fifth Avenue jemanden erschießen und würde keine Wähler verlieren, ok?!" Es ist inzwischen davon auszugehen, dass er mit dieser Einschätzung richtiger lag, als alle amerikanischen Verbündeten es in ihren schlimmsten Albträumen für möglich gehalten hätten. Und nur der Ausgang der Wahl und ihre weiteren Umstände werden zeigen, wie irreparabel der Schaden wirklich ist.

Donald Trump Steuern Obama Tweet 12.09Es ist davon auszugehen, dass hinter den Leaks von Woodward oder der "Times" sehr kluge und taktisch versierte Köpfe stecken, die sich den richtigen Zeitpunkt zur Veröffentlichung lange und gründlich überlegt haben dürften. Aber es steht zu befürchten, dass jede noch so traurige Wahrheit über die verbrecherischen Machenschaften ihres skrupellosen Präsidenten in den nur noch vermeintlich Vereinigten Staaten dieses düsteren Herbstes schon am nächsten Tag wahlweise überholt oder vergessen sein wird. Was auch immer die Demokraten möglicherweise noch im Köcher haben: Es spielt wahrscheinlich keine Rolle.

Barack Obamas verheißenes Land ist längst ein verdorbenes Land. Und wenn die Dinge bis Mitte November ihren Lauf so nehmen, wie es zu befürchten steht: ein verbranntes Land.

„Absolut lächerlicher PR-Schritt“: Putin für Nobelpreis nominiert – mit dieser absurden Begründung

Written By: Ellen Ivits - Sep• 28•20

Mussolini, Hitler oder Stalin: Sie alle waren zu ihrer Zeit für den Friedensnobelpreis nominiert worden. Nun gehört auch Wladimir Putin zu dieser illustren Runde. Und für seine Nominierung werden denkwürdige Grüne angeführt. 

Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny ist für den Friedennobelpreis 2021 nominiert worden. Professoren mehrerer Universitäten ergriffen die Initiative und schlugen den Kreml-Gegner als Kandidaten vor. Der russische Wissenschaftler, Professor an der Rutgers University in New Jersey, Sergej Erofeew, gab dies auf seiner Facebook-Seite bekannt. Das konnten die Anhänger Wladimir Putins nicht auf sich sitzen lassen. Prompt ging bei dem Nobelkomitee die Nominierung des russischen Präsidenten ein. 

Der Schriftsteller Sergei Komkow hat nach eigenen Angaben den Vorschlag bereits am 9. September in Oslo eingereicht. "Obwohl Wladimir Putin als Oberhaut eines Staates, das derzeit über alle Arten moderner Waffen verfügt, enorme Möglichkeiten hätte, beeilt er sich nicht, diese Waffen einzusetzen", heißt es in der Begründung für die Nominierung. Stattdessen würde Putin nach anderen Möglichkeiten zur Lösung von Konflikten suchen. Komkow ist also der Meinung, dass Putin den Nobelpreis verdient hätte, weil er nicht alle ihm zur Verfügung stehenden Waffen einsetzt und die Welt nicht schon längst in Schutt und Asche gelegt hat. 

Außerdem habe Putin die Vorstellung eines Gottes in der russischen Verfassung verankert und internationale Hilfe während der Corona-Pandemie geleistet, argumentiert Komkow.

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Putins Vertrauter 

Das Engagement Komkows kommt nicht von ungefähr. Der Autor einiger Bücher ist vor allem als Chefredakteur des Kreml-Blatts "Präsident" tätig, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, dem "russischen Präsidenten auf jeder Ebene wahrheitsgemäße Informationen" zur Verfügung zu stellen. Auf der Seite des Propaganda-Organs preist er sich selbst als "Vertrauten des Präsidenten der Russischen Föderation Putin". 

Außerdem ist er nach eigenen Angaben Doktor der Pädagogischen Wissenschaften, Doktor der Rechtswissenschaften, Professor und Mitglied der Moskauer Schriftstellervereinigung. Darüber hinaus ist er aber Mitglied des 2001 gegründeten Präsidentenclubs "Vertrauen", der ins Leben gerufen wurde, "um Wladimir Putin und seine Präsidentschaftsprogramme zu unterstützen".

Und diese Aufgabe erfüllt Komkow ganz und gar. Über die Mitglieder des Nobelkomitees sagte er nun: "Entweder sind sie Diener dunkler Mächte und sind bereit, völlig blind für jede Art des Bösen zu stimmen. Oder sie sind Erben und echte Vollstrecker des Willens des großen Nobels." Wenn Putin den Preis nicht bekomme, müsse das Friedensnobelkomitee "aufgelöst werden", führte er weiter aus.

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"Ein absolut lächerlicher PR-Schritt"

Im Kreml gibt man sich da gelassener: "Wenn die Entscheidung auf Putin fällt, wäre es super, wenn nicht, ist das aber auch kein Problem", kommentierte Pressesprecher Dmitri Peskow die Nominierung. Chancen rechnet man sich im Kreml offenbar keine aus.

Der Politiker Boris Wischnewsky glaubt jedenfalls nicht an den Erfolg Putins: "Es ist klar, dass niemand Putin den Nobelpreis geben wird. Besonders wenn man bedenkt, welche großartigen "Verdienste" Wladimir Wladimirovich um den Frieden in dieser Welt vorzuweisen hat", sagte der Chef der Jabloko-Fraktion in der Stadtduma von St. Petersburg im Interview mit dem unabhängigen Sender "Radio Swoboda". "Zuerst griffen wir Georgien an, dann die Ukraine und schließlich mischten wir uns in den Krieg in Syrien ein. Wenn es einen Anti-Nobelpreis oder einen Kriegsnobelpreis geben würde, würde Waldimir Wladimirowitsch wohl zu den Favoriten gehören." 

Er glaube nicht einmal, dass die ganze Aktion vom Kreml koordiniert wurde. "Es ist so idiotisch, dass ich sogar bereit bin zu glauben, dass dieser Schriftsteller, den bislang niemand kannte, ohne Zustimmung gehandelt hat", so Wischnewsky weiter. "Er hat sich einfach entschlossen, sich anzudienen. Anbiederung erfordert nicht immer eine Absegnung."

Der Politiker Sergej Mitrokhin ist in diesem Punkt anderer Meinung: "Natürlich war die Aktion abgesprochen, daran habe ich keinen Zweifel", sagte der ehemalige Vorsitzende der oppositionellen Partei Jabloko im Gespräch mit "Radio Swoboda". Die Nominierung sei "ein absolut lächerlicher PR-Schritt." Umso schlimmer, dass der Kreml sowas zulasse, denn das Ganze werde nach hinten losgehen. Die Verleihung an Putin sei "natürlich unrealistisch, unmöglich. Und es besteht die Gefahr, in diesem Kampf gegen Nawalny oder Tichanowskaja zu verlieren." "Es ist so dumm, dass es nicht einmal lustig ist", stimmte ihm Wischnewsky zu.

Die Statuten des Nobelkomitees 

Im Übrigen kann für den Friedensnobelpreis jeder nominiert werden: Mussolini, Hitler oder Stalin sind auch schon mal vorgeschlagen worden. Nominierungen einreichen können unter anderem Mitglieder von Parlamenten, Regierungen, Universitäten, Friedensforschungsinstituten und Richter. Weder die Namen der Nominierer noch der Nominierten dürfen bis zum Ablauf einer Frist von 50 Jahren jedoch nicht bekannt gegeben werden. Daher kann das Nobelkomitee keine Stellung zu der Nominierung Putins beziehen. 

Eine Blamage nach der nächsten : Putins Woche der Peinlichkeiten

Written By: Ellen Ivits - Sep• 27•20

Waldimir Putin hat keine schöne Woche hinter sich: Erst überführte er sich selbst der Lüge. Dann verprellte er Macron mit einer absurden Idee. Und schließlich bescherte ihm auch noch das eigene Militär eine empfindliche Blamage. 

Es hätte ein fulminanter Auftritt für Wladimir Putin werden können: Die Rede bei der 75. Generaldebatte der UN-Vollversammlung - zumal die Veranstaltung in diesem Jahr größtenteils digital stattfand und die Ansprachen im Vorfeld aufgezeichnet worden waren. Zum ersten Mal seit fünf Jahren wandte sich Putin an die versammelten UN-Herrschaften. Doch statt einer glühenden Rede und heiß ersehnten Antworten auf brennende Fragen, bekam die Weltöffentlichkeit Putins alte Leier zu hören - die er auch noch größtenteils von einem Blatt Papier ablas.

Da war wieder die Warnung vor einer vermeintlichen "Umdeutung der Geschichte" durch den Westen, der der Sowjetunion den Sieg über Nazi-Deutschland angeblich nicht gönnt. Da war wieder das Loblied auf den russischen Anti-Corona-Impfstoff, wobei Putin selbst sich lieber weiter in Selbstisolation verschanzt als sich sein Wundermittelchen zu spritzen. Und da war wieder der Ruf nach der Aufhebung der Sanktionen, die die "Weltwirtschaft lähmen" würden.

Sich selbst der Lüge überführt 

Es ist jedoch nicht die Weltwirtschaft, um die sich Putin sorgt - sondern die russische. Der Kreml-Chef lässt so gut wie keinen Auftritt auf internationaler Bühne aus, um dieses Anliegen vorzubringen. Dabei scheint ihm zu entgehen, dass die Position eines Bittstellers, seiner eigenen Propaganda zuwiderläuft. Seit Jahren versucht er, der eigenen Bevölkerung einzubläuen, dass die westlichen Sanktionen Russland sogar zugute kämen. Diese würden die heimische Produktion ankurbeln. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Tatsächlich leben mittlerweile nach offiziellen Daten des russischen Amts für Statistik 19,9 Millionen russische Bürger unter dem Existenzminimum, das das russische Arbeitsministerium mit 12.392 Rubel beziffert hatte. Umgerechnet sind es nach aktuellem Kurs 136 Euro. Und diese Zahlen dürften auch noch schön gerechnet sein. 

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Mit seinem wiederholten Ruf nach der Aufhebung der Sanktionen gesteht Putin selbst ein, wie sehr ihm und seinem Reich die Sanktionen zusetzen und gibt sich eine Blöße, die am Image des starken Führers, das er so gerne pflegt und hegt, deutliche Schrammen hinterlässt. 

Macron verprellt 

Auch in einer anderen Angelegenheit machte Putin ein ungewolltes Eingeständnis: Alexej Nawalny. Die französische Zeitung "Le Monde" zitierte in dieser Woche aus einem Telefonat Putins mit seinem Pariser Kollegen Emmanuel Macron, das noch am 14. September stattgefunden hatte. Demnach habe der Kreml-Chef Macron weismachen wollen, dass Nawalny sich selbst mit Nowitschok vergiften haben könnte, um politischen Profit daraus zu schlagen und Russland zu diskreditieren. Es sei schließlich doch gar nicht so schwierig, das Gift herzustellen, so Putin.

Die Idee, dass Nawalny einen chemischen Kampfstoff zusammengemischt und dann sich selbst vergiftet hat, empfand man im Elysee-Palast nicht nur als absurd, sondern auch beleidigend. Ein französischer Geheimdienstmitarbeiter verriet dem Magazin "The Business Insider", dass Macron diese Erklärung Putins als persönlichen Affront aufgefasst habe. 

"Er hat erwartet, dass ihm erzählt wird, dass es sich um ein internes Problem handelt, oder möglicherweise um eine nicht genehmigte Operation eines Untergebenen, oder dass irgendwelche Tschetschenen beschuldigt werden, ohne Putins Zustimmung gehandelt zu haben", erzählte die Quelle. "Stattdessen bekam er diesen völligen Unsinn zu hören, dass Nawalny sich selbst ein tödliches Gift verabreicht haben soll, das nur in den sichersten russischen Militäreinrichtungen zu finden ist."

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Man verstehe, dass "solche albernen, verwirrenden und oft widersprüchlichen Angaben" die Art und Weise kennzeichnen, wie Putin sich im Inland gebärdet. "Aber mit dem Präsidenten von Frankreich? Macrons Standpunkt ist es, dass man den französischen Präsidenten nicht anlügen kann, als wäre er ein russischer Bauer", so der Geheimdienstler.

Doch nicht einmal die "russischen Bauern" kaufen ihrem Präsidenten solch eine absurde Version ab. In den sozialen Netzwerken ergießen sie über Putin hämische Kommentare. "Die perfekte Reaktion auf dreiste Lügen. Bravo, Macron!", "Putin sollte aufhören zu denken, er sei schlauer alle anderen" oder "Putin ist so verlogen, dass er keine Grenzen mehr kennt" - schreiben die Russen sich ihren Frust von der Seele.

Vom Militär Blamage beschert 

Und als ob sich Putin noch nicht genug selbst kompromittiert hat, bescherte das russische Militär dem Kreml-Chef eine weitere Blamage. Während einer Übung wurde in der Region Twer ein Militärjet abgeschossen. Die Besatzung eines der teilnehmenden Flugzeuge eröffnete während des Manövers echtes Feuer. Insgesamt fünf Geschütze sollen abgefeuert worden sein. Ein technischer Fehler soll die Ursache gewesen sein. Zum Glück konnten die beiden Piloten sich rechtzeitig katapultieren. Vom Militärjet des Typs Su-30 ist aber nicht mehr viel übrig.

Der Vorfall wirft ein schlechtes Licht, auf das von Putin gepriesene Militär, das er in der vergangenen Woche selbst ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt hat. In der gesamten Welt gebe es keine Waffen, die den russischen das Wasser reichen könnten, hatte er gerade noch posaunt, da schießen die eigenen Soldaten bei einer Übung den eigenen Jet ab. 

Infektionskrankheit: West-Nil-Virus erreicht Deutschland: „Die Fälle werden bei sehr heißen Sommern zunehmen“

Written By: Anika Geisler - Sep• 25•20

Das West-Nil-Virus wird von Mücken übertragen und stammt ursprünglich aus Afrika. Doch aufgrund des Klimawandels gibt es nun auch hierzulande immer mehr Fälle. Die Folgen können schwerwiegend sein. Und einen Impfstoff gibt es nicht.

Herr Professor Lübbert, mit der Klimakrise treten neue Infektionskrankheiten in Deutschland auf. Das Robert Koch-Institut meldete vor kurzem, dass in diesem Sommer mindestens zwölf Menschen hierzulande am West-Nil-Virus erkrankt sind. Was ist das für eine Krankheit?

Das West-Nil-Virus ist ein Erreger, der ursprünglich aus Afrika stammt, 1937 wurde das Virus das erste Mal in einer Probe aus dem West-Nil-Distrikt in Uganda beschrieben. Inzwischen ist es auf allen Kontinenten zu finden. Neun der bislang bekannten deutschen Patienten kommen aus dem Großraum Leipzig, wir haben sie innerhalb der vergangenen vier Wochen am Uniklinikum betreut. Drei waren schwer krank mit Beteiligung der Hirnhäute oder des Gehirns. Einer der Patienten, ein älterer Mann, liegt noch auf der Intensivstation, er wird beatmet und ist komatös. Das Besondere jetzt ist: Die Patienten, die bei uns in Behandlung sind, waren vorher nicht auf Reisen. Sie haben sich also innerhalb Deutschlands angesteckt.

Wie kann man sich anstecken?

Das Virus wird durch den Stich einer Mücke übertragen. Der Zusammenhang ist wie folgt: Infizierte Zugvögel bringen den Erreger auf andere Kontinente, auch nach Europa. Die Mücke saugt Blut beim Vogel und überträgt das Virus beim nächsten Stich unter Umständen auch auf sogenannte Fehlwirte wie Pferde oder den Menschen. Dieser Erreger ist ein gutes Beispiel dafür, wie der Klimawandel die Ausbreitung von Krankheiten vorantreibt. Denn: Zur Übertragung in unseren Breitengraden auf den Menschen kommt es nur, wenn sehr hohe Temperaturen herrschen. Erst wenn längere Zeit eine Durchschnittstemperatur von 20 Grad oder mehr erreicht wird, wird der biologische Zyklus des Virus in der Mücke komplett durchlaufen. So warm war es bei uns im August und auch in der vorvergangenen Woche.

Braucht es für die Ansteckung eine besondere, exotisch eingewanderte Mücken-Art?

Nein, das Virus wird auch durch Mücken übertragen, die hier in Deutschland heimisch sind. Das ist bei uns vor allem "Culex pipiens", die Gemeine Stechmücke oder Nördliche Hausmücke. Es muss nur warm genug sein.  Lübbert Teaser

Erkrankt jeder, der von einer infizierten Mücke gestochen wird?

Nein, etwa 80 Prozent der Betroffenen merken von der Infektion gar nichts. Circa 20 Prozent bekommen grippale Symptome, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen oder Hautausschlag. Ein Prozent erkrankt schwer, es kommt zur Entzündung der Hirnhäute oder des Gehirns, es können Gedächtnisstörungen und Lähmungen zurückbleiben. Die Krankheit kann in seltenen Fällen tödlich verlaufen. Diejenigen, bei denen es zu solch starken Beschwerden kommt, haben meist Vorerkrankungen, die das Immunsystem schwächen, oder sie sind hochbetagt. Rein rechnerisch bedeutet das im Moment: Wahrscheinlich haben sich im Großraum Leipzig ein paar hundert Menschen infiziert, die das zum Großteil gar nicht bemerken – eben weil sie keine oder nur leichte Symptome haben.

Ist das West-Nil-Virus komplett neu in Deutschland?

Seit wenigen Jahren gibt es immer wieder medizinische Fallberichte von Menschen, die sich bei einer Reise in einem anderen Land angesteckt hatten und bei denen die Symptome nach der Rückkehr hier in Deutschland auftraten. Wir haben im Jahr 2018 selbst so einen Fall an der Uniklinik Leipzig behandelt, die Patientin hatte sich in Österreich angesteckt. Das Neue jetzt ist, dass sich die Menschen innerhalb Deutschlands mit dem West-Nil-Virus infiziert haben. Eben durch diese besondere Mischung: Zugvögel, Überwinterung des Virus in der Hausmücke und Wärme.

Wie behandelt man die Krankheit?

Es gibt kein spezielles Medikament gegen das Virus. Man versorgt die Patienten nach dem Schema "best supportive care", also bestmögliche begleitende Behandlung. Letztlich müssen der Körper und das Abwehrsystem selbst das Virus bekämpfen.

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Wird es einen Impfstoff geben?

Für Pferde, die auch daran erkranken können, gibt es bereits mehrere Impfstoffe. Ich denke, wenn das Virus sich weiter in wohlhabenden, westlichen Industrie-Nationen verbreitet und sich die Bereitstellung von Impfstoffen für die pharmazeutische Industrie lohnt, wird demnächst auch ein Impfstoff für den Menschen in klinischen Studien geprüft. Entsprechende Kandidaten gibt es bereits.

Kann es auch zu einer Übertragung von Mensch zu Mensch kommen?

Nein, das passiert zum Glück nicht, das ist die gute Nachricht. Wenn eine Mücke einen infizierten Menschen sticht und Blut saugt, reicht die Virusmenge nicht, dass beim nächsten Stich der nächste Mensch angesteckt wird.

Was raten Sie?

Vor allem Menschen, die nicht mehr kerngesund sind, mehrere Vorerkrankungen haben oder ein geschwächtes Immunsystem, sollten sich hierzulande besonders bei großer Hitze sorgfältig vor Mückenstichen schützen. Durch Mückenschutzmittel, lange Kleidung und feinmaschige Gittern vor den Fenstern.

Inzwischen erreichen auch exotische Mückenarten Europa und Deutschland.  Welche Krankheiten können sie übertragen?

Das europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) in Stockholm veröffentlicht regelmäßig Verbreitungskarten von unterschiedlichen Mückenarten. Die asiatische Tigermücke beispielsweise, Aedes albopictus, kann das Dengue-Fieber und auch das ähnlich verlaufende Chikungunya-Fieber übertragen. Diese Mückenart ist vor allem in den südostasiatischen Tropen und Subtropen heimisch, hat aber inzwischen auch in Europa und im Süden Deutschlands Fuß gefasst. Sie breitet sich langsam nach Norden aus. Noch gab es keinen Fall von Dengue-Fieber in Deutschland, bei dem sich ein Mensch hierzulande angesteckt hat. Aber die Tigermücke ist da. Für eine Übertragung des Virus muss es allerdings wirklich heiß sein. Infektionen innerhalb des Landes gab es bereits in Teilen Spaniens, Kroatiens, Südfrankreich und Portugal; darunter war ein großer Ausbruch mit mehr als 2000 Betroffenen im Jahr 2012 / 2013 auf der Insel Madeira.  

Culex pipiens: Eine Stechmücke saugt Blut
Eine Stechmücke saugt Blut
© Emanuele Biggi/FLPA/imageBROKER

West-Nil-Virus, Dengue-Fieber, Chikungunya – was behalten Infektiologen noch im Auge?

Die "viszerale Leishmaniose", auch genannt "Kala Azar". Das ist eine Krankheit, die vor allem in Ostafrika, Indien, Bangladesch und Brasilien häufig ist, die es aber auch im Mittelmeerraum gibt. Überträger sind sogenannte Schmetterlingsmücken. Sie kommen inzwischen auch in einzelnen, wärmeren Regionen in Deutschland vor, im Oberrheintal beispielsweise. Es gab erste Dengue-Erkrankungsfälle hierzulande, bei denen man nicht mehr einwandfrei sagen konnte: Der Patient hat sich im Ausland angesteckt. Ein Problem in Zukunft könnte sein: Infizierte Tiere wie Hunde aus südlichen Ländern, die den Erreger in sich tragen,  kommen nach Deutschland – ob auf offiziellen Wegen oder geschmuggelt. Die Überträger, die Schmetterlingsmücken, sind bereits hier. Da muss man aufpassen, wie sich das entwickelt.

Kann es theoretisch auch Malaria hier geben?

Zum einen haben wir natürlich Fälle von Reiserückkehrern, die sich im Ausland angesteckt haben, insbesondere in Subsahara-Afrika. Aber, es gibt auch Fälle, bei denen eine infizierte Mücke aus den Tropen hierhergekommen ist, im Flugzeug oder im Gepäck. Und wenn diese Mücke bei warmen Temperaturen hier nicht gleich stirbt und jemanden sticht, kann es zu einer Malaria-Erkrankung kommen. Das nennt man Airport- oder Baggage-Malaria, also Flughafen-Malaria oder Gepäck-Malaria. Das gibt es. Es sind aber in ganz Europa nur Einzelfälle. In Deutschland gab es meines Wissens zuletzt zwei derartige Fälle im Oktober 2019 bei Mitarbeitern des Frankfurter Flughafens.  

Sie raten den Menschen zu einem guten Schutz vor Mücken. Worauf sollten Ärzte besonders achten?

Das West-Nil-Virus ist jetzt leider Teil der Medizin in Deutschland geworden. Es ist davon auszugehen, dass die Erkrankungsfälle bei sehr heißen Sommern in den nächsten Jahren zunehmen. Ärzte, besonders Hausärzte, Internisten und Neurologen, sollten an diese Infektion denken, wenn sie Patienten mit unklaren Hirnhaut- oder Gehirnentzündungen betreuen.

US-Wahl 2020: Trump, Demokraten, Inhalte: Dinge, die schon jetzt am US-Wahlkampf nerven

Written By: Niels Kruse - Sep• 25•20

Was Donald Trump gut beherrscht ist, sich in den Mittelpunkt zu drängeln. Für den US-Wahlkampf heißt das: Nebelkerzen und Gebrüll, Nichtthemen, die Debatten beherrschen. Und die Demokraten lassen sich auf ein Spiel ein, das sie nicht gewinnen können.

In sechs Wochen wählen die Amerikaner ihren neuen Präsidenten. Ob es am Wahlabend des 3. November allerdings ein belastbares Ergebnis geben wird, ist unklar. Denn wegen der Corona-Pandemie stimmen Abermillionen von Wählern per Brief ab, weswegen die Auszählung dauern kann. Tage, vielleicht sogar Wochen. Und selbst wenn das Ergebnis feststeht, muss es noch lange nicht von allen akzeptiert werden. Ziemlich sicher wird die eine oder andere Seite einen Grund finden, die Abstimmung anzufechten oder zumindest Teile davon. Ausgang offen.PAID Neues Abtreibungsrecht? Neuer Zündstoff für US-Wahlkampf 20.10

Am Ende der wohl außergewöhnlichsten US-Präsidentschaftswahl seit sehr langer Zeit könnte ein alter Mann mit Hilfe formaler oder juristischer Kniffe ins Weiße Haus einziehen oder dort bleiben; auch wenn ihn die Mehrheit nicht haben will. Wie im Jahr 2000, als George W. Bush nach einem Urteil des Obersten Gerichts US-Präsident wurde. Oder 16 Jahre später Donald Trump, weil der die drei "richtigen" Bundesstaaten gewonnen hat. Neu wäre das alles also nicht, aber nervig. Vor allem für die Amerikaner, aber auch den Rest der Welt.

Donald Trump bleibt der größte Nervfaktor

Der größte Nervfaktor dieser Wahl ist und bleibt Amtsinhaber Donald Trump. Ganz gleich, ob man seine Politik gutheißt oder nicht, dreht sich ständig alles und allein um den Mann im Weißen Haus. Dass sich Donald Trump nur für Donald Trump interessiert – geschenkt. Doch auch die Opposition kennt kein anderes Thema und der weidet sich an ihrem Hass. Genau wie seine Anhänger, für die "Liberale ärgern" längst mehr ist als ein provokantes Spielchen. Und die Demokraten springen wie gewünscht über jedes politisch unkorrekte Stöckchen, das ihnen der Rechtpopulist und seine willigen Hilfstruppen hinhalten.PAID Trump in Kenosha 6.57 Uhr

Auch (wir) Medien reagieren beissreflexartig auf die Eskapaden des US-Präsidenten. Trump sagt dies, Trump tut das, Trump schließt jenes nicht mehr aus – im Tagestakt bläst der US-Präsident neue Ungeheuerlichkeiten heraus. Leider bekleidet er ein zu wichtiges Amt, um seine Worte zu ignorieren. Dabei wäre das die größte "Strafe" für ihn: Nichtbeachtung. Doch das ist in seinem Leben nicht vorgesehen. Meisterhaft versteht er es, sich in den Mittelpunkt zu drängeln und Aufmerksamkeit zu generieren. Diese Art hat einen mitunter angenehmen Nebeneffekt: Sie lenkt ab. Von der Empörung des Vortags genauso wie vom Umgang mit der Corona-Pandemie.

Ein Wahlkampf voller Nichtthemen

Daran schließt sich der nächste Nervfaktor an: der Nichtthemen-Wahlkampf. Wer in den vergangenen Jahren in den USA war, weiß, dass die einst stolze Nation in vielen Ecken wie ein Dritt-Welt-Land wirkt: mit maroder Infrastruktur, verwahrlosten Städten und zum Himmel schreiender Armut. Wer die Amerikaner fragt, was ihnen wichtig ist, bekommt abseits vom Kampf gegen Corona, zu hören: Konjunktur, Justizreformen, Gesundheitspolitik. Was aber bieten beide Parteien? Sie stehen sich wie Duellanten gegenüber, die mit grobem Schrot aus Moral, Diffamierung und Panikmacherei aufeinander schießen. Ein paar harmlose Treffer hier und da, doch der Großteil der Munition verpufft und in der Sache selbst sind die Wähler so schlau wie zuvor.

Bei den so genannten Zwischenwahlen vor zwei Jahren konnten die Demokraten den Republikanern eine Reihe von Parlamentssitzen abtrotzen und das auch deshalb, weil sie nicht wie wild auf den verhassten Präsidenten eingeprügelt haben, sondern konkrete Vorschläge für konkreten Problemen parat hatten. Fazit aus dem damaligen Wahlkampf: Sachpolitik schlägt Sachbeschädiger. Inhaltlich hat der eher unauffällig vor sich hin wahlkämpfende Joe Biden bislang kaum eine Chance, sich zu profilieren. Stattdessen muss er mit ansehen, wie seine Kollegen verzweifelt versuchen, im Trumpschen Gewusel aus Nebelkerzen, Gebrüll und Gestampfe mitzuhalten. Doch als Popanz ist der Präsident einfach besser. Und als Beleidigung für Wählerwille und halbwegs kluge Debatten auch.

US-Wahl 2020: Trumps Skepsis über Klimawandel und Wissenschaft irritiert sein eigenes Wahlkampfteam

Written By: Niels Kruse - Sep• 24•20

Der Klimawandel spielt im US-Wahlkampf keine große Rolle, vor allem nicht für Donald Trump und seine Republikaner. Dabei ist vielen Konservativen die Gefahr der Erderwärmung durchaus klar – klarer jedenfalls als ihrem Präsidenten.

Manchmal verlässt auch Donald Trump sein ausgezeichnetes Gespür für die Wünsche und Themen seiner Wählerschaft. Der Klimawandel ist so ein Beispiel. Als sich der US-Präsident jüngst ein Bild von den Waldbränden in Kalifornien machen wollte, überraschte er die anwesenden Experten mit der These, dass sich das Weltklima bald wieder abkühlen werde. Den Einwand, dass dies allen wissenschaftlichen Erkenntnissen widersprechen würde, entgegnete er: "Nun, ich denke nicht, dass die Wissenschaft es wirklich weiß." Solche Aussagen sind häufig von ihm zu hören, doch damit irritiert er sogar sein eigenes Wahlkampfteam. Auch die Basis ist schon weiter als ihr Präsident.PAID STERN 2020_09 Donald Trump ist als einziger ehrlich 11.31 Uhr

In der USA ist der Umwelt- und Klimaschutz angesichts von Corona-Pandemie, Wirtschaftskrise und ethnischen Spannungen kein allzu großes Wahlkampfthema. Dennoch glaubt die große Mehrheit der US-Bürger, dass die Regierung in Washington zu wenig gegen den Klimawandel unternehme, wie Umfragen zeigen. Und auch wenn sich Anhänger von Trumps Republikanern deutlich weniger um die Folgen der Erderwärmung scheren als die der Demokraten, wächst unter ihnen die Sorge um die Natur. Vor allem unter jungen Konservativen. Trumps Wahlkampfstrategen haben das durchaus erkannt und unternehmen zarte Anbahnungsversuche.

Was kostet der Kampf gegen den Klimawandel?

John McLaughlin gehört zum Wahlkampf-Team des US-Präsidenten und beschreibt den Zwiespalt der US-Wähler: "Die große Mehrheit der Amerikaner hat das Problem des Klimawandels erkannt", sie sei aber nicht bereit, für die Lösung Opfer zu bringen. "Die Wähler wollen ihre Jobs behalten und sie wollen kein Geld bezahlen", zitiert das "Time"-Magazin den Meinungsforscher. In ihren Werbebotschaften betonen die Republikaner daher gerne die echten oder vermeintlichen Kosten des Kampfes gegen die Erderwärmung. Die Klimaschutzideen von Joe Biden, Trumps Kontrahent im Rennen um die Präsidentschaft, werden dann zum "arbeitsplatztötenden Krieg" oder seien gar "Sozialismus" – was in den Vereinigten Staaten gleichbedeutend mit wirtschaftlichem Kollaps ist.Trump Klimawandel Wissenschaftler 20.35h

Weil die Parteistrategen die Klimasorgen ihrer Anhänger nicht gänzlich ignorieren können, unternehmen sie immer wieder zarte Versuche, die umweltpolitischen Erfolge Trumps zu preisen. Was nicht so einfach ist, denn die US-Regierung war in den vergangenen Jahren sehr fleißig darin, Umweltschutzauflagen, viele aus der Zeit von Amtsvorgänger Barack Obama, abzuschaffen. Das freut die Wirtschaft, hilft aber etwa der Trinkwasserqualität in der Nähe von Fracking-Gebieten wenig. Umso bemerkenswerter war jüngst Trumps Ankündigung, Ölbohrungen vor der Küste Floridas zu verbieten. Dass der US-Präsident in diesem Bundesstaat seinen Wohnsitz und ein paar Immobilien hat, war da Nebensache.

"Amerikanische Werte, Kapitalismus und Innovation"

Die allermeisten Partei-Größen akzeptieren sowohl den Klimawandel als menschengemacht als auch die wissenschaftlich geprüften Ursachen. Darauf herumzureiten, versuchen jedoch die meisten zu vermeiden. Als Lösung der Probleme schlagen sie "amerikanische Werte, amerikanischen Kapitalismus, Technik und Innovation" vor, wie es einmal Mitch McConnell sagte, Chef der Republikaner im Senat.

Teile der Parteibasis sind da schon kämpferischer. Vor allem die Jugendorganisation der Republikaner. Zwar gibt es auch dort die Fraktion der Leugner und Verharmloser, doch wächst das Lager derjenigen, die den Klimawandel ernstnehmen und bekämpfen wollen. Vor allem scheinen konservative Studenten und Neuwähler deutlich überparteilicher zu denken, als die derzeitige Führung. "Innerhalb der nächsten zehn Jahre wollen wir sehen, wie Republikaner zusammen mit den Demokraten zu realistischen Lösungen kommen", sagt etwa Jacob Abel, Studienanfänger aus New Jersey. Konkret denke er dabei an die Bepreisung von Kohlendioxid. Dass in den polarisierten Staaten von Amerika ausgerechnet die tief verfeindeten Parteien sich auf etwas wie CO2-Kosten werden einigen können, wirkt jetzt, im Jahr 2020, noch ziemlich utopisch.

Quellen: Insideclimatenews, "Time", DPA, AFP, Pew Institute , KFF.org

Ikone der Grünen: War Fridays for Future erfolgreich? Dieses Zeugnis stellt Hans-Christian Ströbele den Aktivisten aus

Written By: Hendrik Holdmann - Sep• 24•20

Wie geht effektiver Protest? Hans-Christian Ströbele weiß, wie es läuft. Er hat die Umweltbewegung von der Straße in den Bundestag getragen. Im stern-Interview vergleicht der Grünen-Politiker Protest von damals mit heute und stellt Fridays for Future ein Zeugnis aus.

Wie geht effektiver Protest? Hans-Christian Ströbele weiß, wie es läuft. Er hat die Umweltbewegung von der Straße in den Bundestag getragen. Im stern-Interview vergleicht der Grünen-Politiker Protest von damals mit heute und stellt Fridays for Future ein Zeugnis aus.

Wahlrecht mit 16: Lasst die Jungen wählen! – ein Plädoyer für die Millenials

Written By: Kester Schlenz - Sep• 24•20

Früher war stern-Autor Kester Schlenz nicht sicher, ob man 16-Jährige an die Wahlurnen lassen sollte. Dann kamen die Klimastreiks.

Also, ich bin 62, und wer mich einen alten ­weißen Mann nennt, hat verdammt recht. Das Wort "alt" stört mich zwar etwas. Meine Frau fragt mich immerhin regelmäßig, wann ich denn mal gedächte, erwachsen zu werden. Aber egal. Fakt ist: Wenn es gut läuft, darf ich noch rund 20 Jahre auf diesem Planeten verweilen, Ressourcen verbrauchen und später mit dem Rollator im Pflegeheim randalieren ("Weg da. Ich war mal beim stern!").

Die Jugendlichen, die jetzt wieder am Freitag gegen die Klimakrise demonstrieren, haben ihr Leben noch vor sich. Rund 70 Jahre dürften für die Schülerinnen und Schüler im Schnitt noch drin sein. Und sie müssen diese Jahre auf einem Planeten verbringen, den meine Generation versaut hat. Die Klimakrise ist da, und sie ist hausgemacht. Wir haben ökologisch gesehen über ­unsere Verhältnisse gelebt, als gäbe es kein Morgen. Die Jungen wollen es anscheinend besser machen. Jetzt müssen wir sie auch lassen. Der erste Schritt ist, sie mit 16 Jahren wählen zu lassen. Auch die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, in dem Klimapolitik gemacht wird. Denn es geht um ihre Zukunft und nicht mehr so sehr um unsere.

Zugegeben, auch ich habe mir lange die Frage gestellt, ob man mit 16 Jahren wirklich reif und informiert ­genug ist, um eine begründete Wahlentscheidung zu treffen. Aber die Freitagsdemos der Schüler und Schülerinnen für mehr Klimaschutz, denen so viele Erwachsene mit müder Herablassung begegnen, sind eigentlich schon die Antwort.

Wer da mal hingeht, erlebt junge Menschen, die sich für eine gemeinsame Sache einsetzen und das ­Politische entdecken. Man hat der heutigen Jugend oft vorgeworfen, sie würde nur noch weltentrückt und ­vereinzelt vor dem Handy hocken, in sozialen Netz­werken geschönte Fotos posten oder Filmchen gucken. Das ist wohl auch oft so. Aber es ist eben nur ein Teil der Wahrheit. Denn nun zeigt diese Jugend, dass sie sehr wohl differenzieren und Haltung zeigen kann. ­Politische Haltung.Luisa Neubauer Absenkung des Wahlalters_10.09

In der Jugend liegt die Hoffnung

Mir macht das Hoffnung. Sehr viel mehr als die ­andauernden Demonstrationen der Corona-Leugner, auf denen "besorgte Bürger" neben Irren mit Alu-­Hüten, Verschwörungstheoretikern und Rechtsradikalen ­herumlaufen und wirres Zeug in die Mikrofone der Journalisten stammeln. "Mensch", dachte ich neulich, als ich so etwas wieder in den Nachrichten sah, "die dürfen ja auch alle wählen. Wo soll das hinführen?" Da sind mir die Jungen mit ihrer klaren, ökologischen Botschaft doch sehr viel lieber. Was sie fordern, ist radikal, aber berechtigt. Nicht weltfremd, sondern nur konsequent.

Viele, die gegen ein Wahlrecht mit 16 sind, sagen: Das Engagement bei Fridays for Future sei in der Tat be­eindruckend. Aber da gehe es ja nur um ein Thema. Für die Entscheidung, welcher Partei man seine ­Stimme gibt, müsse man eine erkleckliche Menge an Wissen und politischer Erfahrung auf verschiedenen Gebieten ­vorweisen können. Folgt man diesem Argument, dürften mutmaßlich sehr viele erwachsene Menschen in diesem Land nicht wählen. Ich kenne auch nicht jedes Wahlprogramm auswendig, habe mich aber oft ge­wundert, wie wenig Leute über Politik wissen, die im Brustton der Überzeugung erklären, man müsse diese oder jene Partei wählen. Fragt man, warum, kommen oft nicht mehr als ein, zwei Slogans oder die Antwort, dass man das ja immer schon so gemacht habe oder dass man den Kanzlerkandidaten "irgendwie mag". Kann man so machen, aber dann sollte man nicht 16-Jährige auffordern, erst mal Politologie zu studieren, bevor sie eine Wahlentscheidung treffen.

Dazu kommt: Bei den letzten Bundestagswahlen ­verzichteten 25 bis 30 Prozent aller Wahlberechtigten darauf, ihre Stimme abzugeben. Das sind die Des­interessierten, Frustrierten oder was auch immer. Die wird es auch unter den Jugendlichen geben. Und die wählen dann eben ganz einfach nicht. Also: Wo ist das Problem? Lasst die Jungen an die Urnen!

Nachhaltigkeitshack: Kühlschrank richtig einräumen: So halten sich Lebensmittel länger

Written By: Linda Richter - Sep• 24•20

Lebensmittel werden schneller schlecht, wenn Sie falsch im Kühlschrank gelagert werden. Damit Essen nicht verschwendet wird, lohnt es sich, wenn alles am richtigen Platz ist.

Lebensmittel werden schneller schlecht, wenn Sie falsch im Kühlschrank gelagert werden. Damit Essen nicht verschwendet wird, lohnt es sich, wenn alles am richtigen Platz ist.

Covid-19: Die wichtigsten Corona-Daten: Obergrenze, R-Wert, Infizierte

Written By: Patrick Rösing - Sep• 24•20

In welchen Kreisen wird die Obergrenze gerissen? Wie hoch ist der R-Wert? Wie viele Infizierte gibt es? Wo breitet sich das Virus wieder schneller aus? An dieser Stelle erhalten Sie einen Überblick über die wichtigsten Daten zum Thema Covid-19.

Inhalt:

  1. Notbremse: Welche Kreise und Städte halten die Obergrenze (nicht) ein?
  2. Reproduktionszahl R - wie viele Menschen steckt ein Infizierter an?
  3. Entwicklung der täglich neu erfassten Coronavirus-Fälle in Deutschland
  4. Infizierte, Genesene und Verstorbene in Deutschland
  5. So schnell breitet sich das Coronavirus weltweit aus

Notbremse: Welche Kreise und Städte halten die Obergrenze (nicht) ein?

Da die Angst vor einer zweiten Infektionswelle groß ist, haben die Kanzlerin und die Länder-Chefs parallel zur Lockerung der Schutzmaßnahmen eine Notbremse installiert. Die Idee: Steigt die Zahl der Neuinfektionen in einem Kreis innerhalb von sieben Tagen pro 100.000 Einwohner um 50 oder mehr an, werden wieder strengere Schutzmaßnahmen in Kraft gesetzt. Durch diesen Notfallmechanismus sollen neue Infektionsherde vor Ort möglichst schnell wieder gelöscht werden – ohne gleich die ganze Bundesrepublik wieder herunterzufahren. Welche Maßnahmen im Notfall ergriffen werden, bleibt den Handelnden vor Ort überlassen. Einzelne Länder legten in der Folge eigene Messlatten an. Mehr Infos finden Sie hier.

Hinweis für Mobilnutzer: Werden die Grafiken an dieser Stelle nicht oder nicht korrekt angezeigt, klicken Sie bitte hier.

Reproduktionszahl R - wie viele Menschen steckt ein Infizierter an?

Die Reproduktionszahl R, auch oft als R-Wert bezeuchnet, ist eine der zentralen Kennzahlen zur Beurteilung des Verlaufs einer Infektionswelle. R gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter in einem bestimmten Zeitraum im Durchschnitt ansteckt. Je niedriger R ist, desto besser:

Liegt R unter 1, steckt ein Infizierter im Schnitt weniger als einen anderen Menschen an - und die Epidemie läuft aus.

Liegt R bei 1, verläuft die Zahl der Neuinfektionen konstant und linear. Die Kurve steigt also nicht (mehr) exponentiell.

Liegt R über 1, steckt ein Infizierter im Mittel mehr als einen anderen Menschen an - die Zahl der täglichen Neuinfektionen wird größer.

Hinweis: Der R-Wert ist ein Schätzwert. Er basiert laut dem Robert Koch-Institut (RKI) auf der angenommenen Anzahl von COVID-19 Neuerkrankungen. Der R-Wert wird dargestellt mit einem gleitenden Vier-Tages-Mittelwert. Dabei wird jeder Wert mit den Werten der drei vorhergehenden Tage gemittelt. Die Schätzwerte zur Anzahl von Neuerkrankungen und der R-Schätzung zu früheren Tagen können von den Angaben in früheren Lageberichten abweichen, weil täglich der Gesamtverlauf aufgrund der aktuell verfügbaren Daten neu geschätzt wird. Zusätzlich gibt das RKI einen Mittelwert für sieben Tage heraus. Die Daten werden täglich aktualisiert und können hier abgerufen werden

Entwicklung der täglich neu erfassten Coronavirus-Fälle in Deutschland 

Infizierte, Genesene und Verstorbene in Deutschland

Detaillierte Informationen zum Infektionsgeschehen in deutschen Kreisen und Städten finden Sie hier. 

So schnell breitet sich das Coronavirus weltweit aus

Die Weltkarte bietet einen Überblick über die globale Infektionslage. Sehen Sie, in welchen Ländern sich die Ausbreitung verlangsamt und wo sie sich beschleunigt


Quellen: Die Daten in den Grafiken stammen vom Robert Koch-Institut (RKI) oder der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität (JHU). Beides renommierte Stellen, die jedoch unterschiedliche Methoden zur Erfassung und Kommunikation der Daten nutzen. Das RKI veröffentlicht in der Regel einmal am Tag neue Daten, die auf behördlichen Angaben basieren. Die JHU hingegen nutzt auch nicht-amtliche Quellen und veröffentlicht die erfassten Daten quasi in Echtzeit. In der Folge sind die RKI-Zahlen in der Regel etwas niedriger als die der JHU.